Rossmann Drogerie-Riese wächst im Ausland schneller als daheim

Das rasante Wachstum der Auslandsfilialen hat die Drogeriekette Rossmann auf den Erfolgskurs geführt. Allerdings bröckeln die Margen im heimischen Markt. Konkurrent dm erobert weitere Marktanteile.
Update: 06.04.2016 - 14:47 Uhr
Vater und Sohn: Dirk und Raoul Rossmann (v.l.n.r) bröckeln die Margen im Heimatmarkt weg. Quelle: dpa
Rossmann

Vater und Sohn: Dirk und Raoul Rossmann (v.l.n.r) bröckeln die Margen im Heimatmarkt weg.

(Foto: dpa)

BurgwedelDie Drogeriemarktkette Rossmann hat 2015 den ersten Gewinnrückgang seit mindestens zehn Jahren verzeichnet. „Die Luft ist ein bisschen dünner geworden“, sagte der Chef des familiengeführten Unternehmens, Dirk Roßmann, zur Vorlage der Bilanz am Mittwoch in Burgwedel bei Hannover. Er führte den Druck auf die Gewinnkraft unter anderem auf eine „Preissenkungswelle“ in der Branche zurück.

Klare Gewinnzahlen des als GmbH firmierenden Konzerns nannte Roßmann wie gewohnt nicht. Jedoch habe der Vorsteuergewinn leicht unter dem Wert aus 2014 gelegen. Damals kamen in der für den Konzern zentralen Dirk Rossmann GmbH 288 Millionen Euro zusammen. Der Seniorchef sagte, die Vorsteuerrendite sei 2015 von 4 auf gut 3,5 Prozent abgesackt.

Zu Details sagte er nichts. Seit 2005 hat der Konzern seinen Gewinn vor Steuern fast versiebenfacht. Einen ähnlichen Trend gab es beim Nachsteuergewinn, der im Jahr 2014 bei knapp 217 Millionen Euro lag.

Das Startquartal 2016 lief beim Umsatzwachstum verhalten an. Die 6,3 Prozent Zuwachs lagen deutlich unter dem Durchschnittswert von 9,4 Prozent Erlösplus aus 2015, was den Rekord von 7,9 Milliarden Euro brachte. Das Inland sei in den ersten drei Monaten um 5,2 Prozent und das Ausland um knapp 10 Prozent gewachsen. Im laufenden Jahr soll das Tempo noch ein wenig zulegen, Rossmann rechne mit „7,0 bis 7,5 Prozent“ Umsatzplus auf dann etwa 8,5 Milliarden Euro.

Zu Preiskampf und Margendruck sagte Roßmann mit Blick auf den großen Konkurrenten dm: „Weitere Preissenkungen von dm halte ich mathematisch nicht mehr für darstellbar.“ Schon heute gelte: „Wir haben eine ganze Menge an Artikeln, an denen wir nichts verdienen.“

Rossmann sei generell offen für weitere Zukäufe. Ein Kandidat sei Budnikowsky. Rossmann hat sich - wie dm - im Vakuum der Branchengröße Schlecker bedient, die 2012 in die Insolvenz ging. Etliche Filialen in rentablen Lagen verleibte sich Rossmann ein. Auch danach standen die Zeichen weiter auf eigenen Ausbau. Das bleibt so: Für 2016 plant die Gruppe mit 200 Millionen Euro die Eröffnung von 260 neuen Märkten im In- und Ausland. 122 Millionen Euro davon sollen daheim fließen, vor allem für 140 neue Märkte sowie Modernisierungen.

Welche Drogeriemärkte die Kunden empfehlen
Worauf achten Kunden in Drogeriemärkten?
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Der „Kundenmonitor Deutschland“ hat in 3153 telefonischen Interviews Deutsche gefragt, wie sie die größten deutschen Drogerieketten bewerten. Dabei mussten sie ihre Einschätzung zu unterschiedlichen Bewertungskriterien abgeben. Unter anderem wurden sie nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis, der Sauberkeit, der Qualität der angebotenen Produkte und der Freundlichkeit der Mitarbeiter gefragt. Die Befragten konnten auf einer Zufriedenheitsskala die Kriterien mit Noten zwischen 1 (vollkommen zufrieden) bis 5 (unzufrieden) bewerten.

Die wichtigsten Kategorien
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Die Befragung zeigte, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Angebotsvielfalt am ausschlaggebendsten für die Zufriedenheit der deutschen Drogeriekunden ist. Die Analyse der einzelnen Kriterien ergab zudem, dass sich die Drogeriemärkte in jeder Kategorie verbessern konnten. Besonders stark war die Verbesserung bei den Themen Sauberkeit, Produktqualität, Angebotsübersichtlichkeit, Freundlichkeit und den Öffnungszeiten.

Zufriedenheit nimmt mit zunehmenden Alter ab
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So leere Regale findet man in deutschen Drogeriemärkten selten vor. Dennoch gibt es vereinzelt auch unzufriedene Kunden. Die Befragung von Kundenmonitor Deutschland hat ergeben, dass die Zufriedenheit mit zunehmenden Alter abnimmt. Kunden unter 40 Jahren hingegen haben die wenigsten Einwände hinsichtlich der Qualität der Filialisten.

Platz 4: Rossmann
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Als Rossmann 1972 gegründet wurde, war es das erste Selbstbedienungsgeschäft für Drogeriewaren. Gründervater ist Dirk Roßmann. Seine Drogeriekette ist mittlerweile die zweitgrößte Deutschlands. Er beschäftigt 26.000 Mitarbeiter und betreibt 1820 Filialen. Rossmann kann vor allem bei der jungen Kundschaft im Alter zwischen 16 bis 39 Jahren punkten, die die Drogeriekette mit einem Mittelwert von 1,95 bewertet haben. Schlechter sieht es bei der älteren Kundschaft aus. Hier kommt Rossmann nur auf einen Mittelwert von 2,2. Insgesamt kann sich Rossmann aber leicht verbessern. Die Durchschnittsnote liegt 2015 bei 2,11. Im Vorjahr bekam die Drogerie nur eine 2,14.

Platz 3: Müller
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Bei der Drogeriekette Müller spielt das Alter hinsichtlich der Zufriedenheit kaum eine Rolle. Insgesamt gaben 71 Prozent der Befragten unter 40 an, mit der Leistung von Müller zufrieden zu sein. Bei den über 60-Jährigen lag der Anteil der Zufriedenen bei 66 Prozent. Insgesamt wurde Müller mit einer Durchschnittsnote von 1,99 bewertet.

Platz 2: Budnikowsky
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Budnikowsky betreibt vor allem in Norddeutschland seine Filialen. 2014 betrug der Umsatz rund 413 Millionen Euro. Die Kunden gehören zu den zufriedensten in Deutschland. Seit 2004 konnte Budnikowsky die Kundenzufriedenheit kontinuierlich steigern. Bei der aktuellen Befragung durch Kundenmonitor Deutschland bekam die Kette eine Durchschnittsnote von 1,92. Besonders zufrieden waren Käufer im Alter zwischen 16 und 39 sowie 40 bis 59 Jahren.

Platz 1: dm
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Knapp vor Budnikowsky belegt dm den ersten Platz im Zufriedenheitsranking. Vor allem in Norddeutschland wird die Kette immer beliebter. Allein in Hamburg steigerte der Drogeriemarkt seine Stammkundschaft von acht auf 17 Prozent. 83 Prozent der Kundschaft im Alter zwischen 16 bis 39 Jahren gab an, mit der Qualität der dm-Märkte vollkommen zufrieden zu sein. Immerhin 70 Prozent der älteren Kundschaft zeigte sich ebenfalls zufrieden mit den Leistungen. Als Durchschnittsnote vergaben die Befragten eine 1,88.

Beim Umsatz hielt das rasante Wachstum der Auslandsfilialen Rossmann im vergangenen Jahr auf dem Erfolgskurs: Während der steigende Umsatz im Inland das dritte Jahr in Folge weniger Dynamik aufwies, ging es fern der Heimat abermals steiler bergauf: Der Auslandsumsatz wuchs 2015 mit gut 14 Prozent fast doppelt so stark wie die Erlöse daheim.

Mit rund 2 der insgesamt 7,9 Milliarden Euro ist Polen im Ausland die klare Nummer eins. Weiter in den roten Zahlen steckt die Türkei, wo Rossmann inzwischen 55 Läden zählt. Sie machten 2015 rund 3 Millionen Euro Verlust, wovon 700 000 Euro auf negative Wechselkurse entfielen. „Es fällt uns viel schwerer, in der Türkei ins Geschäft zu kommen“, räumte Roßmann ein. Mittelfristig stimmten die Perspektiven aber.

Weiterhin defizitär - und ohne rechte Perspektive - sei das Geschäft mit dem Online-Vertriebskanal. Dafür reichten die Margen nicht aus.

  • dpa
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