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Right Now Erstattungsportal landet Coup mit Anzeige im Easyjet-Bordmagazin

Das Start-up Right Now hat Werbung im Bordmagazin des Billigfliegers geschaltet. Für das Erstattungsportal erweist sich das als gutes Geschäft.
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Jeden Monat laufen nach Angaben von Right Now mit der britischen Billigfluglinie etwa 80 Verfahren parallel. Quelle: Reuters
Easyjet-Flugzeug

Jeden Monat laufen nach Angaben von Right Now mit der britischen Billigfluglinie etwa 80 Verfahren parallel.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Der „Traveller“ bietet Wohlfühlatmosphäre auf 196 Seiten. „Die Sicherheit und das Wohl unserer Kunden steht an erster Stelle bei allem, was wir tun“, schreibt Easyjet-Konzernchef Johan Lundgren im Editorial des Bordmagazins. Aus diesem Grund habe der britische Billigflieger auch den Verkauf von Erdnüssen im Flugzeug gestoppt, „um Kunden mit einer Nussallergie zu helfen“.

Das Highlight der Juni-Ausgabe versteckt sich aber auf Seite 160. Es ist eine Anzeige: „Flug nicht angetreten? Jetzt Geld zurück!“ So wirbt das Start-up Right Now im Kundenmagazin von Europas zweitgrößter Billigairline für seinen Service Geld-für-Flug.de. Mittendrin prangt noch ein Rabattcode für 20 Prozent mehr Auszahlung. Der spielt bei der Geschichte eine entscheidende Rolle, wie sich noch zeigen soll.

Geld-für-Flug.de kauft Flugtickets auf, die Airlines nicht erstatten wollen. Einen Billigflug hat man schnell mal gebucht. Wenn man ihn dann doch nicht antritt, ist das Geld oft weg. Denn viele Fluggesellschaften erstatten kein Geld zurück. Dabei haben die Kunden in Deutschland zumindest Anspruch auf die Steuern und Gebühren – die entstehen der Airline nämlich nur, wenn der Passagier auch tatsächlich fliegt.

Vor allem Billigflieger weigern sich aber häufig, ihren Kunden das Geld zu erstatten – oder machen es sehr kompliziert. Right Now macht daraus mit Geld-für-Flug.de seit gut zwei Jahren ein Geschäft. Die junge Firma von Benedikt Quarch, Phillip Eischet und Torben Antretter sammelt massenhaft Fälle und klagt, wenn es sein muss, gegen die Airlines. Etwa 25 Prozent der Erstattungssumme behält das Start-up als Provision.

Right Now ist schnell gewachsen und hat inzwischen große Investoren wie Carsten Maschmeyer und die Trivago-Gründer an Bord. 2018 wickelte die Düsseldorfer Firma etwa 50.000 Fälle von Airline-Kunden ab, die ihr Geld meist zurück bekamen. In diesem Jahr rechnen die Gründer mit mindestens 80.000 Fälle. Und immer wieder dabei: Easyjet.

Die Airline erklärt auf Anfrage, dass die Veröffentlichung ein Fehler war.
Anzeige im Easyjet-Bordmagazin

Die Airline erklärt auf Anfrage, dass die Veröffentlichung ein Fehler war.

Während die großen Premium-Airlines wie Lufthansa inzwischen meist ohne Klageverfahren zahlen, streitet Right Now mit Easyjet weiter regelmäßig vor Gericht. Jeden Monat laufen mit der britischen Billigfluglinie etwa 80 Verfahren parallel. Mehr seien es nur bei Ryanair, sagt Mitgründer Benedikt Quarch. Und: „Fast immer entscheiden die Richter gegen die Airline.“

Umso mehr wunderte sich sein Team, als sie eines Tages eine E-Mail aus London bekamen. Absender war die Ink Global, ein Verlag, bei dem etliche Fluggesellschaften weltweit ihre Bordmagazine erstellen lassen – von Eurowings und Condor über United und KLM bis Etihad, Qatar Airways und Singapore Airlines.

Es gebe ein „ernsthaftes Problem“ mit einem Werbepartner, schrieb die Absenderin aus dem Verlag. Deshalb wolle sie dringend mit Geld-für-Flug sprechen. In den kommenden drei Ausgaben gebe es noch Platz für eine Anzeige, die „mehr als 25 Millionen Sommer-Reisende“ erreichen könne.

Täglich neue Kunden

Die Gründer meldeten sich schnell zurück und handeln sogar noch einen Rabatt aus. Dann buchten sie für 13.000 Euro je eine ganzseitige Werbung in der Juni- und in der Juli-Ausgabe. Um messen zu können, wie viele Passagiere wegen des Inserats ein Ticket einreichen, bauten sie einen Aktionscode für einen rabatt von 20 Prozent ein, den Kunden online einlösen können.

Schon bald zeigt sich: Die Easyjet-Leser fliegen auf Geld-für-Flug. Allein bis Mitte Juli gewann das Start-up nach eigenen Angaben mit der Werbung knapp 3000 Kunden. Das lasse sich dank des Rabattcodes zurückverfolgen. Mehr als jeder Fünfte reichte demnach ein Ticket von Easyjet ein. Für die Airline erweist sich die Anzeige offenbar als schlechter Deal.

Die Steuern und Gebühren, die sich Airline-Kunden erstatten lassen können, machen bei einem durchschnittlichen Fall von Right Now etwa 60 Euro aus. Bei rund 600 Lesern des Bordmagazins mit Easyjet-Ticket kämen auf den Billigflieger Forderungen von etwa 36.000 Euro zu. Damit dürfte das Magazin mit der Aktion schon jetzt einen Schaden von mindestens 23.000 Euro verursacht haben. Und täglich melden sich neue Kunden mit dem Code aus dem Heft.

Easyjet erklärt auf Anfrage, dass die Veröffentlichung ein Fehler war. Eine Sprecherin teilt mit: „Das Traveller Magazin von Easyjet wird von einem externen Verlag herausgegeben und wir prüfen derzeit mit ihnen, wie es zu der versehentlichen Veröffentlichung dieser Anzeige kommen konnte.“

Die junge Firma von Benedikt Quarch, Phillip Eischet und Torben Antretter (von links) sammelt massenhaft Fälle und klagt, wenn es sein muss, gegen die Airlines. Quelle: Geld-für-Flug GmbH
Die Gründer von Right Now

Die junge Firma von Benedikt Quarch, Phillip Eischet und Torben Antretter (von links) sammelt massenhaft Fälle und klagt, wenn es sein muss, gegen die Airlines.

(Foto: Geld-für-Flug GmbH)

Easyjet empfehle seinen Kunden stets, ihre Forderungen direkt an die Airline zu stellen. So würden sie nicht einen Teil ihrer Entschädigung an Gebühren verlieren, die von Anwaltskanzleien oder Entschädigungsportalen erhoben würden. „Wir zahlen immer dann eine Entschädigung, wenn sie fällig ist“, so die Sprecherin.

Ink Global ließ eine Anfrage von Orange by Handelsblatt unbeantwortet. Allerdings hat der Verlag bereits reagiert und das Inserat offenbar gestoppt.

Als Right-Now-Mitgründer Quarch in dieser Woche mit Easyjet nach Berlin flog, suchte er das Inserat in der Juli-Ausgabe vergeblich – obwohl das Start-up die Werbung für zwei Monate gebucht und auch bezahlt hat. In einer E-Mail bestätigte der Magazin-Verlag sogar die „Option, die Anzeige auch im August zu buchen“.

Dazu wird es wohl nicht mehr kommen. „Wir haben nachgehakt, warum die Anzeige fehlte“, sagt Quarch. Bisher habe die Airline nicht darauf reagiert. „Es sieht ganz so aus, als müssten wir Easyjet schon wieder verklagen.“ Diesmal in einem sehr gewöhnlichen Rechtsgebiet: Nacherfüllung bei Kauf nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch.

Paula Druschke macht ein Praktikum bei Orange. Andreas Dörnfelder leitet die Redaktion von Orange by Handelsblatt.

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