Richemont Luxusgüterkonzern tauscht die Führung aus

Die Schmuck- und Uhrenhersteller sehen sich zurzeit in einer schwierigen Lage. Der Schweizer Richemont-Konzern bekommt das deutlich zu spüren und tauscht deswegen seine Führung aus.
Update: 04.11.2016 - 11:07 Uhr
Auch der deutsche Hersteller für Luxus-Schreibutensilien und -Uhren, Mont Blanc, gehört zu Richemont. Quelle: AFP
Gewinn geschrumpft

Auch der deutsche Hersteller für Luxus-Schreibutensilien und -Uhren, Mont Blanc, gehört zu Richemont.

(Foto: AFP)

ZürichNach einer längeren Nachfrageflaute bei teuren Uhren und edlem Schmuck wechselt der Luxusgüterhersteller Richemont seine Führung aus. Der langjährige Konzernchef Richard Lepeu geht im März in Pension, wie der Genfer Konzern am Freitag mitteilte. Finanzchef Gary Saage gibt seinen Posten Ende Juli 2017 ab und wird dann durch Vize-Finanzchef Burkhart Grund ersetzt. Ein neuer Konzernchef ist noch nicht bestimmt. Bis dahin übernimmt Verwaltungsratspräsident Johann Rupert die Aufgaben des Konzernlenker als exekutiver Präsident wahrnehmen.

Zudem nehmen neun Verwaltungsratsmitglieder auf der Generalversammlung im September 2017 den Hut. Der Konzern habe seine Führungsstruktur überdacht und wolle mit den Änderungen auf die Herausforderungen reagieren, die der rasche Technologiewandel auch auf sein traditionelles Geschäftsmodell habe, erklärte Richemont.

Im ersten Halbjahr ging vor allem die Nachfrage nach teuren Uhren erneut zurück. Zudem lasteten außerordentliche Aufwendungen für Rücknahmen vor allem von Uhren von Händlern auf dem Ergebnis. Dabei nimmt der Konzern von Händlern unverkaufte Produkte zurück und schreibt ihnen dafür den Gegenwert gut. Der Gewinn brach in den Monaten April bis September um 51 Prozent auf 540 Millionen Euro ein, der Umsatz sank um 13 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro.

Die zehn beliebtesten Luxusgüter der Welt
Rang 10: Luxus-Kreuzfahrten
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Die Demografie- und Einkommensentwicklung wirkt sich positiv auf die Luxus-Kreuzfahrt-Industrie aus. Rund zwei Milliarden Euro Umsatz wurden 2015 in diesem Marktsegment erwirtschaftet. Im Vergleich zu 2014 ist der Markt um vier Prozent (wechselkursbereinigt) gewachsen. Damit sind Kreuzfahrten unter den Reichen nach wie vor sehr gefragt. Insbesondere Fahrten zu ungewöhnlichen Reisezielen waren in diesem Jahr beliebt.

Rang 9: Luxus-Jachten
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Der Luxus-Jacht-Markt stagniert. 2015 wurden – genauso wie im Vorjahr – weltweit sieben Milliarden Euro in diesem Segment umgesetzt. Das reicht jedoch aus, um einen Platz in der Top Ten der beliebtesten Luxusgüter zu ergattern. Eine positive Tendenz hat sich zudem abgezeichnet: Die Nachfrage nach Halbfertigerzeugnissen in der Industrie aus China und dem Vereinigten Königreich ist zuletzt gestiegen.

Rang 3: Luxuriöse Privatjets
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Privatjets waren 2015 das achtgrößte Segment auf dem Luxusgütermarkt mit einem Umsatz von 21 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Nachfrage um 14 Prozent gewachsen, wechselkursbereinigt ist das Wachstum jedoch sogar um einen Prozent gesunken. Nordamerika ist hier der stärkste Markt.

Rang 7: Hochwertige Designerwaren
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Das zweite Jahr in Folge ist die Nachfrage auf dem Designmarkt gestiegen – wechselkursbereinigt um vier Prozent auf 32 Milliarden Euro. Beliebt waren im vergangenen Jahr vor allem hochwertige Wohn- und Schlafzimmermöbel, sowie Designerlampen. Besonders der europäische Markt konnte von den positiven Wechselkursentwicklungen profitieren, insbesondere Italien und Deutschland kam dies zugute. Den größten Verkaufskanal bildet nach wie vor der Großhandel (66 Prozent), der Online-Handel macht in diesem Segment zurzeit noch einen geringen Anteil aus, wächst aber stetig.

Rang 6: Bildende Künste
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Luxusgüter aus der bildenden Kunst machen 70 Prozent des gesamten Kunstmarkts aus. Die sich schnell entwickelnden Online-Kanäle bilden eine vielversprechende Plattform für interessierte Sammler, die noch keine Marktkenner sind. Der größte Markt ist in diesem Segment die USA, der vor allem in New York floriert.

Rang 5: Delikatessengeschäft
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Ähnliches gilt für das Delikatessengeschäft. In diesem Segment wurden 2015 45 Milliarden Euro umgesetzt, der Markt ist im Vergleich zu 2014 um vier Prozent gewachsen. Insgesamt wurden in der Sparte mit dem Delikatessengeschäft und Luxus-Spirituosen 108 Milliarden Euro auf der ganzen Welt umgesetzt.

Rang 4: Luxusweine und Spirituosen
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Mit Luxusweinen und Spirituosen wurden 2015 64 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Das entspricht einem Wachstum von drei Prozent (wechselkursbereinigt) im Vergleich zum Vorjahr. Auf der ganzen Welt konnte Luxuswein ein solides, organisches Wachstum verzeichnen. Experten rechnen zukünftig mit einer besonders starken Kaufkraft der Touristen in diesem Marktsegment, da sie den Wertverlust des Euro für Luxus-Shoppingtouren in Europa nutzen.

Für die weitere Entwicklung sieht sich Richemont aber gut aufgestellt. Die Uhrenrückkäufe seien weitgehend beendet und wenig produktive Geschäfte sollen geschlossen werden, sagte Präsident Johann Rupert. „25 Geschäfte haben wir bereits zugemacht. Weitere 25 werden bis Ende Jahr noch geschlossen“, sagte Finanzchef Gary Saage. Zuversichtlich zeigte er sich auch angesichts der jüngsten Geschäftsentwicklung. Der Oktober sei gut gelaufen.

Der hinter der französischen LVMH zweitgrößte Luxusgüterhersteller verkauft unter anderem Cartier-Schmuck und Edeluhren der Marken Piaget und IWC sowie teure Bekleidung, Lederwaren und exklusive Schreibutensilien. Die Firma bekommt wie andere Luxusgüterhersteller auch zu spüren, dass seit den Terroranschlägen weniger Touristen nach Europa reisen. Zudem sinkt die Zahl der nach Hongkong verkauften Uhren. Die Schweizer Uhrenexporte befinden sich seit nunmehr 15 Monaten im Sinkflug. In den ersten neun Monaten gingen die Ausfuhren wertmäßig um 10,2 Prozent zurück. In den wichtigsten Markt Hongkong sanken sie gar um fast 30 Prozent.

An der Börse kam der Bericht gut an. Die Aktie kletterte um mehr als sechs Prozent. Analysten sagten, das Ergebnis sei operativ besser ausgefallen, als nach der vor einem Monat veröffentlichten Gewinnwarnung erwartet.

  • rtr
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