Niedrigwasser in Köln 2018

Die Fahrrinne des Rheins soll tiefer werden.

(Foto: dpa)

Rhein-Schifffahrt Maßnahmen gegen Niedrigwasser kosten den Steuerzahler Millionen

Nach dem verheerenden Niedrigwasser im Sommer soll der Rhein für viel Geld eine tiefere Fahrrinne erhalten. Zum Problem könnte ein Unesco-Weltkulturerbe werden.
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BonnSteigende Benzinpreise, Sorge um den Nachschub deutscher Kohlekraftwerke, lange Gesichter bei Touristen, die vergeblich eine Rundfahrt auf dem Rhein gebucht hatten: Zwischen Ende Juni und Anfang Dezember vergangenen Jahres ging auf Deutschlands wichtigster Wasserstraße kaum noch etwas, weil Niedrigwasser das Beladen von Schiffen zum Risiko machte.

An Schleusen in Iffezheim oder Duisburg, so wurde Dienstag bekannt, sank die Schiffstonnage 2018 um fast 25 Prozent zum Vorjahr.

Am Ende bestellten die Stahlhütte Dillingen und BASF in Ludwigshafen sogar den Präsidenten der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (WSV) in ihre Konzernzentralen ein, um bei Hans-Heinrich Witte auf Abhilfe zu dringen. „Die Gespräche verliefen immerhin gewaltfrei“, erinnert sich dieser rückblickend. Die Abhilfe wird nun kommen. Und sie wird, so verkündete Witte am Dienstag in Bonn, den Steuerzahler 260 Millionen Euro kosten.

Voraussichtlich sogar weitaus mehr. Denn erst zwischen 2030 und 2037 rechnet die Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) unterstellte Generaldirektion mit dem Vollzug der geplanten Maßnahmen. „Allein die Inflation wird die Kosten weiter nach oben treiben“, kündigt der Behördenchef vorsichtshalber an.

Zudem ist die erste, schon für 2030 geplante Maßnahme brisant: Für 60 Millionen Euro will die Generaldirektion bis dahin das Flussbett zwischen Mainz/Wiesbaden und St. Goar an sieben Stellen ausgefräst haben, um die Wasserrinne um 20 Zentimeter auf 2,10 Meter zu vertiefen. Gleichzeitig soll dieser 50 Kilometer lange Rheinabschnitt zusätzliche Buhnen erhalten – in den Fluss ragende Wälle, die die Fließgeschwindigkeit mindern und damit den Wasserstand erhöhen.

Auf Widerstand werden die Bonner nicht lange warten müssen. Das Mittelrheintal steht als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco. Baumaßnahmen, die sein Erscheinungsbild verändern, dürften daher kaum durchzusetzen sein. Man habe bereits eine Konsultationsrunde begonnen, heißt es dazu in der Behörde des Bundesverkehrsministers. Buhnen und die ebenfalls geplanten Leitwerke – parallel zum Ufer im Fluss verlaufende Dämme – seien ohnehin nur bei Niedrigwasser zu sehen.

Gleichzeitig wirbt WSV-Dezernatsleiter Ralf Ponath mit Umweltaspekten für das Projekt. „Nach der Fertigstellung könnte jede Schiffseinheit 200 bis 250 Tonnen mehr laden“, rechnet er vor. Schon jetzt ersetze ein Rheinkahn mit 3.000 Tonnen Zuladung 150 Lkws auf der Autobahn.

Doch weitaus teurer noch wird die zweite Bauaktion, die wohl erst zwischen 2034 und 2037 abgeschlossen ist. Zwischen Krefeld und Düsseldorf/Neuss will die WSV die Fahrrinne des Rheins um 30 Zentimeter auf 2,80 Meter vertiefen, weiter bis zum Hafen Dormagen-Stürzelberg vor Köln soll es um 20 Zentimeter in die Tiefe gehen.

Verbände fordern Tempo

Die Vertiefung der Rhein-Fahrrinne empfiehlt bereits der 2016 verabschiedete „Bundesverkehrswegeplan 2030“. Doch nach dem verheerenden Niedrigwasser des vergangenen Jahres drücken Verkehrspolitiker wie der Mainzer Landesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) ebenso aufs Tempo wie betroffene Verbände.

„Nun kommt es darauf an, dass die Baumaßnahmen möglichst schnell angegangen werden“, fordert Fabian Spieß vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt. Schließlich würden 150 Millionen Tonnen Ladung jährlich über den Niederrhein transportiert, 60 Millionen auf dem Mittelrhein. „Der Fluss ist damit die mit Abstand wichtigste Wasserstraßen Deutschlands.“

Dass der Rhein durch den Klimawandel langfristig seine Verkehrsbedeutung verliert, glaubt Behördenpräsident Witte im Übrigen nicht. „In den vergangenen 150 Jahren gab es fünf Ereignisse mit noch mehr Niedrigwasser“, berichtet er. Einen Negativtrend sehe er deshalb zumindest bis 2050 nicht.

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