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Samsonite erfindet sich neu Der Koffer als rollendes Smartphone

Samsonite ist der weltweite Marktführer für Reisegepäck. Mit Hartschalenkoffern wurde das Unternehmen groß. Doch die Zukunft sieht Samsonite in smarter Technologie – und Koffern, die mehr wissen als ihre Besitzer.
3 Kommentare
Der weltweite Marktführer für Reisegepäck ist im Jahr 2011 in China an die Börse gegangen. Quelle: dapd
Samsonite-Store in Hongkong

Der weltweite Marktführer für Reisegepäck ist im Jahr 2011 in China an die Börse gegangen.

(Foto: dapd)

London Die Bilder waren spektakulär: Ein Mann mit Sturzhelm fährt in einem Werbespot der siebziger Jahre auf seinem Samsonite-Koffer einen Skihang hinunter. Oder: Ein Elefant stellt sich auf den Plastikkoffer – und überhaupt nichts passiert. Samsonite, das waren nie Reiseutensilien für den vagabundierenden Flaneur, sondern funktionale Hartschalenkoffer für den täglichen Überlebenskampf am Business-Schalter der Luftlinien.

Es ist ein Image, so hartleibig wie viele der gepriesenen Koffer selbst. Samsonite, das gilt bis heute als Synonym für Koffer, die jede Menge aushalten. Strapazierfähig, robust und unverwüstlich. Doch nun will Ramesh Tainwala, der seit 2014 den weltgrößten Kofferhersteller leitet, diesen Charakterisierungen eine weitere, aber deutlich ungewöhnlichere hinzufügen: Die Koffer sollen nicht mehr allein widerstandsfähig sein, sondern auch intelligent.

Ein Gigant erfindet sich neu. Seit Jahren dominiert der Konzern, der heute seinen Sitz in Luxemburg hat und im Jahr 2011 in Hongkong an die Börse gegangen ist, den Markt für Gepäckstücke im mittleren und gehobenen Segment. Nach den letzten Berechnungen kommt Samsonite weltweit auf einen Marktanteil, der mehr als drei Mal so hoch wie der des Branchenzweiten, dem Eastpak-Hersteller VF Corp.

Dennoch sieht sich der Inder mit den dichten schwarzen Haaren, der seit Oktober vergangenen Jahres an der Spitze von Samsonite steht, sein Unternehmen vor einem großen Umbruch – und die Branche vor neuen Herausforderungen, wie Tainwala im Interview mit dem Handelsblatt sagt. Denn in den nächsten Jahren wird auch in der bisher von überschaubaren Innovationen geprägten Branche das Thema Vernetzung und Digitalisierung mit Macht Einzug halten, ist der Samsonite-Chef überzeugt.

Wenn der Koffer schon im Hotel wartet
Marktführer zu bleiben ist nichts für Bequeme
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Samsonite soll sich neu erfinden, zumindest, wenn es nach Konzernchef Ramesh Tainwala geht. Der Kofferhersteller will in neue Gefilde vorstoßen und smarte Gepäckstücke entwerfen. Die Koffer sollen nicht mehr nur bequem zu transportieren sein, sondern auch intelligent. Sie könnten dann mit den Nutzern kommunizieren und eventuell sogar selbstständig reisen. Visionär? Sicher, aber die Grundidee ist nicht ganz neu.

Kofferneuheit auf der CeBit 2014
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Vor der Kooperation von Samsonites mit dem Elektronikhersteller Samsung, die den schlauen Koffer bringen soll, haben auch andere schon an smarten Gepäckstücken gearbeitet. 2014 stellten T-Systems, Airbus und Rimowa ihr System „Bag2Go“ vor. An dem Koffer ist ein Funk- und Softwaremodul angebracht, über ein Display kann der Besitzer alle aktuellen Abläufe verfolgen. Über sein Smartphone soll der Nutzer alle relevanten Daten über seine Reise und sein Reiseziel an die Airline durchgeben. Diese leitet den Koffer dann mithilfe eines spezifischen Barcodes an sein Ziel – so die Idee.

(Foto: PR)
Lässig reisen
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Auch wenn es mittlerweile – etwa durch praktische allseits rollende Modelle – recht bequem ist, mit Koffer zu reisen: Mit der Kombination von Telekom, Airbus und Rinowa soll der Gepäcktransport dem Reisenden fast komplett erspart werden. Das Gepäck, das mit dem Smartphone oder anderen Endgeräten des Nutzers kommuniziert, soll stattdessen schon im Hotel warten.

(Foto: dpa)
No more Rollkoffer
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Weiterer Vorteil des unabhängigen Gepäcktransports – zumindest für den Reisenden, nicht für den Koffertransporteur: Man zieht keine Missgunst von Gentrifizierungsgegnern und Touristenhassern auf sich, die sich etwa hier in Berlin Neukölln-artikuliert. Bisher ist das System aber noch nicht in der alltäglichen Anwendung, Nutzerberichte gibt es kaum.

(Foto: dpa)
Mein Name ist Bond
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Dennoch scheinen viele Features, die in früheren James Bond-Filmen in den innovativen Gepäckstücken des Forschergenies Q auftauchten und die Bedürfnisse des Nutzers erkennen, heute keine Fiktion mehr zu sein. Natürlich liefern die Koffer keine Spezialwaffen oder Verteidigungsoptionen und retten ihrem Nutzer nicht explizit das Leben.

(Foto: Screenshot)
Der Koffer wiegt sich selbst
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Doch die neuen Koffersysteme machen das Leben zumindest leichter. Auch die französische Konkurrenz von Delsey schläft in dieser Sache nicht und hat im Januar ein intelligentes Gepäckstück vorgestellt: „Pluggage“ verfügt über eine Ladestation für Mobiltelefone, was sicher viele verzweifelte Smartphonebesitzer mit kurzen Akkulaufzeiten durchatmen lässt. Außerdem kann der Koffer sein Gewicht anzeigen und erleichtert so die Entscheidung, was noch auszupacken ist, bevor es los geht. Eher spaßiges Feature, die andere Geräte vielleicht besser erfüllen können: Der Koffer kann auch Musik wiedergeben, die aktuellsten Fluginformationen abrufen und über das Wetter am Reiseort informieren.

Motorisierter Koffer
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Der Trend zum smarten Gepäck, den Samsonite-Chef Ramesh Tainwala wittert, ist in jedem Fall da und zwar schon seit der Jahrtausendwende: Damals stellte der britische Erfinder Sarteep Kader einen Koffer vor, der seinem Besitzer dank einem batteriebetriebenen Motor auf Schritt und Tritt folgt und über eine Fernbedienung gesteuert werden kann. Das wäre sicher auch dann angenehm, wenn sich die faulen Gören mal wieder ziehen lassen wollen.

(Foto: dpa)
Mit dem Koffer der Zukunft kommunizieren
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3 Kommentare zu "Samsonite erfindet sich neu: Der Koffer als rollendes Smartphone"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Phillip Schneider

    "Der bis dahin so verwöhnte Mensch ...."

    Vollkommen richtig.

    In der Zwischenzeit dürfen die Messchen natürlich alle diese "Smart"-Gimmicks auch noch bezahlen.

  • In 10 Jahren sagt mir der Koffer was ich einpacken muss, in 20 Jahren ist der Mensch sowas von technikabhängig, dass sein Gehirn immer kleiner wird (da ihm alles abgenommen wird) und er total unselbstständig ist und in 30 Jahren gibt es eine so starken Sonnensturm, dass sämtliche elektronischen Geräte unbrauchbar werden. Oder irgendwas anderes passiert mit ähnlichem Ergebnis.
    Der bis dahin so verwöhnte Mensch wird aussterben weil er nichts mehr auf die Reihe bekommt außer irgendeinen Scheiß (sorry) in soziale Netzwerke zu posten.
    Genannte Zeitspannen können variieren.
    Oder die Maschinen werden so intelligent, dass sie ein eigenes Bewusstsein entwickeln und sich erheben. Klar, hört sich für viele noch nach Science Fiction an. Bin auch gern der so genannte "Spinner von nebenan" was das angeht. Aber was vor 30 Jahren noch unmöglich erschien gehört heute längst zum Alltag. Werden wir aber eher nicht mehr miterleben denke ich.

  • "Es ist ein Trend, der nicht nur die Branche für Reisegepäck durcheinanderwirbelt. "

    Dieser "Smart"- Wahn wird langsam unerträglich.

    Fehlt nur noch das Smart-Klopapier, das uns anzeigt, ob der Hintern wirklich sauber ist.

    Und alles wird natürlich in die ganze Welt gefunkt und dort gespeichert