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Ride-Pooling Angriff aufs deutsche Taxi: Japaner steigen bei Bahn-Tochter Clever Shuttle ein

Mit einer Mischung aus Linienbus und Taxi rollen die Deutsche Bahn und VW den Beförderungsmarkt auf. Die Bahn-Tochter Clever Shuttle rüstet sich mit weiterem Kapital.
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Die Bahn-Tochter bündelt die Beförderungswünsche seiner Kunden zu gemeinsamen Fahrten, die sich in Sekundenschnelle per Algorithmus errechnen. Quelle: imago/Action Pictures
Clever-Shuttle-Fahrzeuge

Die Bahn-Tochter bündelt die Beförderungswünsche seiner Kunden zu gemeinsamen Fahrten, die sich in Sekundenschnelle per Algorithmus errechnen.

(Foto: imago/Action Pictures)

Düsseldorf Das deutsche Taxigewerbe muss sich auf verschärfte Konkurrenz einstellen. Der japanische Mischkonzern Mitsui beteiligt sich mit zwölf Prozent an der Ridesharing-Tochter der Deutschen Bahn Clever Shuttle. Das bestätigte das Unternehmen auf Anfrage dem Handelsblatt.

Zur Höhe der Kapitalbeteiligung wurden keine Angaben gemacht. Die Bahn bleibt weiterhin Mehrheitsaktionär mit unverändert 76 Prozent, die Gründer des Unternehmens halten weitere zwölf Prozent an dem Unternehmen. Der Geldgeber wolle dem preisgünstigen Chauffeur-Dienst zu einer beschleunigten Expansion verhelfen, berichtet Geschäftsführer und Gründungsmitglied Bruno Ginnuth.

Ähnlich wie der VW-Ableger Moia unterbietet Clever Shuttle die Taxipreise in deutschen Städten etwa um die Hälfte. Dazu bündelt das 2014 in Berlin gegründete Start-up die Beförderungswünsche seiner Kunden zu gemeinsamen Fahrten, die sich in Sekundenschnelle per Algorithmus errechnen. Für ihren Preisvorteil haben Fahrgäste maximale Umwege von 30 Prozent ihrer Fahrstrecke in Kauf zu nehmen – und bis zu 25 Minuten Wartezeit.

„Ride-Pooling“ weiter im Aufschwung

Das Geschäft mit dem sogenannten „Ride-Pooling“, wie es Experten nennen, boomt. Brauchte die heutige Bahn-Tochter für die erste Million Fahrgäste noch 30 Monate, wird sie die vierte Million nun voraussichtlich in weniger als vier Monaten schaffen. 300 Sammeltaxis, ausschließlich mit Elektroantrieb, hat Clever Shuttle aktuell auf der Straße, 200 weitere auf der Bestellliste. Schon im nächsten Jahr soll die Grenze von 1000 durchbrochen werden.

Allerdings machen sich erste Verdrängungseffekte in der Branche bemerkbar. Erst vor wenigen Tagen gab Clever Shuttle bekannt, seine Dienste in Hamburg, Stuttgart und Frankfurt einzustellen. Begründung: ruinöser Preiskampf.

Das Geschäft mit dem „Ride-Pooling“ elektrisiert derzeit insbesondere Investoren aus Fernost. Erst Ende Juli teilte der chinesische Fahrtenvermittler Didi Chuxing mit, der japanische Autobauer Toyota sei mit 600 Millionen Dollar Kapital bei ihm eingestiegen.

Für den chinesischen Uber-Konkurrenten bedeutet das Angebot von App-gesteuerten Sammeltaxen eine weitere Gelegenheit, das eigene Geschäft auszuweiten. 2017 hatte er bei Investoren 5,5 Milliarden Dollar mit der Ansage eingesammelt, die Auslandsexpansion zu verstärken. Zehn Millionen Elektrofahrzeuge, so gab Didi das Ziel vor, wolle man bis 2028 auf den Straßen bewegen. Obwohl der Fahrtenvermittler 2018 einen Verlust von umgerechnet 1,6 Milliarden Dollar einfuhr, bewerteten ihn die Geldgeber zuletzt mit 76 Milliarden Dollar.

Auch der chinesische Amazon-Rivale Alibaba mischt inzwischen mit – und zwar über die Konzerntochter Autonavi. Auch sie versucht sich seit wenigen Monaten im sogenannten Ride-Pooling und sucht nach Expansionsmöglichkeiten.

Eine Viertel Million Fahrgäste im Monat

So kann sich die junge Gilde über fehlendes Geld kaum beklagen. Clever Shuttle gilt als üppig finanziert, auch wenn die Deutsche Bahn den Stuttgarter Autokonzern Daimler bei ihrer Mehrheitsübernahme 2016 als Gesellschafter bei Clever Shuttle herausdrängte. Seit der Firmengründung sei ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag in das Berliner Start-up geflossen, heißt es in Unternehmenskreisen.

Bislang galt Clever Shuttle als deutschlandweit größter Anbieter dieser Art. Derzeit befördern die 1300 fest angestellten Fahrer rund eine Viertel Million Gäste pro Monat – fünf Mal so viel wie noch vor einem Jahr. In diesem Jahr sollen Großstädte wie Köln und Düsseldorf hinzukommen, wie Geschäftsführer Ginnuth durchblicken lässt. „Zudem werden wir 2019 an unserem ersten Standort profitabel sein“, verspricht er.

Doch die Konkurrenz holt auf. In Hamburg erhielt die VW-Tochter Moia die Erlaubnis, ihre Flotte auf 500 Fahrzeuge aufzustocken. Im April 2019 war der Anbieter mit zunächst 100 Elektro-Kleinbussen gestartet, die VW eigens für den Einsatz entwickelte – und dafür enorme Finanzmittel in die Hand nahm. Mit 500 Fahrern, berichtet ein Sprecher, absolviere Moia in der Hansestadt monatlich über 100.000 Einsätze.

Auch in Hannover ist Moia seit einem Jahr aktiv, wenn auch zunächst nur mit 76 Benzin-Kleinbussen. Nachdem die Stadtverwaltung ihre Genehmigung im Februar 2019 ausweitete, wird nun ein Fahrzeugbestand von 150 Stück für die niedersächsische Hauptstadt angepeilt, die Hälfte davon elektrisch.

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