Samsonite kauft Tumi Freie Bahn für die Koffer-Fusion

Samsonite will seinen US-Rivalen im Koffermarkt Tumi kaufen. Damit würde der Weltmarktführer in Sachen Gepäck das Premiumsegment erschließen – und die No-Name-Konkurrenz noch weiter hinter sich lassen.
Update: 04.03.2016 - 09:40 Uhr
Die Pläne, den Rivalen Tumi zu kaufen, passt zur Langzeitstrategie von Samsonite-Chef Tim Parker. Quelle: PR
Samsonite

Die Pläne, den Rivalen Tumi zu kaufen, passt zur Langzeitstrategie von Samsonite-Chef Tim Parker.

(Foto: PR)

DüsseldorfDie südkoreanische Schönheit und Schauspielerin Claudia Kim tut es. Auch Formel-Eins-Pilot Nico Rosberg. Beide werben für die Premium-Koffermarke Tumi. Sie sollen dem amerikanischen Unternehmen helfen, ihr Image als eine der weltweiten Spitzenmarken für Geschäftsreisende zu stärken.

Weltmarktführer Samsonite ist sicherlich nicht wegen der beiden Prominenten auf die Marke aufmerksam geworden, sondern wegen der guten Zahlen. Im vergangenen Jahr steigerte Tumi seinen Umsatz um knapp vier Prozent auf 548 Millionen US-Dollar. Auch der operative Gewinn wuchs um 3,7 Prozent auf 97 Millionen US-Dollar. Und das, obwohl Tumi im vergangenen Jahr noch ein Programm zur Kostensenkung durchgezogen hat.

Nun will Samsonite den US-Konkurrenten nach Informationen kaufen. Dafür legt Samsonite 1,8 Milliarden US-Dollar in bar auf den Tisch. An den Börsen fand der Zukauf viel Zuspruch. Die in Hongkong gelistete Samsonite-Aktie stieg zwischenzeitlich auf den höchsten Wert seit Oktober. „Es ist ein in vielen Aspekten perfektes Geschäft. Dazu gehören der Vertrieb, die regionalen Stärken und Produkte sowie die Preissegmente, in denen beide Firmen aktiv sind“, sagte die Analystin Boyoung Kim von der Bank BNP Paribas. Langfristig schaffe die Übernahme große Synergien.

Die zehn beliebtesten Luxusgüter der Welt
Rang 10: Luxus-Kreuzfahrten
1 von 10

Die Demografie- und Einkommensentwicklung wirkt sich positiv auf die Luxus-Kreuzfahrt-Industrie aus. Rund zwei Milliarden Euro Umsatz wurden 2015 in diesem Marktsegment erwirtschaftet. Im Vergleich zu 2014 ist der Markt um vier Prozent (wechselkursbereinigt) gewachsen. Damit sind Kreuzfahrten unter den Reichen nach wie vor sehr gefragt. Insbesondere Fahrten zu ungewöhnlichen Reisezielen waren in diesem Jahr beliebt.

Rang 9: Luxus-Jachten
2 von 10

Der Luxus-Jacht-Markt stagniert. 2015 wurden – genauso wie im Vorjahr – weltweit sieben Milliarden Euro in diesem Segment umgesetzt. Das reicht jedoch aus, um einen Platz in der Top Ten der beliebtesten Luxusgüter zu ergattern. Eine positive Tendenz hat sich zudem abgezeichnet: Die Nachfrage nach Halbfertigerzeugnissen in der Industrie aus China und dem Vereinigten Königreich ist zuletzt gestiegen.

Rang 3: Luxuriöse Privatjets
3 von 10

Privatjets waren 2015 das achtgrößte Segment auf dem Luxusgütermarkt mit einem Umsatz von 21 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Nachfrage um 14 Prozent gewachsen, wechselkursbereinigt ist das Wachstum jedoch sogar um einen Prozent gesunken. Nordamerika ist hier der stärkste Markt.

Rang 7: Hochwertige Designerwaren
4 von 10

Das zweite Jahr in Folge ist die Nachfrage auf dem Designmarkt gestiegen – wechselkursbereinigt um vier Prozent auf 32 Milliarden Euro. Beliebt waren im vergangenen Jahr vor allem hochwertige Wohn- und Schlafzimmermöbel, sowie Designerlampen. Besonders der europäische Markt konnte von den positiven Wechselkursentwicklungen profitieren, insbesondere Italien und Deutschland kam dies zugute. Den größten Verkaufskanal bildet nach wie vor der Großhandel (66 Prozent), der Online-Handel macht in diesem Segment zurzeit noch einen geringen Anteil aus, wächst aber stetig.

Rang 6: Bildende Künste
5 von 10

Luxusgüter aus der bildenden Kunst machen 70 Prozent des gesamten Kunstmarkts aus. Die sich schnell entwickelnden Online-Kanäle bilden eine vielversprechende Plattform für interessierte Sammler, die noch keine Marktkenner sind. Der größte Markt ist in diesem Segment die USA, der vor allem in New York floriert.

Rang 5: Delikatessengeschäft
6 von 10

Ähnliches gilt für das Delikatessengeschäft. In diesem Segment wurden 2015 45 Milliarden Euro umgesetzt, der Markt ist im Vergleich zu 2014 um vier Prozent gewachsen. Insgesamt wurden in der Sparte mit dem Delikatessengeschäft und Luxus-Spirituosen 108 Milliarden Euro auf der ganzen Welt umgesetzt.

Rang 4: Luxusweine und Spirituosen
7 von 10

Mit Luxusweinen und Spirituosen wurden 2015 64 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Das entspricht einem Wachstum von drei Prozent (wechselkursbereinigt) im Vergleich zum Vorjahr. Auf der ganzen Welt konnte Luxuswein ein solides, organisches Wachstum verzeichnen. Experten rechnen zukünftig mit einer besonders starken Kaufkraft der Touristen in diesem Marktsegment, da sie den Wertverlust des Euro für Luxus-Shoppingtouren in Europa nutzen.

Samsonite, die weltweite Nummer eins in Sachen Koffern und Reisetaschen, kann mit der Übernahme sein breites Markenportfolio im hochpreisigen Luxussegment abrunden. Mit den Marken Samsonite, American Tourister, Hartmann, High Sierra oder Gregory deckt der Konzern vor allem den hochwertigen Massenmarkt ab.

Das Unternehmen Samsonite, das einst in den USA gegründet wurde und seinen Firmensitz mittlerweile nach Luxemburg verlegt hat, wurde vor vielen Jahren mit seinen Hartschalenkoffern bekannt. So stellte sich zum Beispiel in den Werbespots ein Elefant auf das Reisegepäck, um damit die Stabilität unter Beweis zu stellen. Auch ein Skifahrer rutschte auf einem Koffer einen Hang herunter.

Doch die Erfolgsstory von Samsonite endete 2009 jäh. Denn die Wirtschafts- und Finanzkrise setzte dem Konzern massiv zu. So brach der Umsatz in den USA um fast 20 Prozent und in Europa um 25 Prozent ein.

Der damalige CEO und heutige Chairman Tim Parker musste deshalb handeln. „Wir haben deshalb unsere Produktionskosten reduziert“, sagte er 2014 dem Handelsblatt. Das heißt: Samsonite fertigt nur noch einen kleinen Teil seiner Koffer in eigenen Fabriken. Außerdem schloss Parker eigene Markenläden an teuren Standorten wie der Madison Avenue in New York oder der Regent Street in London. Außerdem versuchte Parker, mit neuen leichteren Kunststoffen zu punkten.

Damals kündigte Parker an, dass er den Umsatz von zwei Milliarden US-Dollar in den kommenden fünf Jahren verdoppeln wolle. Das wäre 2019. Von seinen eigenen hohen Zielen ist Parker jedoch heute noch weit entfernt. Im ersten Halbjahr 2015 schaffte er mit seinem Unternehmen gerade einmal einen Umsatz von 1,2 Milliarden US-Dollar.

Wenn Parker auch Wert auf organisches Wachstum zum Beispiel durch seine Kernmarke Samsonite legt, so ist der Konzern doch in den vergangenen Jahren auch durch zahlreiche Übernahmen gewachsen. Dazu gehörten American Tourister genauso wie Hartmann oder High Sierra. Insofern passen die jetzt bekannt geworden Pläne, den Rivalen Tumi zu kaufen, zur Langzeitstrategie von Parker.

„Unser größter Konkurrent ist der No-Name-Markt“

Das sind die Hauptstädte des Luxus
Die Hauptstädte des Luxus
1 von 11

Gerade für Luxus-Shopper aus den USA und noch mehr aus China sind die Millionenstädte in Europa derzeit besonders attraktiv – für sie ist der Wechselkurs sehr günstig. Das zeigt eine Studie der Beratungsfirma Bain & Company und des italienischen Luxusgüterverbands Fondazione Altagamma. Diese Städte sind die Hauptstädte des Luxus:

Platz 10: Moskau
2 von 11

Trotz Wirtschaftskrise in Russland und der westlichen Sanktionen schafft es Moskau auf Platz zehn der Luxushauptstädte. Allerdings ging der Umsatz der Luxusbranche 2015 in lokaler Währung um zwei Prozent zurück. Hier sind Stücke der russischen Designer Anna Yefremova und Ivan Yershov in ihrem Moskauer Laden zu sehen – mit Putin-Aufdruck.

Platz 9: Dubai
3 von 11

Dubai, die Stadt aus der Golfregion mit den vielen Superlativen, kommt dieses Jahr schon auf einen Luxusumsatz von drei Milliarden Euro. Sie profitiert von der großen Zahl an Touristen und den vielen Flugreisenden, die im Drehkreuz Dubai umsteigen und die Stadt zu einem Einkauf in den Shoppingmalls nutzen. Hier zu sehen ist die Vogue Fashion Dubai Experience.

Platz 8: München
4 von 11

München ist die deutsche Stadt mit der größten Dichte an Luxusmarken. Sie konzentrieren sich alle auf der Maximilianstraße und den umliegenden Einkaufsstraßen. München erzielt dieses Jahr einen Luxusumsatz von vier Milliarden Euro. Damit liegt die bayerische Hauptstadt vor den anderen heimischen Zielen für Luxus-Einkäufer, Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und Berlin.

Platz 7: Mailand
5 von 11

Die italienische Wirtschaftsmetropole Mailand ist nach Paris und London die drittgrößte Luxus-Stadt in Europa. Die Stadt, in der Konzernzentralen von Prada über Armani bis Dolce & Gabbana sitzen, setzt in diesem Jahr fünf Milliarden Euro mit teurer Mode & Co. um.

Platz 6: Hongkong
6 von 11

Eine Macht im Geschäft mit Feinem und Teurem für den persönlichen Bedarf ist auch Hongkong. Die ehemalige Kronkolonie Großbritanniens schafft mit 6,8 Milliarden Euro deutlich mehr als die europäische Modemetropole Mailand.

Platz 5: Seoul
7 von 11

Die südkoreanische Hauptstadt Seoul kommt auf einen Umsatz von acht Milliarden Euro. Der Luxusumsatz des ganzen Landes wuchs in diesem Jahr immerhin in lokaler Währung um vier Prozent.

Das 1975 gegründete US-Unternehmen Tumi setzte, als die Verkäufe der Hartschalenkoffer von Samsonite und anderen ihren Höhepunkt erreichten, auf eine andere Strategie: auf Reisegepäck aus weichem Material und nicht für den Massenmarkt, sondern für anspruchsvolle Geschäftsreisende im oberen Preissegment. Das läuft zwar noch erfolgreich. Doch Konkurrenten wie Rimowa aus Köln mit seinen berühmten Alukoffern machen Tumi und anderen in der Oberklasse zunehmend Konkurrenz.

Darüber hinaus entdecken auch Unternehmen aus anderen Branchen den Koffermarkt. „Immer mehr Modemarken erweitern ihre Kollektion um Reisegepäck“, beobachtet Franz-Maximilian Schmid-Preissler von der gleichnamigen Strategieberatung. Dazu gehören Unternehmen wie etwa die französische Marke Longchamp, die durch ihre Falttasche berühmt wurde.

Sie alle setzen darauf, dass der Reisemarkt jedes Jahr weiter wächst. Alleine im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Menschen, die rund um die Welt privat oder geschäftlich reisen, um 50 Millionen auf rund 1,2 Milliarden, hat die World Tourism Organization errechnet.

Von diesem Boom wollen aber auch Billigmarken profitieren. Denn, so räumte Parker einmal ein: „Unser größter Konkurrent ist der No-Name-Markt.“

Mit Material von Reuters.

Startseite

Mehr zu: Samsonite kauft Tumi - Freie Bahn für die Koffer-Fusion

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%