Schlappe für Lebensmittelhersteller Himbeer-Tee muss Himbeer-Aroma enthalten

Gleich zwei Lebensmittelhersteller müssen vor dem Europäischen Gerichtshof eine Schlappe einstecken. Teekanne muss über die Verpackung seiner Tees nachdenken. Und ein Bio-Joghurt darf nicht mit Stevia gesüßt werden.
Update: 04.06.2015 - 12:28 Uhr 3 Kommentare
Nun ist gerichtlich festgelegt worden, dass Himbeer-Tee auch ausreichend Aroma aus Himbeeren enthalten muss. Quelle: picture-alliance
Aromastreit bei Teekanne

Nun ist gerichtlich festgelegt worden, dass Himbeer-Tee auch ausreichend Aroma aus Himbeeren enthalten muss.

(Foto: picture-alliance)

HamburgGleich zwei bekannte deutsche Lebensmittel-Hersteller haben am Donnerstag eine Schlappe vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) erlitten. Die Andechser Bio-Molkerei darf auch weiterhin keine Stevia-Süße in ihre Bio-Joghurts rühren. Und der Teehersteller Teekanne hat schwarz auf weiß, dass ein als Himbeer-Vanille-Tee bezeichnetes Produkt Aromen von Himbeere und Vanille enthalten muss.

Andecheser-Chefin Barabara Scheitz war 2011 stolz: Auf der Nürnberger Biofach-Messe erhielt ihr Joghurt mit Stevia den Preis für das beste neue Produkt. Ausgerechnet ein Mittelständler setzte noch vor den großen Milchgiganten die pflanzliche alternative Süße in Szene. Kurz darauf war es mit der Freude vorbei: Andechser nahm den Joghurt vom Markt, weil Stevia erst von der EU für breitere Anwendungen zugelassen werden sollte.

Die Mogeleien der Lebensmittelhersteller
Zu viele Vitamine im „Glacéau Vitaminwater“?
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Das Trend-Getränk „Glacéau Vitaminwater“ von Coca Cola soll laut Foodwatch mit unnötigen Vitaminzusätzen werben. Gesundheitsbezogene Werbeaussagen seien gemäß der EU-Health-Claims-Verordnung seit Ende 2012 zudem zulassungspflichtig. Coca Cola wehrt sich gegen die Kritik der Verbraucherschützer: „Sämtliche Aussagen zum Produkt sind selbstverständlich nach der Health-Claim-Verordnung zugelassen.“

Eine Suppe ohne Huhn
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Fett statt Fleisch: Laut Foodwatch ist in der Hühnersuppe von Knorr kein Hühnerfleisch drin. Für den Hühnchengeschmack sorgt nur Hühnerfett. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wird darüber gespottet.

Regionaler Betrug
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Viele Konsumenten kaufen mittlerweile bevorzugt regionale Lebensmittel. Genau das soll der Fruchtsafthersteller Coop mit seinem naturtrüben Apfelsaft ausnutzen, obwohl nicht alle Äpfel aus der Region kommen sollen.

Der (un)gesunde Keks
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Von wegen gesunder Snack: In der Werbung als morgendliches Frühstück dargestellt, soll der vermeintlich gesunde „Belvita Frühstückskeks“ von Mondelez laut Foodwatch bis zu 27 Prozent Zucker enthalten.

Eine Mahlzeit zu viel
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Für 1,29 Euro können Eltern die „Alete Trinkmahlzeit ab 10. Monat“ des Schweizer Nahrungsmittelriesen Nestlé im Einzelhandel kaufen. Foodwatch kritisiert das Produkt. Weil es so gehaltvoll ist, könne es dazu führen, dass Eltern ihre Kleinkinder überfüttern. Foodwatch kritisiert zudem, dass das Unternehmen mit Aussagen wie „reich an Calcium & Vitamin D für gesundes Knochenwachstum“ den Produkten einen gesunden Anstrich verleihe, den die Trinkmahlzeit jedoch nicht erfülle. Für diese „dreisteste Werbelüge“ des Jahres ist Nestlé-Konzern mit dem „Goldenen Windbeutel 2014“ ausgezeichnet worden.

Als das geschah, schrieb Brüssel vor: Stevia muss als „Lebensmittelzusatzstoff“ mit der Nummer E960 gekennzeichnet werden. Die Zutat darf nicht als „pflanzliche Lebensmittelzutaten landwirtschaftlicher Herkunft“ oder als „Aromaextrakt“ in der Zutatenliste aufgeführt werden. Für konventionelle Hersteller ist das kein großes Problem – so führt Coca-Cola gerade mit großem Tamm-Tamm seine Stevia-Variante „Coca-Cola Life“ ein. Doch für den reinen Bio-Hersteller Andechser heißt das: Stevia ist tabu, die Entwicklungskosten für den Joghurt sind verschenkt. Denn „E-Stoffe“ haben in Bio-Produkten nichts zu suchen.

Deshalb zog Andechser bis vor den EuGH. Doch der stellte jetzt fest: Es ist nicht hinreichend erkennbar, dass Andechser wie angegeben zwangsläufig Marktanteile gegen die konventionelle Konkurrenz verliert. Stevia bleibt E960 – und damit für den Bio-Hersteller außen vor.

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3 Kommentare zu "Schlappe für Lebensmittelhersteller: Himbeer-Tee muss Himbeer-Aroma enthalten"

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  • naja, man sieht, dass Lidl / Aldi eben verstanden hat, was der Verbraucher wirklich will.

    Es ist frisch
    es schmeckt frisch und duftet herrlich

    Und was noch schöner ist, vollkommen stabile Produktionsprozesse. Mich als Ingenieur begeistert es, wie man sich IMMER auf die Qualität verlassen kann.

  • Bei Aldi/LIDL wird nichts frisch gebacken, es werden lediglich tiefgekühlte Teiglinge in den Ofen geschoben und aufgebacken. Das hat mit "frisch" oder "wertig" nicht das Geringste zu tun.

  • Ja, man gehe zu ALDI, Lidl und dort gibt es immer 100% mega gute Qualität und vor allem, dort achtet man WIRKLICH auf Nachhaltigkeit und Vertrauen. Besonders die Hausmarken zeichen sich durch Wertigkeit und Frische aus (u.a. die frischen Backwaren).


    Ein Service, den sich die angeblichen Markenhersteller nicht immer leisten können.

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