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Walmart-Mitarbeiter

Walmart hat seine Supermärkte für viel Geld modernisiert.

(Foto: MELISSA LUKENBAUGH/The New York )

Serie – Globale Konkurrenten im Check (15) Walmart geht im Onlinegeschäft eigene Wege und macht Amazon Konkurrenz

Lange sah es so aus, als wäre der Einzelhändler machtlos gegen Amazon. Mittlerweile hat Walmart aufgeholt. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder.
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New YorkWalmart gegen Amazon. Das ist heute das Leitmotiv des größten traditionellen Einzelhändlers der Welt. In den vergangenen Jahren hatte das US-Unternehmen aus Bentonville im Bundesstaat Arkansas immer mehr Marktanteile an Amazon verloren. Aber nun sieht es so aus, als könnte Walmart mit einem Mix aus Online und Offline gegen Amazon bestehen.

Der Name Walmart stand lange für das Schreckgespenst für den lokalen Einzelhandel: ein amerikanischer Riese, der sich fast überall auf der Welt auf der grünen Wiese breitmachte und mit seinem Mega-Angebot von Gemüse bis zur Schlafcouch zu niedrigen Preisen alle anderen zerstörte. Doch dann kam der Onlinehändler Amazon, und auf einmal geriet der Riese ins Schwanken.

Walmart ist zwar noch der größte Spieler im Einzelhandel. Er setzte mit seinen 11.718 Läden weltweit fast 500 Milliarden Dollar um – rund 430 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Amazon kommt auf 178 Milliarden Dollar – rund 150 Milliarden Euro. Der größte deutsche Einzelhändler, die Schwarz Unternehmenstreuhand KG, kommt mit Lidl und Kaufland auf knapp 100 Milliarden Euro.

Aber in den vergangenen Jahren hat Walmart wie alle Einzelhändler die Konkurrenz des Onlinehandels gespürt. Immer mehr Menschen haben keine Lust mehr, mit dem Auto viele Meilen bis zum nächsten Walmart zu fahren, wenn sie ihre Angeln, Spiele oder T-Shirts auch bequem im Internet ordern können. Der Umsatz ging im Geschäftsjahr, das im Januar 2016 endete, zum ersten Mal zurück.

Seit 2014 ist McMillon Vorstandsvorsitzender von Walmart. Quelle: Getty Images
Douglas McMillon

Seit 2014 ist McMillon Vorstandsvorsitzender von Walmart.

(Foto: Getty Images)

Deshalb investierte Walmart unter dem seit 2014 amtierenden Vorstandsvorsitzenden Douglas McMillon Milliarden in die Vision des digitalen Einzelhändlers – zuletzt sogar in Indien. Seit wenigen Tagen ist auch die Übernahme des indischen Onlineriesen Flipkart für 16 Milliarden Dollar abgeschlossen.

Dabei ist Flipkart nicht die erste Übernahme eines Onlinehändlers. 2016 hatte McMillon bereits für drei Milliarden Dollar den Onlinehändler Jet.com gekauft. Auch kleinere Anbieter wie Bonobos, Moosejaw, Hayneedle and Shoe-Buy gehören heute zum Konzern. In den USA ist der sonst eher für Niedrigpreise bekannte Konzern zudem eine Onlinepartnerschaft mit dem eher teuren Anbieter Lord & Taylor eingegangen.

On- und Offline verbinden

Dabei geht Walmart im Onlinegeschäft eigene Wege, die die physischen Läden mit der Internetwelt verbinden sollen. So können Kunden nicht nur im Internet bestellen und sich die Waren liefern lassen. Sie können sie auch online bestellen und dann selbst im oder auch vor dem Laden die gepackten Papiertüten abholen. Ein Modell, das heute auch die Whole-Foods-Supermärkte von Amazon anbieten.

Auch im Netz versucht Walmart, in die physischen Geschäfte zu locken. So teilt die Internetseite den Shoppern stets mit, in welchen Läden sie die Ware gratis abholen könnten. Wer erst einmal beim Laden ist, kauft vielleicht doch noch das ein oder andere zusätzlich, so die Logik dahinter.

Lange hatten die Megamärkte in den Riesenhallen ein Ramsch-Image. Die Ware war billig, die Mitarbeiter waren unfreundlich oder oft nicht zu finden. Deshalb hat der Vorstandsvorsitzende McMillon auch in die Läden investiert. Er hat nicht nur das Logo aufgefrischt, die Geschäfte freundlicher gestaltet und mehr frisches Gemüse am Eingang platziert. Er hat auch den Lohn der Mitarbeiter schon zweimal freiwillig erhöht und sie mit besserer Technologie ausgestattet, damit sie mehr Zeit für die Kunden haben.

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McMillon selbst hat bei einem Auftritt in New York daran erinnert, dass die Investoren entsetzt waren, als er die erste Lohnerhöhung für 2,7 Milliarden Dollar jährlich durchgesetzt hatte. Walmart verlor damals 21 Milliarden Dollar an Börsenwert. Tatsächlich sind sich heute alle einig, dass die Mitarbeiter seitdem motivierter, die Läden sauberer und die Kunden zufriedener sind. „Wir können dadurch die besten Mitarbeiter anwerben und halten“, verteidigte McMillon die höheren Löhne.

Die neue Strategie zahlt sich aus: Der Umsatz ist seit 2013 von 476 Milliarden Dollar auf mehr als 500 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr gestiegen. Auch im zweiten Quartal übertraf Walmart alle Erwartungen und trieb den Aktienkurs steil nach oben. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 4,2 Prozent auf 127 Milliarden Dollar. Das Onlinegeschäft in den USA legte 40 Prozent zu.

Analysten zeigen sich optimistisch

Budd Bugatch, Managing Director von der Investmentbank Raymond James, nannte die Ergebnisse beeindruckend. „Sie investieren weiter in E-Commerce und in neue Bereiche, und die Kunden nehmen es an“, lobt er den Einzelhändler.

Auch Oliver Chen, Analyst von Cowen, ist angetan: „Die wahre Geschichte hier heißt ‚Bricks & Clicks‘“, sagt er mit Blick auf das Zusammenspiel aus physischen Läden und Online. Er weist zwar darauf hin, dass Walmart online immer noch Geld verliert. Aber „wir glauben, dass Walmart sich gut behaupten kann gegenüber Amazon“, meint Chen. Das sei wichtig, denn nach einer Cowen-Studie kaufen 86 Prozent der Walmart-Kunden auch bei Amazon.

Die vielen Investitionen ins Onlinegeschäft schlagen sich in Form von niedrigeren Margen in den Zahlen nieder: Die Nettorendite lag im vergangenen Jahr bei 2,1 Prozent. Andere traditionelle Supermarktketten lagen höher. Knapp die Hälfte der Investitionen in Höhe von zehn Milliarden Dollar von Walmart sind im vergangenen Jahr in das Onlinegeschäft geflossen.

Die wichtige Kennzahl des Return on Invested Capital (ROIC) – also wie viel das investierte Kapital gebracht hat – lag im ersten Quartal bei 14,01 Prozent und im zweiten Quartal sogar bei minus 36,76 Prozent. Das lag aber an den Abschreibungen auf das Brasiliengeschäft. Zum Vergleich: Bei Amazon lag das ROIC im ersten Quartal bei knapp 20 Prozent und im zweiten Quartal sogar bei 36,39 Prozent. Auch im Vergleich zu anderen klassischen Einzelhändlern liegt Walmart damit eher im unteren Bereich.

Positiv sind die im Branchendurchschnitt niedrigen Schulden. Im vergangenen Jahr lagen sie bei knapp 40 Milliarden.

Rückzug aus Europa

Zuletzt konnte Walmart vor allem im US-Geschäft auch von Donald Trumps Steuerreform profitieren. Die Amerikaner sind in Shoppinglaune: Im zweiten Quartal des Jahres sind die Verkäufe in den bestehenden Geschäften so stark gestiegen wie schon seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Es strömten nicht nur mehr Menschen in die Riesenmärkte. Sie haben auch im Durchschnitt mehr Geld dagelassen als zuvor.

Im Ergebnis steht im zweiten Quartal zwar ein Verlust von 861 Millionen Dollar. Das liegt vor allem an den 4,5 Milliarden Dollar hohen Abschreibungen für den Verkauf des Geschäfts in Brasilien. Die Investoren ließen sich davon nicht schocken.

Bei der internationalen Strategie hat sich Walmart fast komplett aus Europa zurückgezogen und auch Brasilien aufgegeben. China und Indien dagegen stehen ganz oben auf der Liste der Prioritäten. Insgesamt macht das Auslandsgeschäft weniger als ein Viertel des Umsatzes aus.

Bei seinem Auftritt im Economic Club von New York im vergangenen Jahr hatte sich der Vorstandsvorsitzende Douglas McMillon in New York beklagt, dass Amazon viel mehr experimentieren kann als er. Wenn er etwas Neues ausprobiere, bekäme er gleich die Wut der Aktionäre zu spüren, die Angst vor Experimenten hätten und lieber sofort Rendite sehen wollten. Ein paar Experimente hat er dennoch gewagt. Und wie sich nun gezeigt hat, sind die sehr erfolgreich gelaufen.

Der weltweite Kampf der Konzerne um Marktanteile war noch nie so hart wie heute. Das Handelsblatt stellt in loser Folge wichtige internationale Akteure vor und analysiert ihre Stärken und Schwächen.

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