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Rimowa-Konkurrent in Not Investor attackiert Samsonite und zwingt die Aktie in die Knie

Nach dem kritischen Bericht eines Investors gerät der Kofferhersteller Samsonite in Erklärungsnot. Die Aktie ist vom Handel ausgesetzt.
29.05.2018 - 18:52 Uhr Kommentieren
Samsonite gerät nach einer heftigen Attacke eines Investors unter Druck. Quelle: Reuters
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Samsonite gerät nach einer heftigen Attacke eines Investors unter Druck.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf So überraschend der Angriff kam, so hart traf er den Kofferhersteller: Nach einem kritischen Bericht eines Investors und einem anschließenden Kursrutsch hat Samsonite zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage die Aktie an der Börse Hongkong vom Handel aussetzen lassen. Nun kämpft das Unternehmen um das Vertrauen der Anleger.

In der vergangenen Woche hatte Soren Aandahl von der Short-Selling-Firma Blue Orca Capital in einem Report schwere Vorwürfe gegen die Firmenleitung erhoben. Die Rede ist von angeblich aufgeblähten Umsätzen und Gewinnen und einer intransparenten Corporate Governance. In einer dürren Mitteilung bezeichnete das Unternehmen die Kritik als „einseitig“ und „irreführend“.

Als Begründung für die erneute Aussetzung des Handels am Montag kündigte Samsonite eine weitere Mitteilung zu den Anschuldigungen an. Diese wurde aber bis Redaktionsschluss am Dienstag nicht veröffentlicht.

Die Krise kommt für Samsonite zur Unzeit. Denn eigentlich hatte der Kofferhersteller in Deutschland von den Turbulenzen bei seinem Konkurrenten Rimowa profitieren wollen. Rimowa krempelt nach der Übernahme durch den Luxuskonzern LVMH sein Vertriebsnetz um und setzt zahlreiche Händler vor die Tür.

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    Samsonite-Europa-Chef Arne Borrey hatte im Gespräch mit dem Handelsblatt den Händlern sein Unternehmen als „starke Alternative zu Rimowa“ präsentiert. Nun muss sich Samsonite zunächst um seine eigenen Probleme kümmern – und den Angriff des Investors abwehren.

    Aandahl ist in der Short-Selling-Szene kein Unbekannter. Zwar hat er Blue Orca erst im Mai gegründet und sich Samsonite als erstes Opfer ausgesucht. Er war aber Mitgründer von Glaucus Research, die bereits mit ähnlichen Attacken aufgefallen sind. So hat Glaucus im Juli 2016 einen Report über das chinesische Unternehmen Tech Pro Technology Development veröffentlicht, worauf der Aktienkurs um 86 Prozent abstürzte.

    Strategischer Angriff

    Gerade an der Börse Hongkong sind zahlreiche solcher Short Seller unterwegs. Diese Investoren gehen immer nach dem gleichen Muster vor: Sie leihen sich Aktien eines Unternehmens und verkaufen diese dann sofort wieder – gehen also „short“. Anschließend versuchen sie, durch kritische Berichte den Aktienkurs zu drücken. Gelingt ihnen das, kaufen sie die Aktien günstiger zurück und streichen den dadurch erzielten Kursgewinn ein.

    Auch wenn das Ziel von Aandahls Attacke offensichtlich ist, heißt das nicht, dass seine Vorwürfe haltlos sein müssen. Einige der Anschuldigungen in seinem 48-seitigen Report sind so konkret, dass sie das Unternehmen durchaus in Erklärungsnot bringen könnten.

    Aandahl beispielsweise schreibt, Samsonite habe das sich verlangsamende Wachstum in den Kernmärkten durch schuldenfinanzierte Zukäufe verschleiert. In der Tat gehen die zweistelligen Wachstumsraten im abgelaufenen Quartal und auch im vergangenen Geschäftsjahr zu einem großen Teil auf die Übernahmen des Kofferherstellers Tumi und des Onlinehändlers eBags zurück. Dies hat das Unternehmen jedoch transparent in allen Berichten ausgewiesen.

    Doch es geht nicht nur um den Umsatz. So moniert Aandahl beispielsweise, dass Samsonite in seinem Bericht zur Übernahme angab, Tumi habe Verbindlichkeiten von 139 Millionen US-Dollar. In seinem Quartalsbericht an die Börsenaufsicht SEC hatte Tumi selbst jedoch kurz zuvor seine Verbindlichkeiten mit nur 39 Millionen US-Dollar angegeben. In den zehn Quartalen davor habe Tumi nie höhere Verbindlichkeiten als 48 Millionen Dollar aufgeführt.

    Für Aandahl ist der Schluss daraus klar: Samsonite habe dadurch Kosten von mindestens 60 Millionen US-Dollar nicht in die Gewinn- und Verlust‧rechnung einfließen lassen müssen. Dadurch seien die Gewinnmargen aufgebläht worden. Der Vorsteuergewinn (Ebitda) hätte nach seiner Rechnung im zweiten Halbjahr 2016 und im ersten Halbjahr 2017 um 12 Prozent niedriger sein müssen.

    Samsonite hat dazu bisher nicht konkret Stellung bezogen, sondern nur allgemein erklärt, dass Aandahls Schlüsse nicht korrekt seien. Im Mitte Mai veröffentlichten Quartalsbericht hatte das Unternehmen angegeben, der Nettoumsatz sei um 21,1 Prozent auf 888 Millionen US-Dollar gestiegen. Das Ebitda war mit 122,9 Millionen US-Dollar beziffert worden (plus 11,4 Prozent).

    Kurs rutscht nach Veröffentlichung um 12 Prozent ab

    Außerdem kritisiert der Investor an zahlreichen Beispielen eine aus seiner Sicht mangelnde Transparenz der Unternehmensführung. So habe Samsonite in Asien Geschäfte gemacht mit Firmen, an denen die Familie des Samsonite-Chefs Ramesh Tainwala beteiligt ist. Auch sei die Qualität der internen Kontrollen fragwürdig, so Aandahl. So habe bei der Tochter Samsonite South Asia, die ebenfalls in Teilen Tainwalas Familie gehört, in drei Jahren zweimal die Bilanzprüfungsgesellschaft gewechselt.

    Abseits dieser Detailkritik ist das Gesamtfazit von Aandahls Report: „Samsonite ist eine Mittelklasse-Marke, die sich als Luxusanbieter maskiert.“ Daraus folge, dass das Unternehmen an der Börse deutlich zu hoch bewertet sei. Er halte einen Kurs von 17,59 HK-Dollar für gerechtfertigt, schreibt er. Zum Vergleich: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seines Reports lag der Kurs noch bei 34,05 HK-Dollar.

    Unter den Anlegern hat er damit für große Verunsicherung gesorgt. Direkt nach der Veröffentlichung seines Reports rutschte der Samsonite-Kurs um 12 Prozent.

    Nachdem die Aktie kurzzeitig vom Handel ausgesetzt war, stürzte sie erneut um 12 Prozent ab. Auch Analysten zeigen sich ratlos. „Es ist schwer zu sagen, wann sich der Aktienkurs wieder erholen könnte“, erklärte Louis Tse Ming-kwong von VC Wealth Management. Die Analysten wollen nun abwarten, wie Samsonite reagiert – und ob das Unternehmen überzeugende Argumente im Kampf gegen den Angreifer hat.

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