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Sanierung geplant Adler Modemärkte meldet Insolvenz an

Der Modehändler konnte die Umsatzeinbußen des jetzigen Lockdowns nicht mehr ausgleichen. Das Unternehmen strebt ein Verfahren in Eigenverwaltung an, um sich zu sanieren.
10.01.2021 Update: 10.01.2021 - 22:56 Uhr Kommentieren
2019 setzte die Adler Modemärkte AG nach eigenen Angaben 500 Millionen Euro um. Quelle: dpa
Tüte von Adler

2019 setzte die Adler Modemärkte AG nach eigenen Angaben 500 Millionen Euro um.

(Foto: dpa)

Haibach Der Modehändler Adler Modemärkte AG beantragt Insolvenz. Ziel sei ein Verfahren in Eigenverwaltung, um das Unternehmen zu sanieren, teilte die Gesellschaft am Sonntagabend mit. Dabei solle der Geschäftsbetrieb unter Aufsicht eines Sachwalters in vollem Umfang fortgeführt werden. Der Antrag sei beim Amtsgericht Aschaffenburg gestellt worden.

Auslöser für den Antrag seien „die erheblichen Umsatzeinbußen durch die seit Mitte Dezember 2020 andauernden Schließungen fast aller Verkaufsfilialen als Folge des neuerlichen Covid-19-Lockdowns“. Trotz intensiver Bemühungen sei es nicht möglich gewesen, die entstandene Liquiditätslücke über eine Kapitalzufuhr durch staatliche Unterstützungsfonds oder durch Investoren zu schließen.

„Die erneute Corona-bedingte Schließung fast aller Standorte hat uns leider keine andere Wahl gelassen“, sagte Vorstandschef Thomas Freude. „Wir werden alles dafür tun, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten und Adler schnellstmöglich zu sanieren und wieder in eine positive Zukunft zu führen.“

Der Vorstand bleibe weiterhin verwaltungs- und verfügungsbefugt. Zur Unterstützung habe dieser Rechtsanwalt Christian Gerloff zum Generalbevollmächtigten bestellt. Auch die Adler Mode GmbH, die Adler Orange GmbH & Co. KG und die Adler Orange Verwaltung GmbH, jeweils 100-prozentige Tochtergesellschaften hätten beschlossen, beim Amtsgericht Aschaffenburg einen Antrag auf Eröffnung von Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zu stellen.

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    Die Adler Modemärkte AG betreibt nach eigenen Angaben derzeit 171 Märkte, davon 142 in Deutschland, sowie einen Onlineshop. Weitere Märkte gibt es in Österreich, Luxemburg sowie in der Schweiz. Der Fokus lag dabei auf der Altersgruppe ab 55 Jahren.

    Bereits seit 2019 in den roten Zahlen

    2019 setzte der Modehändler noch knapp 500 Millionen Euro um. Per 30. September 2020 beschäftigte das Unternehmen 3350 Mitarbeiter.

    Noch Anfang November hatte Adler Mode über einen „spürbaren Aufwärtstrend“ berichtet. Die flüssigen Mittel waren allerdings bereits Ende September auf 24,8 (Ende 2019: 70) Millionen Euro zusammengeschrumpft. Den ersten Lockdown im Frühjahr hatte Adler noch mit Kurzarbeit und einem mit einer Staatsbürgschaft gesicherten Kredit überstanden. 45 Millionen Euro davon hatte das Unternehmen Ende Oktober gezogen.

    Der Umsatz schrumpfte in den ersten neun Monaten um ein Drittel auf 239 Millionen Euro, der Nettoverlust wuchs auf 63 (10) Millionen. Allerdings hatte Adler schon 2019 rote Zahlen geschrieben.

    Auf seinen Mehrheitsaktionär konnte das Unternehmen nicht bauen: Die S&E Kapital, die fast 53 Prozent der Aktien hält, hatte seit Monaten versucht, ihre Beteiligung zu verkaufen. Hinter S&E stecken die seit gut vier Jahren insolvente Steilmann SE und der Finanzinvestor Equinox.

    Vielen Unternehmen aus der Modebranche ging es schon vor der Coronakrise nicht gut. Dem Siegeszug des Onlinehandels und dem Erfolg von Fast-Fashion-Anbietern wie Primark oder Zara hatten sie nur wenig entgegenzusetzen. Das Coronavirus traf, als es bereits im Frühjahr 2020 für flächendeckende Ladenschließungen in Deutschland sorgte, bei Herstellern und Händlern sozusagen vorgeschädigte Opfer.

    Mehr: Deutscher Luxusmode-Händler konkretisiert Pläne für Börsengang in den USA.

    • rtr
    • dpa
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