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Ryanair will Hahn massiv ausbauen Lufthansa bekämpft Billigflieger

Die Lufthansa will sich stärker gegen den Angriff der Billigflieger im deutschen Heimatmarkt wehren – mit eigenen Schnäppchen-Tickets.

HB FRANKFURT. Vier Wochen nach Beginn einer Billig-Offensive am Flughafen Hamburg, wo der Konzern mit vier zusätzlichen Jets 23 Flugstrecken ab 99 Euro pro Ticket bedient, stellte Konzernchef Wolfgang Mayrhuber gestern ein stärkeres Engagement in Düsseldorf in Aussicht: „Nordrhein-Westfalen ist ein wichtiger Markt. Wir werden dort wachsen.“ Auf die Frage, ob das Hamburger Modell auf die Rheinmetropole ausgedehnt werden könnte, antwortete Mayrhuber: „Ich wäre nicht überrascht, wenn es Düsseldorf wird.“

Möglich wird die Offensive durch eine neue Betriebsgenehmigung, die dem Flughafen Düsseldorf ab 2006 etwa 15 Prozent mehr Starts und Landungen erlaubt. „Die Chancen, einen stärkeren Direktverkehr aufzubauen, sind jetzt vorhanden. Das Angebot für Lufthansa liegt auf dem Tisch“, sagte Flughafenchef Rainer Schwarz dem Handelsblatt. Die positive Rückmeldung des Konzerns steht vor dem Hintergrund, dass sich auch die Konkurrenz für die zusätzlichen Start- und Landerechte in Düsseldorf interessiert: Während sich Air Berlin hier bereits eine starke Position erkämpft hat, will auch LTU an ihrer Heimatbasis trotz finanzieller Probleme stärker ins Geschäft mit Billigflügen einsteigen.

Lufthansa-Finanzchef Karl-Ludwig Kley sprach gestern von einem katastrophalen Wettbewerbsumfeld. Allein im deutschen Markt kämpft ein halbes Dutzend Billigflieger um Kundschaft: neben Air Berlin, DBA, Germanwings und Hapag-Lloyd Express vor allem die aggressiv wachsenden Marktführer Ryanair und Easyjet. Die beiden Fluglinien haben zusammen mehr als 200 neue Jets bestellt, die nun im europäischen Markt gefüllt werden müssen. Deutschland rückt dabei immer stärker in den Fokus. Während die britische Easyjet in Berlin und Dortmund expandiert, will Ryanair das Engagement am Flughafen Hahn im Hunsrück massiv ausweiten. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, plant Ryanair, dort perspektivisch 18 Flugzeuge statt bisher sechs zu stationieren.

In einer Pressekonferenz in der Mainzer Staatskanzlei will der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck heute gemeinsam mit Ryanair-Chef Michael O’Leary den Ausbau der früheren Militärbasis Hahn zum deutschen „Europa-Hub“ des Preisbrechers verkünden. Geplante Investitionskosten in den nächsten fünf Jahren: rund 200 Mill. Euro. Eine Flotte von 18 Jets allein im Hunsrück entspräche fast der aktuellen Größe des Lufthansa-Ablegers Germanwings – ein Angriff, der den deutschen Marktführer zusätzlich unter Druck setzt. Zwar liegt Hahn gut 100 Kilometer von Lufthansas Heimatdrehkreuz Frankfurt entfernt, doch die Expansionspläne im Hunsrück sehen unter anderem eine bessere Bahnanbindung vor. Pikantes Detail: Hahn wird vom Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport kontrolliert, an dem Lufthansa neuerdings eine Fünf-Prozent-Beteiligung hält und dafür einen Sitz im Aufsichtsrat anstrebt. Die jüngsten Passagierzahlen des Kranich-Konzerns zeigen, dass das Problem im Europaverkehr akut ist.

Analysten hatten die im Oktober um 2,1 Prozent gesunkenen Fluggastzahlen als unerwartet schwach bezeichnet. Sie gehen davon aus, dass Lufthansa stärker unter dem Preiskampf der Billigflieger leidet. „Und die politische Großwetterlage in Deutschland ist nach wie vor alles andere als wachstumsfördernd“, sagte Mayrhuber. Der Konzernchef legte gestern zwar einen deutlichen Gewinnsprung für die ersten neun Monate auf 471 Mill. Euro vor. Die Lufthansa-Aktie verlor dennoch gut drei Prozent, weil sich Analysten vom Ausblick enttäuscht zeigten.

Das Quartalsergebnis der neuen Partnerin Swiss enttäuschte ebenfalls. Zwar meldete die Schweizer Fluglinie leichte operative Verbesserungen. Der Nettoverlust erhöhte sich aber im Vorjahresvergleich von 17 auf 81 Mill. Franken. Verantwortlich dafür seien Restrukturierungskosten und Währungsschwankungen. Für das traditionell schwächste letzte Quartal des Jahres stellte die Swiss „einen substanziellen Nettoverlust“ in Aussicht. Lufthansa ist derzeit mit 49 Prozent am Swiss-Eigner Air Trust beteiligt. Die Vollübernahme werde nach Erhalt wesentlicher Verkehrsrechte frühestens 2006 erfolgen, sagte Mayrhuber.

Widrige Bedingungen

Kerosin: Die dramatisch gestiegenen Treibstoffpreise machen der Luftfahrtbranche seit Monaten zu schaffen. Die Lufthansa erwartet, dass ihre Kerosinkosten noch steigen werden. Finanzchef Karl-Ludwig Kley rechnet für 2006 mit einem Aufwand von bis zu 3,5 Mrd. Euro. Etwa 60 Prozent der Mehrkosten werden derzeit über Kerosinzuschläge weitergereicht.

Konkurrenz: Viele Fluggesellschaften fliegen am Rande des Ruins, doch kaum ein Anbieter verabschiedet sich aus dem Markt. So werden National-Linien wie Alitalia oder Olympic (Griechenland) seit Jahren künstlich am Leben gehalten. Aggressiv expandierende Billigflieger verschärfen das Problem der Überkapazitäten zusätzlich.

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