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Easyjet-Flugzeug in Tegel

Der europäische Billigflug-Markt leidet immer stärker unter Überkapazitäten

(Foto: dpa)

Ryanair, Easyjet, Norwegian Für die Billig-Airlines wird es eng

Die Low-Cost-Anbieter sind 2018 erneut stark gewachsen. Das Überangebot drückt die Ticketpreise. Branchenkenner rechnen bald mit der ersten großen Pleite.
Update: 27.01.2019 - 17:31 Uhr Kommentieren

FrankfurtEs war nicht alles Gold, was die britische Billigfluggesellschaft Easyjet in der vergangenen Woche präsentierte. Der Umsatz pro Passagier fiel im abgelaufenen Quartal währungsbereinigt um 4,2 Prozent – vor allem wegen einiger Sondereffekte.

Dennoch legte die Aktie im Tagesverlauf deutlich zu. „Diese Entwicklung ist besser, als wir vorhergesagt hatten“, schrieb Daniel Röska von Bernstein Research in einem ersten Kommentar zu den Zahlen.

Röska stand mit seiner pessimistischeren Einschätzung zu Easyjet nicht alleine. Geht es um die Luftfahrtbranche und hier vor allem um die Billiganbieter, sind Investoren und Analysten deutlich zurückhaltender als noch vor einigen Monaten. Der europäische Billigflugmarkt leidet immer stärker unter Überkapazitäten.

Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass sich der Boom der Wirtschaft langsam dem Ende zuneigt. „Die weitere Branchenentwicklung steht auf der Kippe. Wenn die Konjunktur noch schwächer werden sollte, wird es für viele Airlines eng werden. Aber ob es so kommt, das kann derzeit keiner sagen“, beschreibt Röska die Stimmung.

Im vergangenen Jahr beförderten die sechs größten Low-Cost-Airlines in Europa nach Berechnungen des Handelsblatts 352,6 Millionen Fluggäste. Das sind 10,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

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Spitzenreiter beim Wachstum war die ungarische Wizz Air mit einem Plus von über 19 Prozent – allerdings auf einer niedrigen Basis. Aber auch die Lufthansa-Billigtochter Eurowings legte mit gut 18 Prozent bei den Passagierzahlen kräftig zu und schob sich vor Norwegian auf Platz drei hinter Ryanair und Easyjet.

Das Wachstum fordert seinen Tribut. Die Ticketpreise fallen stärker, als die Airline-Manager erwartet hatten. So musste die irische Ryanair vor wenigen Tagen zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate die eigenen Gewinnvorgaben für das Geschäftsjahr 2018/2019 (per Ende März) senken. Das Management um Firmenchef Michael O’Leary erwartet jetzt einen um Sondereffekte bereinigten Gewinn zwischen 1 und 1,1 Milliarden Euro, nachdem zuvor eine Bandbreite von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro angegeben wurde.

Während die erste Gewinnrevision im vergangenen Oktober vor allem mit Streiks des fliegenden Personals sowie höheren Treibstoffkosten begründet worden war, nennt die Ryanair-Spitze diesmal dezidiert sinkende Ticketpreise als Grund.

Die würden in der laufenden Wintersaison um durchschnittlich sieben Prozent fallen, eigentlich hatte Ryanair nur mit einem Rückgang um zwei Prozent gerechnet. Für Röska sind die pessimistischen Töne bei Ryanair auch ein Hinweis auf die Entwicklung bei anderen Billig-Anbietern.

Norwegian-Chef streicht Standorte

Dabei dürften „Gewinnwarnungen“ noch die harmloseste Folge des Preisdrucks sein. Einige Anbieter haben längst ganz andere Probleme. Die sowieso schon angeschlagene und unter hohen Schulden leidende Norwegian kämpft um ihr Überleben und bremst ihre Expansion massiv ein.

So streicht Airline-Chef Bjørn Kjos Basen in Palma de Mallorca, Gran Canaria, Teneriffa, Rom-Fiumicino und an zwei Standorten in den USA. Sprich: Hier werden die Crews und die Jets abgezogen. Auch das Streckennetz wird zusammengedampft. Betroffen ist zum Beispiel die Verbindung von London-Gatwick nach Singapur oder die vom schottischen Edinburgh nach Stewart (USA).

Zwar konnte Norwegian mit 37,8 Millionen Passagieren im vergangenen Jahr einen neuen Rekord einfliegen. Aber dennoch konnten längst nicht alle Sitze verkauft werden. Die Auslastung der Jets sank von 87,5 Prozent auf 85,8 Prozent. Das dürfte auch dem Versuch geschuldet sein, nicht auch noch den letzten Sitzplatz im Jet mit Kampfpreisen zu füllen, sondern stattdessen mehr hochpreisige Tickets zu verkaufen.

„Ein richtiges Yield-Management ist jetzt wichtiger denn je. Ich erwarte, dass viele Airline-Manager weniger billige Tickets verkaufen werden und dafür in Kauf nehmen, dass die Auslastung der Jets sinken wird“, sagt Röska von Bernstein und fügt hinzu: „Wenn das so kommt, sind wir am Rande einer Rezession.“

Ob diese Strategie bei Norwegian aufgeht, bleibt abzuwarten. Die Situation der Airline spitzt sich jedenfalls immer mehr zu. Um die Schuldenlast zu reduzieren, hat Norwegian damit begonnen, ihr Tafelsilber zu verscherbeln. So sollen für bereits bestellte Airbus A320neo Käufer gefunden werden. Auch die Boeing 737 – sowohl die bereits fliegenden als auch die bestellten – sollen überprüft werden.

All das macht die Airline noch stärker zum Übernahmeobjekt als bisher schon. Die britische-spanische IAG-Holding (British Airways und Iberia) hat bereits zwei Offerten unterbreitet, die Kjos aber abgelehnt hat. Am Donnerstag gab IAG zwar bekannt, eine Übernahme nicht weiter verfolgen zu wollen. Aber auch Lufthansa wird als Interessent gehandelt.

Norwegian ist kein Einzelfall. Die Zeichen häufen sich, dass im Billigsegment der Luftfahrt eine Auslese bevorsteht. Die isländische Wow Air etwa musste im vergangenen Herbst massive finanzielle Probleme melden. Ein erster Versuch, Schutz bei der ebenfalls isländischen Island Air zu finden, scheiterte.

Nun verhandelt Wow-Air-Chef Skúli Mogensen seit mehreren Wochen mit dem US-Airline-Investor Indigo. Der will nach letzten Informationen bis spätestens Ende Februar 75 Millionen Euro bereitstellen, verlangt dafür aber eine radikale Schrumpfung. Die Flotte soll von 20 auf nur noch elf Jets verkleinert werden. Zuvor schon hatte es den dänischen Billigheimer Primera Air erwischt, der Insolvenz anmelden musste.

Und noch mal IndiGo, dieses Mal aber die gleichnamige indische Billigairline: Die hat sich vorerst von Plänen verabschiedet, mit günstigen Langstreckenflügen Europa anzusteuern. Dabei war das Vorhaben schon recht weit gediehen. Die Fluggesellschaft hatte bereits Start- und Landerechte (Slots) etwa in London-Gatwick, Madrid und Paris beantragt.

Die Branche rechnet mit der ersten großen Pleite

Auch wurde angedeutet, dass man für die Verbindung Airbus-A330neo-Jets nutzen wolle. Doch nun sind diese Pläne nach Informationen der indischen Tageszeitung „Economic Times“ zumindest für sechs Monate und vielleicht auch für länger auf Eis gelegt.

Bislang sind es vor allem kleine Low-Cost-Gesellschaften, die ausscheiden oder massiv in ihrer Existenz bedroht sind. Ob und wie schnell es auch große Airlines wie etwa Norwegian trifft, wird heftig diskutiert. In der Branche selbst sehen einige Manager die erste große Pleite eines lupenreinen Billiganbieters nicht mehr weit entfernt. Ryanair-Chef O’Leary hat hier mehrfach dezidiert auf Norwegian als Kandidaten hingewiesen.

Dagegen sieht Daniel Röska von Bernstein derzeit noch keine signifikante Konsolidierung im Low-Cost-Markt, jedenfalls nicht, solange sich die allgemeine Wirtschaftslage nicht noch weiter verschlechtert. Vielmehr werde das Kapazitätswachstum vorerst wohl weitergehen, so der Analyst: „Der Kerosinpreis ist wieder deutlich gesunken, das verschafft nicht zuletzt den vielen kleinen Anbietern wieder neue Luft zum Weitermachen.“

Doch die Erfahrung aus der Vergangenheit lehrt: Ab einem Wirtschaftswachstum von weniger als 1,5 Prozent wird es für die Luftfahrtbranche schwierig.

Stimmt die zu Wochenbeginn auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vorgelegte Prognose des Internationalen Währungsfonds, sieht es zumindest für einen der größten europäischen Luftfahrtmärkte demnach nicht gut aus. Statt um 1,9 Prozent soll die Wirtschaft in Deutschland in diesem Jahr nur noch um 1,3 Prozent zulegen.

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