Ryanair und Co. Billig-Airlines machen mit Zusatzgebühren Kasse

Flugtickets werden zunehmend allein über den Preis verkauft. Die Airlines haben ihre Dienstleistung zerlegt und nahezu alle Extras gestrichen. Nun halten sie für jede Annehmlichkeit die Hand auf.
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Viele Airlines machen längst über kostenpflichtige Dienstleistungen Kasse die zum nackten Ticketpreis hinzu kommen. Quelle: dpa
Zusatzkosten

Viele Airlines machen längst über kostenpflichtige Dienstleistungen Kasse die zum nackten Ticketpreis hinzu kommen.

(Foto: dpa)

Frankfurt/MainNahezu jeder Passagier hat es schon einmal erlebt: Am Ende des Buchungsprozesses ist die Flugreise doch deutlich teurer geworden als zunächst angenommen, nur weil man beispielsweise einen Koffer aufgeben, etwas trinken und neben seinem Partner sitzen wollte. Die Billigflieger haben es vorgemacht, längst haben die etablierten Airlines nachgezogen, wenn es darum geht, dem Fluggast neben dem nackten Ticketpreis zusätzliche kostenpflichtige Dienstleistungen zu verkaufen. Freigepäck und freie Platzwahl gehören auf den allermeisten Flügen längst der Vergangenheit an.

Die Gegenwart heißt Zusatzeinnahmen, die für die Airlines immer wichtiger werden. Ihre Passagiere wollen sie dazu bringen, die Services möglichst vor Flugantritt online zu bestellen. Die Beratungsgesellschaft Idea Works rechnet seit Jahren im Auftrag des Mobilitätsdienstleisters Car Trawler akribisch nach, wie viel Geld die Passagiere auf ihren Flugreisen tatsächlich ausgeben und welche Airlines davon besonders profitieren.

Diese Airlines kassieren über Extras ab
Air Berlin (3,8 Prozent)
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Bei Air Berlin kosten unter anderem das Gepäck und mehr Beinfreiheit extra. Auch On-Board-Verkäufe und das Vielflieger-Programm brachten der Fluggesellschaft im Jahr 2015 Extraeinnahmen in Höhe von gut 156 Millionen Euro – das sind 3,8 Prozent der Gesamteinnahmen. Gutes Geld, doch im Vergleich zur internationalen Konkurrenz nur Peanuts.

Quelle: The Car Trawler Yearbook of Ancillary Revenue

Lufthansa (5,5 Prozent)
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Auch der Lufthansa-Konzern rangiert bei den Zusatzeinnahmen nur unter ferner liefen – zumindest im Verhältnis zu den Gesamteinnahmen (5,5 Prozent). Lufthansa, Swiss, Austrian und Germanwings generierten im Jahr 2015 in diesem Bereich 1,3 Milliarden Euro. Doch in Zukunft will der Konzern immer mehr auf diese Zusatzeinnahmen setzen. So stellte die Lufthansa 2015 ihr Preismodell um. Einige Tickets wurden günstiger, dafür aber bislang kostenlose Zusatzleistungen kostenpflichtig. Damit verbesserte sich die Lufthansa im Bereich Zusatzeinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt. 2016 sollen dann 6,5 Prozent der Gesamteinnahmen auf anderem Wege als über die Ticketpreise erwirtschaftet werden.

Easyjet (20 Prozent)
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Die Palette an Zusatzangeboten ist bei den Briten so groß wie komplex: Bordessen, Gebühren auf Umbuchungen, Stornogebühren, Verwaltungspauschalen für Online-Buchungen und, und, und... Alleine die zweiprozentigen Gebühren auf Zahlungen mit der Kreditkarte bringen der Fluggesellschaft jährlich rund 88 Millionen Euro ein. Insgesamt lagen die Einnahmen durch die Zusatzangebote bei annähernd 1,3 Milliarden Euro – das sind 20 Prozent der Gesamteinnahmen. Platz zehn unter den Airlines.

Tigerair (20,8 Prozent)
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Als Erster ins Flugzeug einsteigen? Kein Problem: Bei Tigerair aus Singapur ist das gegen einen Aufpreis von umgerechnet knapp vier Euro möglich. Und wer in dem asiatischen Stadtstaat länger als acht Stunden auf seinen Anschlussflug warten muss, bekommt für etwa 15 Euro einen Sightseeing-Tour geboten. Kein Wunder, dass bei so viel Kreativität die Kassen im Zusatzgeschäft klingeln: 2015 kam mehr als jeder fünfte Euro der Gesamteinnahmen (20,8 Prozent) aus diesem Bereich – Platz neun. Insgesamt waren es fast 100 Millionen Euro.

Jetstar (21,3 Prozent)
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Jetstar verdient auch mit, wenn Kunden ein Hotelzimmer oder einen Leihwagen buchen. Zusammen mit den bei Billigairlines üblichen Aufschlägen für Catering und Extra-Fußraum hat das der australischen Fluglinie im Jahr 2015 Einnahmen gut 500 Millionen Euro beschert. Ein Anteil von 21,3 Prozent an den Gesamteinnahmen bedeutet gleichzeigt Rang acht.

Flybe (21,2 Prozent)
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Jeder vierte Euro kommt bei der britischen Flybe aus dem Zusatzgeschäft. Gebühren für Kreditkartenzahlungen und Wunschplätze, Gepäckkosten sowie weitere Extras sorgten 2015 für Einnahmen in Höhe von knapp 190 Millionen Euro – Rang sieben unter den Fluggesellschaften.

Volaris (22,3 Prozent)
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Volantis bezeichnet sich selbst als Billigfluglinie. Die Mexikaner steigerten ihre Einnahmen durch die Werbestrategie „Du entscheidest“. Fluggäste sollen selbst wählen, welche zusätzlichen Produkte und Angebote sie kaufen und nutzen wollen. Damit stiegen die Zusatzeinnahmen der Airline pro Fluggast seit 2009 von gut sieben auf fast 18 Euro. Insgesamt waren es im Jahr über 230 Millionen Euro (22,3 Prozent der Gesamteinnahmen). Platz sechs unter den Fluglinien.

Die Geschäftsberichte von 135 Fluggesellschaften für das Jahr 2015 wurden ausgewertet, rund die Hälfte (67) nannte detaillierte Zahlen zu den Extra-Einnahmen. Sie erlösten 40,5 Milliarden US-Dollar zusätzlich, rund 8,7 Prozent ihres Gesamtumsatzes.

Mit fast 52 Dollar pro Passagier war der US-Billigflieger Spirit im Jahr 2015 Weltmeister der Zusatzeinnahmen. Fast die Hälfte seines Umsatzes (43 Prozent) macht der Billigheimer aus Florida mit den zusätzlichen Gebühren. Im radikalen Spirit-Konzept „Bare Fare“ (Nackter Preis) gibt es den Transport von A nach B und einen zugeteilten Sitz. Bereits das Handgepäck kostet extra, ohne dass dies die Passagiere besonders zu stören scheint. Spirit hat seine Passagierzahlen von 5,5 Millionen im Jahr 2008 auf 18 Millionen im Jahr 2015 gesteigert.

Schon auf Platz 2 des Pro-Kopf-Rankings findet sich mit Jet2.com die erste europäische Airline, die mit 29,4 Prozent deutlich mehr als ein Viertel ihres Umsatzes mit den Zusatzgebühren macht. 50,84 Dollar gaben die knapp 6 Millionen Kunden des britischen Ferienfliegers im Schnitt zusätzlich aus. In dem Report finden sich weitere imposante Zahlen: So hat der US-Billigflieger Allegiant mehr als 450.000 Hotelzimmer und mehr als 1,2 Millionen Mietwagenverträge vermittelt. Qatar Airways hat nach eigenen Angaben mehr als eine halbe Milliarde Dollar mit dem Verkauf zollfreier Waren erlöst.

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