Run auf Tickets bei Lufthansa und Co. Jumbo auf der Kurzstrecke – warum die Luftfahrt boomt

Fluggesellschaften erleben ein unerwartetes Hoch. Die Ticket-Nachfrage ist zuletzt stärker gewachsen als das Angebot. Die Lufthansa setzt sogar eine Boeing 747 innerhalb von Deutschland ein. Doch wie lange hält der Boom an?
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Zurzeit wird die Nachfrage nach Flugtickets Richtung Berlin von einem besonderen Faktor getrieben: der Pleite von Air Berlin, von der Rivalen profitieren. Quelle: dpa
Lufthansa-Ticket

Zurzeit wird die Nachfrage nach Flugtickets Richtung Berlin von einem besonderen Faktor getrieben: der Pleite von Air Berlin, von der Rivalen profitieren.

(Foto: dpa)

FrankfurtMit dem Jumbo von Frankfurt nach Berlin? Was Lufthansa da im November plant, klingt zunächst unglaublich. Auf mehr als 60 Flügen zwischen Frankfurt und Berlin-Tegel will der Konzern ab dem 1. November eine Boeing 747-400 einsetzen – ein Flugzeug, das dezidiert für die Langstrecke entwickelt und gebaut wurde.

67 Business-Class- und 304 Premium-Economy- beziehungsweise Economy-Passagiere werden in dem Flugzeug dann Platz finden. Lufthansa nennt „betriebliche Gründe“ für den Einsatz des Riesen-Jets. Sprich: Die Nachfrage nach Tickets auf der Rennstrecke ist derzeit so stark, dass nur noch größeres Fluggerät die erforderliche Zusatzkapazität schaffen kann. Denn schon jetzt fliegt die „Hansa“ die Verbindung im Stundentakt – mehr ist kaum möglich.

Ob der Plan wirtschaftlich aufgeht, ist offen. Mit seinen vier Triebwerken braucht der Jumbo alleine zum Abheben ordentlich Kerosin. Das rechnet sich in der Regel erst bei längeren Flügen. Für die Strecke Berlin-Frankfurt sind aber lediglich knapp eine Stunde Flugzeit angesetzt. Kaum in der Luft, kann der Jumbo also schon wieder zum Landeanflug ansetzen. Zudem ist die Frage, wie schnell eine 747 am chronisch überlasteten Berliner Flughafen gefüllt werden kann.

In Tegel finden anders als an anderen Flughäfen die Sicherheitskontrollen direkt am Gate statt. Regelmäßig bilden sich hier lange Schlangen. Die dürften bei der 747 nun noch länger werden.

Die spektakulärsten Airline-Pleiten
2017: Air Berlin
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Mit Air Berlin hat die zweitgrößte Airline Deutschlands Insolvenz angemeldet. Die Pleite bahnte sich seit längerem an: Das Unternehmen mit rund 8.600 Beschäftigten schrieb seit Jahren Verluste und hielt sich hauptsächlich durch Finanzspritzen ihres Großaktionärs Etihad noch in der Luft. Am Freitag drehte die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate den Berlinern aber den Geldhahn zu. Mit dem Kredit von 150 Millionen Euro stellt nun der Bund den Flugbetrieb vorerst sicher.

Harter Wettbewerb
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Air Berlin ist kein Einzelfall. Die goldenen Zeiten der Luftfahrt sind seit der Liberalisierung des Marktes, die in den 1980er-Jahren einsetzte, vorbei. Seitdem regiert ein knallharter Wettbewerb die Lüfte. Auch die Branchenkrise nach den Anschlägen des 11. September 2001 und das Aufkommen der Billigflieger sorgen dafür, dass viele bekannte Airlines in die Pleite gerutscht sind.

1991: Pan American Airways
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Wie kein zweites Unternehmen stand „Pan Am“ für das glamouröse Jet-Zeitalter. 1927 flogen die ersten Postflugzeuge unter dem Namen zwischen Florida und Havanna. Schnell wurde das Unternehmen zu einer der größten US-Fluggesellschaften. Die Airline war eine der ersten, die Interkontinentalflüge anbot, und setzte zahlreiche Standards in der zivilen Luftfahrt. Das blau-weiße „meatball“-Logo von Pan American genießt bis heute Kultstatus.

1991: Pan American Airways
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In den 1980er-Jahren begann der Stern von Pan Am zu sinken. Durch die Deregulierung des US-Marktes kamen zahlreiche Konkurrenten auf. 1988 wurde über dem schottischen Lockerbie eine Maschine durch einen Terroranschlag zum Absturz gebracht, was das Vertrauen der Öffentlichkeit erschütterte. 1991 folgte die Übernahme durch Delta Air Lines.

1992, 1995 und 2001: Trans World Airlines
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Auch TWA gehörte zu den Pionieren der Luftfahrt. Gegründet 1930 als „Transcontinental and Western Air“, machte der exzentrische Milliardär Howard Hughes („The Aviator“) das Unternehmen zur zeitweise größten Airline der Welt. Hinter Pan Am war TWA die inoffiziell zweite Flaggschiff-Gesellschaft der USA. 1985 kaufte der Investor Carl Icahn TWA.

1992, 1995 und 2001: Trans World Airlines
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In den 1990er-Jahren musste TWA zwei Mal in kurzer Folge Gläubigerschutz beantragen. 1996 starben beim Absturz einer Boeing 747 über dem Atlantik 230 Menschen. Die stark geschrumpfte Airline kam 2001 wieder in finanzielle Schwierigkeiten und wurde von Konkurrent American Airlines übernommen.

2001: SwissAir
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1931 gegründet galt die Airline wegen ihrer finanziellen Stabilität lange als „fliegende Bank“. Aufgrund der politischen Neutralität der Schweiz konnte SwissAir zahlreiche lukrative Ziele in Afrika und im Nahen Osten anfliegen.

Andererseits dürfte die Maschine deutlich leichter als sonst sein, denn es muss weniger Treibstoff getankt werden und auch das Gepäck sowie das Catering wird auf der Kurzstrecke weniger Gewicht beanspruchen. Das wiederum senkt die Kosten.

Feststeht, dass es der Lufthansa nicht schwerfallen dürfte, das Flugzeug ausreichend zu füllen. Denn die Passagiere rennen den Airlines gerade weltweit die Bude ein. Nach Berechnungen des Weltluftfahrtverbandes IATA ist die Nachfrage im August gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,2 Prozent gestiegen. Das Angebot der weltweiten Airlines legte hingegen nur um 6,3 Prozent zu.
Besonders stark zeigt sich der Boom im Raum Asien-Pazifik.

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2 Kommentare zu "Run auf Tickets bei Lufthansa und Co.: Jumbo auf der Kurzstrecke – die Luftfahrt boomt"

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  • Der Boom wird so lange anhalten, wie Mr. Trump Präsident ist. Ich frage mich oft, warum diese Frag überhaupt noch gestellt wird?

  • Ausverkauf bei LH?
    why?
    Nachdem Spohr die Truppe auf low cost getrimmt hat wird er künftig dafür sorgen, dass der shareholder vor Freude in die Luft springen wird.

    Freunde: das Fliegen wird einfach teurer.

    Und die Spohr Truppe kann es sich erlauben mit Jumbos low inland destinations anzufliegen, nun wo "Turbine 13" und andere Kaputt-Operateure Spohr nach allen Kräften geholfen haben, damit LH bleibt was es ist: ein Low Cost Flieger, der seinen Kunden auf dicke Welt was vormacht.

    Künftig gar mit Absegnung des Bundeskartellamts...

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