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Unternehmerin Katrin in ihrem Café

„Ich habe ein Lädchen und verdiene Geld.“ (Foto: Franka Bals/Orange by Handelsblatt)

Selbstständigkeit Arbeit von 5.30 bis 20.30 Uhr: So ist es, ein Café zu betreiben

Katrin arbeitete 60 Stunden die Woche in einer Werbeagentur. Irgendwann hatte sie keine Lust mehr und eröffnete ein Café. Dabei lernte sie: Es geht noch deutlich stressiger.
  • Franka Bals
23.07.2018 - 16:35 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 23. Juli 2018 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Es ist Samstag, 10.00 Uhr, die ersten Kaffee-Liebhaber und Frühstücker stehen hungrig vor dem Café Kropkå, das nun endlich seine Tür öffnet. Katrin Koch schließt den Laden auf. Ihr Arbeitstag hat zu diesem Zeitpunkt längst begonnen. Die Inhaberin ist schon seit über vier Stunden auf den Beinen.

Die 32-Jährige hat sich einen Traum erfüllt, den viele junge Menschen haben. Sie kündigte ihren Job in einer Werbeagentur und eröffnete ihr eigenes Café. Seit gut einem Jahr betreibt sie nun das Kropkå im Norden von Hamburg. Inzwischen hat sie 14 Angestellte, die im Wechsel in ihrem Laden aushelfen. Und jede Menge Erfahrungen.

Was ist ein Businessplan?

Zeit für eine kleine Zwischenbilanz: Was hat Katrin in ihrem ersten Jahr als Unternehmerin gelernt? Worauf sollten Gründer unbedingt achten? Was ist ein Businessplan und wie kommt man an einen günstigen Kredit? Lässt sich mit Kaffee und Kuchen überhaupt genügend Geld verdienen? Und überhaupt: Würde sie es wieder tun?

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    Vor acht Jahren waren all diese Fragen noch weit weg. Dabei träumt Katrin schon damals vom eigenen Café. In ihrer Heimat Dortmund macht sie eine Barista-Ausbildung und arbeitet in einem Kaffee-Geschäft. Direkt den eigenen Laden zu eröffnen, traut sie sich aber noch nicht. „Weil ich noch sehr jung war, fehlte zu dem Zeitpunkt einfach die Erfahrung, die Knete und der Mumm“, erinnert sie sich heute.

    Also studiert sie erstmal Kommunikationsdesign und arbeitet anschließend in Werbeagenturen, und das für sieben Jahre. Katrin arbeitet teils 60 Stunden in der Woche und hat auch am Wochenende oft nicht frei, das alles bei schlechter Bezahlung. Irgendwann steht sie vor der Frage: Was machst du jetzt? Und dann fasst sie einen Entschluss. Sie kündigt ihren Job in der Agentur und wagt den Schritt in die Selbstständigkeit.
    Aber wie fängt man eigentlich damit an, sich selbstständig zu machen? Katrin geht zu allererst zu einem Unternehmensberater, der auf Gründung spezialisiert ist. Mit ihm zusammen schreibt sie einen Businessplan, „das Fundament“, wie Katrin ihn nennt. In einem Businessplan beschreibt man, wie genau man Geld verdienen will. Man legt fest, wer die Kunden sein sollen. Und man plant vor allem Eines: die Finanzen.

    Katrin hat Anspruch auf das KfW-Startgeld der Kreditanstalt für Wideraufbau

    Bei einem Café bedeutet das: Wie viel kostet der Laden an Miete? Wie teuer ist die Einrichtung? Was fällt an Nebenkosten an? Wie viel kosten die Mitarbeiter? Wie viel kosten die Zutaten für Kaffee und Kuchen? Was bringen eine Tasse Kaffee, ein Stück Kuchen und ein Glas Orangensaft an Umsatz ein? Und wie viel muss ich davon jeden Tag verkaufen, damit sich das alles rechnet?

    Der Businessplan ist auch die Voraussetzung für einen Kredit bei der Bank. Ohne den kann Katrin ihr Café nicht eröffnen. Sie bringt zwar eigenes Geld mit, das sie aus Ersparnissen und einer Erbschaft hat, aber das reicht nicht. Die Hamburgerin hat Glück: Sie bekommt einen günstigen Kredit der Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW).

    Als Gründerin hat sie Anspruch auf das KfW-Startgeld, einen besonders günstigen Kredit der bei einem Jahreszins von 2,07 Prozent bis zu 100.000 Euro betragen kann. 2,07 Prozent bei 100.000 Euro Gesamtsumme bedeutet: Der Kreditnehmer muss für jedes Jahr 2.070 Euro Zinsen und am Ende der Laufzeit die 100.000 Euro zurückbezahlen.

    Katrin gründet ihre Firma bewusst alleine. Zusammen mit einem Geschäftspartner, hätte sie vielleicht weniger Geld über einen Kredit leihen müssen. Sie hätte sich die Verantwortung geteilt – aber eben auch den Gewinn. Katrin findet, „es ist auch ein Luxus, Entscheidungen alleine treffen zu können. Und wenn ich es mal nicht kann, frage ich jemanden um Rat.“

    Katrin findet eine Immobilie in Hamburg-Eimsbüttel

    Parallel zum Kapital für die Firma muss sich Katrin um eine Immobilie kümmern. Im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel findet sie einen Laden, in den sie einziehen kann. Und dann macht sie ihre ersten Fehler. Um Geld zu sparen, entscheidet sie sich für eine günstige Spülmaschine und einen normalen Küchenkühlschrank.

    Beides geht schnell kaputt. Denn in der Gastronomie sind die Geräte ganz anderen Belastungen ausgesetzt als im Privathaushalt. Während eine Spülmaschine zu Hause vielleicht einmal täglich läuft, wird sie im Café bis zu 50 Mal angeschaltet. Die billigen Geräte gehen schnell kaputt – und Katrin muss ein zweites Mal Geld ausgeben.

    Die Arbeitszeiten in der Werbeagentur kamen ihr stressig vor. Als Unternehmerin muss sie lernen: Es geht stressiger. Und das kann einen körperlich ganz schön belasten. Zwei bis drei Mal in der Woche geht Katrin einkaufen, bevor es in den Laden geht. Dafür steht sie um 5.30 Uhr auf, fährt zum Großmarkt und trifft gegen 8.30 Uhr im Laden ein, um alles vorzubereiten. Wenn sie wie unter der Woche um 9.30 Uhr öffnet, hat sie schon vier Stunden gearbeitet.

    Und auch wenn das Kropkå um 18 Uhr schließt, hat Katrin noch mindestens zwei Stunden Arbeit vor sich. Zu Hause muss sie noch die Einnahmen und Ausgaben des Tages aufschreiben und Nachschub bestellen. In diesem Moment schaut sie häufig nochmal in ihren Businessplan. Hat ein Kunde im Schnitt zehn bis 15 Euro ausgegeben, war es ein guter Tag. Bei weniger als zehn Euro war es eher ein schlechter Tag.

    Wie viel Gewinn macht ein Café mit einer Tasse Kaffee?

    An einem guten Tag verkauft Katrin vor allem viele Getränke. Denn daran lässt sich am meisten verdienen. Eine Tasse Kaffee kostet die Unternehmerin in der Herstellung etwa 30 Cent. Verkauft wird sie für 2,90 Euro. Von der Marge in Höhe von 2,60 Euro muss Katrin aber noch all ihre Kosten decken, also zum Beispiel Miete, Strom, die Abnutzung der Kaffeemaschine und die Löhne ihrer Mitarbeiter.

    Nach einem halben Jahr macht die Gründerin zum ersten Mal Gewinn. Von diesem Moment an fängt sie an, ihren Kredit abzubezahlen. Das war vor sechs Monaten. Heute sagt sie auf die Frage nach ihrem Verdienst: „Ich bin sehr zufrieden. Zu Anfang fährst du das Geld nicht in der Schubkarre raus, aber ich kann meine 13 Aushilfen bezahlen, habe einen Festangestellten und kann mir selbst einen Lohn zahlen. Das können viele im ersten Jahr noch nicht.“

    Dass der Laden von Anfang an so gut lief, habe ihr fast ein bisschen Angst gemacht. Das hatte sie sich im Businessplan anders vorgestellt, erzählt sie. Besonders von Leuten, die zufällig vorbeikommen („Laufkundschaft“), habe das Kropkå profitiert. Richtig stolz sei sie, wenn sie mal nicht im Laden stehe und merke: „Ich habe ein Lädchen, verdiene Geld, aber muss nicht da sein, weil mein Team trotzdem funktioniert. Wir ziehen alle an einem Strang“.

    Was rät sie jemanden, der auch ein Café eröffnen möchte? „Mach mal vier oder fünf Wochen am Stück ein Praktikum in der Gastronomie.“ Den ganzen Tag Kaffee trinken und Puderzucker auf Kuchen streuen habe nämlich wenig mit der Realität zu tun. Was man allerdings auch im Praktikum nicht erfahren kann, ist die Verantwortung. Die hat man erst, wenn man mittendrin steckt. Mal eben ein Café aufmachen ist es eben nicht.

    Mehr: Wie der Bürokaffee Kindern in Burundi helfen kann

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