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Richard Liu Chinas strauchelnder Visionär – JD.com-Chef bremst Pläne für deutschen Markt

Der Gründer von JD.com hatte eine Großoffensive für den Onlinehändler in Europa und Deutschland verkündet. Doch die Realität sieht ganz anders aus.
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„JD will schneller, effizienter und billiger als Amazon werden“

Düsseldorf Richard Liu ist ein Unternehmer, der in ganz großen Dimensionen plant. China ist der größte Markt für Onlinehandel weltweit. Und Liu war es gelungen, seine Firma JD.com, die er 2004 gründete, innerhalb weniger Jahre zum zweitwichtigsten Spieler in dem umkämpften Geschäft zu etablieren. Doch das reichte ihm nicht. Der 45-Jährige wollte mehr, viel mehr.

Im Juli kündigte er im Interview mit dem Handelsblatt eine Offensive für Deutschland und Europa an. „Was in China gut funktioniert, lässt sich auch in Deutschland einsetzen“, sagte Liu. Noch 2018 wollte er ein Büro in Deutschland eröffnen. Doch daraus wird vorerst nichts.

JD.com bremst die Expansionspläne. Nicht nur das. Es ist noch unklar, ob das Büro überhaupt eröffnet wird. Bislang sei nichts geplant, sagte ein Sprecher dem Handelsblatt. „Soweit ich weiß, wird es kein Büro in Deutschland innerhalb des ersten Halbjahrs 2019 geben.“ Neue Entscheidungen könne es erst Anfang Februar geben.

Liu war vorgeprescht. Hatte Amazon und Zalando herausgefordert. Jetzt muss er zurückrudern. Denn seine Firma war in Schieflage geraten. Seit den Ankündigungen im Juli hatte das Unternehmen mehr als 40 Prozent seiner Bewertung an der Börse eingebüßt. Auslöser für das sinkende Vertrauen der Anleger waren jedoch weniger die Europapläne.

Im August war Liu während einer Fortbildung an der University of Minnesota festgenommen worden. Eine 21 Jahre alte Chinesin hatte gesagt, sie sei von dem Geschäftsmann vergewaltigt worden. Darauf folgten monatelange Spekulationen über die Auswirkungen des Falls auf die Geschäfte von JD.com. Denn Gründer Liu hat die Mehrheit der Stimmrechte bei JD.com und damit faktisch die totale Kontrolle über das Unternehmen.

Am 21. Dezember kam dann die Wende. Die Behörden in Minneapolis teilten mit, dass keine Anklage gegen Liu erhoben wird. Die Auswertung von Überwachungskameras, Textnachrichten und Zeugenaussagen habe ergeben, dass Hinweise auf eine Straftat nicht ausreichten. „Deswegen konnten wir keine Anklage erheben“, so Staatsanwalt Mike Freeman.

Liu begrüßte dies. Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft zeige, dass er kein Gesetz gebrochen habe. „Meine Interaktion mit der Frau hat jedoch meiner Familie und besonders meiner Frau schweren Schaden zugefügt“, teilte Liu mit. Dafür entschuldige er sich. Was zwischen ihm und der 21-Jährigen vorgefallen war, sagte er nicht.

Nun versucht JD.com, das verlorene Vertrauen von Investoren zurückzugewinnen. Lius Firma kündigte am zweiten Weihnachtstag ein grundlegendes Restrukturierungsprogramm an. Zudem machte der Aufsichtsrat den Weg frei, damit Aktien für eine Milliarde Dollar zurückgekauft werden.

Der Chinese war im August festgenommen worden. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Richard Liu

Der Chinese war im August festgenommen worden.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Mit den Ankündigungen versuche JD.com zu zeigen, dass die Firma breiter aufgestellt ist und nicht nur von Richard Liu abhängt, sagte Li Yi von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften. „Aber JD steht unter der direkten Kontrolle von Gründer Liu. Und an dieser Realität wird keine Art von Restrukturierung etwas ändern“, sagte Li der Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“.

Liu wird jedenfalls alles daransetzen, sein Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Anschließend könnte er erneut Europa in den Fokus nehmen. Stephan Scheuer

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