Schlechte Bezahlung, keine Anerkennung Ryanair laufen die Piloten weg

Ryanair-Piloten klagen den Billigflieger an: Die Bezahlung sei schlecht und drei von vier Kapitänen arbeiteten als Scheinselbstständige. Viele Piloten nehmen offenbar Reißaus. Ryanair wittert eine Verschwörung.
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Ryanair laufen die Piloten davon. Allein in den vergangenen 18 Monaten sollen 300 bis 500 Piloten gekündigt haben. Quelle: dpa

Ryanair laufen die Piloten davon. Allein in den vergangenen 18 Monaten sollen 300 bis 500 Piloten gekündigt haben.

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BerlinSeit Monaten läuft sie nun schon, die große Ryanair-Charmeoffensive: Die Billig-Airline lässt die Passagiere ein zweites Stück Handgepäck mit ins Flugzeug nehmen, hat Gebühren gesenkt und die Online-Buchung vereinfacht. Die Iren wollen raus aus dem Imagekeller. Was der Airline aber offenbar weiterhin egal ist, ist das eigene Personal.

Am Donnerstag nutzten die Piloten des Billigfliegers die ILA in Berlin, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen – und Ryanair anzuklagen. Die Piloten würden nicht respektiert, in den Sommermonaten gebe es für die meisten überhaupt keinen Urlaub und von einem Bruttogehalt von 6000 Euro blieben nach Abgaben und Steuern manchmal nur gut 500 Euro zum Leben über.

Im Winter zahlten die Piloten auch schon mal drauf, weil sie keine Flüge bekämen und trotzdem Geld für Stunden im Flugsimulator an Ryanair zahlen müssten. Wie das geht? Mit Scheinselbstständigkeit. Das zumindest behaupten die Kapitäne. Sie haben sich in der Ryanair Pilots Group (RPG) zusammengeschlossen, einer Art gewerkschaftlicher Vertretung, die das Unternehmen aber nicht anerkennt. Rund 3000 Piloten arbeiten für Europas größten Billigflieger, mehr als 50 Prozent sind nach eigenen Angaben inzwischen in der Gruppe organisiert – und wollen sich nun stärker wehren denn je.

„Arbeitnehmer-Grundrechte werden verletzt“, sagte der Präsident der Vereinigung Cockpit (VC), Ilja Schulz, am Donnerstag in Berlin. Die deutsche Piloten-Gewerkschaft unterstützt die RPG. „Nur die wenigsten Piloten bei Ryanair sind heute noch Mitarbeiter der Airline“, so Schulz. Die RPG spricht von rund 72 Prozent aller Kapitäne, die bei einer Befragung unter mehr als 1100 Piloten im März dieses Jahres nicht fest angestellt waren. Sie würden gezwungen, zusammen mit anderen Piloten eine Firma zu gründen und sich dann an Ryanair vermitteln zu lassen. So ähnlich wie in etwa Zeitarbeiter, nur selbstständig.

Die Vereinigung Cockpit spricht von Scheinselbstständigkeit – nur dass diese in Irland eben nicht verboten sei. VC-Präsident Schulz nennt ein Beispiel: Ein Pilot arbeitet für Ryanair am Flughafen Düsseldorf und verdient im Sommer 6000 Euro im Monat. Abzüglich 2400 Euro Sozialabgaben in Deutschland (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil), 1700 Euro irischer Lohnsteuer und 1360 Euro Ausbildungskosten für den Flugsimulator, die er an Ryanair überweisen muss, blieben nur 540 Euro übrig. Das Geschäftsmodell sei daher „mehr als zweifelhaft“.

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7 Kommentare zu "Schlechte Bezahlung, keine Anerkennung: Ryanair laufen die Piloten weg"

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  • das Konzept der Billiggesellschaften ist blankes
    S c h m a r o t z e r t u m.
    Ein Ausnützen der von der Allgemeinheit und dem Einzelnen zur Verfügung gestellten gut ausgebildeten Fachleute, die dann, wenn Sie verschlissen sind, nicht mehr in ausreichender Zahl nachgebildet werden. Übrig bleibt ein Sicherheitsrisiko, weil Gute mit den Füssen abstimmen, die Schlechten dem Nachwuchs ein schlechtes Vorbild geben.
    Nun, es ist mir egal, ob jemand mit Rayn... abstürzt, aber diese fliegenden Bomben könnten dann mich auch verletzen.

  • Bin einmal mit denen gefolgen.......nie wieder. Lieber etwas mehr zahlen.

  • Für die meisten Piloten und Flugbegleiter ist Ryanair nur ein Sprungbrett für höhere Weihen.Man bewirbt sich nach einer gewissen Zeit bei den großen Airlines dieser Welt und hat dann schon erste Berufserfahrungen gesammelt.Sowas kommt immer gut im Lebenslauf und beim Vorstellungsgespräch.Deshalb ist es nicht verwunderlich,wenn neue Crews nur noch aus Rumänien und Bulgarien kommen,die Polen,Spanier und Italiener sind schon weiter gezogen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Konsequent das Geschäftsmodell weiterfahren Mr. O’Leary:
    Den Piloten gibts als Extra-Bonus zum gesondert zu berechnenden Sonderpreis dazu.
    Nächster Schritt: wenn der auch noch fliegen soll, der Pilot, kostets halt auch noch mal etwas extra dazu.
    Und wenn der Pilot dann auch noch landen soll: Zusatzleistung, gesondert abrechenbar.
    Zur ursprünglich angepeilten Destination, Landekosten, Pilotenleistungen etc. pp.: jede Schraube am Flugzeug, den Kunden bezahlen lassen.
    Sitzplatzzuschlag?
    Welcher Carrierer hat noch Sitzplätze.
    ff et coda.
    Und so macht Fliegen erst richtig Spaß: wenn der Flug verlost wird gegen Höchstgebot: Zusatzkosten natürlich exklusive.

  • 2940 Euro sind aber auch nicht die Welt. Wenn es freie Cockpits geben sollte, in denen deutlich besser verdient wird, dann werden die Piloten mit den Füßen abstimmen. Ich würde dann sagen: Die Marktwirtschaft funktioniert, wenn H. O Leary dann seine Flieger selber steuern müsste. Einem Jungpiloten könnte es anfangs schon Spaß machen einen Flieger steuern zu dürfen. Nach mehreren Jahren Erfahung wird sich dann aber die Erkenntnis durchsetzten, dass man von warmen Worten nicht leben kann und andere besser zahlen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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