Schwedischer Möbelriese Ikea gesteht Zwangsarbeit in DDR-Betrieben

Lange glaubte es niemand oder wollte es nicht wissen, dass Häftlinge in DDR-Betrieben für westliche Firmen schufteten. Ikea räumt dies nun ein. Eine entsprechende Studie hatte schon vorab für heftige Kritik gesorgt.
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In den 80er Jahren haben Zwangsarbeiter in der DDR für Ikea geschuftet. Quelle: Reuters

In den 80er Jahren haben Zwangsarbeiter in der DDR für Ikea geschuftet.

(Foto: Reuters)

BerlinDie schwedische Möbelkette Ikea hat die Zwangsarbeit politischer DDR-Häftlinge für das Unternehmen bedauert. „Der Einsatz von politischen Gefangenen in der Produktion war und ist völlig unakzeptabel“, sagte der Geschäftsführer von Ikea Deutschland, Peter Betzel, am Freitag bei der Vorstellung einer Studie in Berlin. Spätestens seit 1981 wusste demnach das Unternehmen von dieser Möglichkeit.

„Ich möchte mein tiefstes Bedauern zum Ausdruck bringen“, sagte Betzel. Das Unternehmen habe versucht, den Einsatz von politischen Gefangenen zu unterbinden. Heute sei klar, dass diese Maßnahmen nicht wirkungsvoll genug gewesen seien. Damals habe das Unternehmen noch kein umfassendes Kontrollsystem gehabt.

Ab 1980 hatte Ikea laut Studie eine Repräsentanz in Ost-Berlin, um die Ex- und Importe zu koordinieren. Es gab demnach mit mindestens neun Außenhandelsbetrieben Lieferverträge. Mindestens 66 Betriebe hatten demnach einen direkten Bezug zu Ikea. In Waldheim (Sachsen) seien beispielsweise Ikea-Sofas hergestellt worden, in Naumburg (Sachsen-Anhalt) Beschläge und Rollen. Nach Angaben des SED-Forschungsverbundes an der FU Berlin produzierten politische Häftlinge für den Westen beispielsweise in Bautzen auch Kühlschränke und Waschmaschinen oder im Frauengefängnis Hoheneck Bettwäsche.

Opferverbände hatten seit Monaten Aufklärung verlangt. Zunächst hatte das Unternehmen der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft eine Absage erteilt, sich dann aber nach Beschwerden und Unmut korrigiert. Am Freitag war das Echo geteilt. Einige Betroffene zeigten sich enttäuscht. Der Bericht soll aus „datenschutzrechtlichen Gründen“ nur in Teilen öffentlich werden. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hatte die Studie erstellt. Das war im Vorfeld auf Kritik gestoßen.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, wertete es als positiv, dass sich Ikea der Aufarbeitung „dieses dunklen Kapitels“ stelle. Das Unternehmen kündigte an, die weiterührende wissenschaftliche Aufarbeitung finanziell zu unterstützen. Die Geschäftsführerin der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anna Kaminsky, forderte einen Fonds für Betroffene. Auch andere westliche Firmen hätten von der Häftlingsarbeit profitiert und müssten Verantwortung übernehmen, sagte Rainer Wagner von der Union der Opferverbände.

Geschäftsführer Betzel sagte: „Unsere Betroffenheit ist sehr groß.“ Ikea habe Schritte gegen die Zwangsarbeit unternommen - welche, blieb trotz Nachfragen unklar. Zur Frage, warum die Zusammenarbeit mit der DDR nicht abgebrochen wurde, sagte Betzel: Heute habe man eine andere Sicht auf die Dinge.

 
  • dpa
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7 Kommentare zu "Schwedischer Möbelriese: Ikea gesteht Zwangsarbeit in DDR-Betrieben"

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  • Die Zeitung benutzt den akzeptablen Begriff "Zwangsarbeit", andere reden von "Zwangsarbeitern", was nicht zulässig ist, weil der Begriff "Zwangsarbeiter" für Arbeitszwang von Ausländern zweiten Weltkrieg in der Rüstungsindustrie bereits vergeben ist, und was auch mit dieser Sache nicht vergleichbar ist.
    Außerdem: Wie ist es mit Kinderarbeit bei der Produktion von IKEA-Produkten in China? Ist das nicht skandalöser?

  • Oder stellen heute sogar die Oberbürgermeisterin z.B. von Borna (in der früheren DDR) ist nicht zu glauben!!!
    War wohl doch "die gute alte Zeit....oder?

  • Was ist mit den Kriminellen die arbeiten mussten, das ist dann ja auch Zwangsarbeit. Bekommen die dann auch eine Entschädigung? Zwangsarbeit ist Zwangsarbeit egal aus welchem Grunde oder durften die sich aussuchen ob sie arbeiten durften oder nicht?

  • Ich war selbst ein Betroffener.Ich habe von 1982-1984 selbst als politischer Gefangener unter den unmenschlichsten Verhältnissen in Naumburg in dieser sogenannten Geisterfabrik ohne Tageslicht Zwangsarbeit verrichten müssen ! Das kann sich niemand vorstellen, der das nicht miterlebt hat!
    Uns war durch schon durch Flüsterpropaganda bekannt, das die Beschläge und Rollen für Ikea gefertigt werden ......
    Finde es aber schon mal als einen grossen Fortschritt von das Ikea asl erste Firma einräumen tut seid Anfang der Achziger Jahre davon gewusst zu haben.
    Frank Herrmann......Dietfurt/Altmühl

  • Wo ist da der Schaden? Das ist Arbeitstherapie. Wenn mondahu jemals in eine solche Lage kommen würde, würde er tausendmal lieber in einer Möbelschreinerei arbeiten als in seiner Zelle der finiten Depression entgegenzubrüten.

  • Wieso soll daran Ikea Schuld sein? Es waren SED, der "real existierende Sozialismus" und die DDR, die Zwangsarbeiter - in DDR-Gefängnissen! - eingesetzt habe, um Kohle für die SED und ihren maroden Staat einzunehmen. Bekanntlich haben die sogar Gefangene gegen Geld an den Westen verkauft - klassischer Menschenhandel. Die Vertreter der offiziellen Nachfolgeorganisation der SED - DIE LINKE - sitzen derweil als moralisierende Gutmenschen und Verteidiger des damaligen Systems in Fernseh-Talkshows und werden von Sympatisanten in diversen Redaktionen hoffiert. Und kriegen bei Wahlen ganz freiwillig 8 Prozent der Stimmen. Pervers!

  • Schwachsinn. Warum sollen wir Verbraucher heute die Zeche zahlen oder woher soll das Geld für Geschädigte kommen? Wenn dann sollte man schon die Verantwortlichen zu Kasse bitten. Also die damaligen Geschäftsführer und sonstigen Entscheider.

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