Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Serie – Globale Konkurrenten im Check (19) Investoren zweifeln am anhaltenden Erfolg der spanischen Zara-Mutter Inditex

Analysten prophezeien dem weltgrößten Textilhersteller ein Ende des Höhenflugs, Inditex kontert mit großen Ankündigungen. Investoren sind vorsichtig.
Kommentieren
Die Marke macht zwei Drittel des Konzernumsatzes aus. Quelle: Cover/Getty Images
Zara in Madrid

Die Marke macht zwei Drittel des Konzernumsatzes aus.

(Foto: Cover/Getty Images)

MadridDer spanische Textilkonzern Inditex war jahrelang eine lupenreine Erfolgsgeschichte. Die Spanier revolutionierten die Modebranche mit kurzen Lieferwegen und schnell wechselnden Kollektionen. Die Mutter von Marken wie Zara, Massimo Dutti oder Pull & Bear wurde damit zum Liebling der Anleger: Der Aktienkurs hat sich seit dem Börsengang im Jahr 2001 verzehnfacht und den Gründer Amancio Ortega zu einem der reichsten Männer Europas gemacht.

Doch inzwischen mehren sich die Zweifel bei den Investoren, ob die Spanier ihre Erfolgsgeschichte fortschreiben können. Eine Studie der Investmentbank Morgan Stanley kam Ende August zu dem Schluss, dass der Konzern seinen Zenit erreicht habe.

Die Analysten argumentieren, dass auch der Riese aus Galizien nicht immun sei gegen den Druck, den der Trend zum Onlinehandel auf die Textilbranche ausübe. Sie stuften die Aktie zum ersten Mal in 17 Jahren auf „verkaufen“ herab. Das Papier sackte daraufhin sechs Prozent in den Keller.

Inditex reagierte wie zum Trotz in der vergangenen Woche mit der Ankündigung, ab 2020 seine Kleidung in jede Ecke der Welt zu verkaufen. Das schafft bislang noch nicht einmal der Onlinegigant Amazon. Der Aktie half das zunächst kaum – wohl auch weil noch die Details zu dem Plan fehlen.

Die jüngsten Zahlen für das erste Halbjahr, die der Konzern an diesem Mittwoch vorlegte, haben den Aktienkurs allerdings wieder etwas gekräftigt – die Papiere gewannen rund drei Prozent. Denn die Verkäufe konnte Inditex um drei Prozent steigern, ohne Währungseffekte wären es acht Prozent gewesen. Die wichtige Bruttomarge, die seit fünf Jahren sinkt, stieg leicht auf 56,7 Prozent und soll nach Angaben des Managements im zweiten Halbjahr weiter zulegen.

Grafik

„Für ermutigend halten wir, dass sämtliche Konzernmarken steigende Umsätze aufweisen, mit Ausnahme von Zara Home, die lediglich das Vorjahresniveau erreichte“, schrieb Michael Pohn von der DZ Bank. Er sieht weiteres Wachstumspotenzial durch Onlineverkäufe.

Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Inditex erst zehn Prozent des Umsatzes online. Morgan Stanley allerdings sieht just diesen Wandel nicht als Chance, sondern als Gefahr und verweist auf die steigenden Versandkosten bei zunehmenden Onlineverkäufen.

Inditex versucht jedoch, die Versandkosten dadurch in Schach zu halten, dass die rund 7 400 Geschäfte weltweit gleichzeitig als Lager für Onlineverkäufe dienen. Digitale Bestellungen werden direkt aus dem Laden an die Kunden versandt. Der Konzern besitzt in 96 Ländern der Welt eigene Geschäfte und sieht sich deshalb auch für die Online-Ära gut aufgestellt. In Metropolen will er Onlinebestellungen noch am selben Tag liefern, in anderen Regionen am Folgetag.

Attacke auf Amazon?

Die Kernmarke Zara, die zwei Drittel des gesamten Umsatzes erzielt, besitzt solche integrierten Lager-im-Laden-Systeme bereits in 25 Ländern. Bis 2020 sollen alle acht Marken des Konzerns in allen 96 Ländern das System haben.

„Dann wollen wir allen Kunden auf der Welt den Kauf unserer Produkte ermöglichen, egal, wo sie sind“, sagte Konzernchef Pablo Isla bei der Präsentation der Zahlen. Gelingt das, ohne dass die Logistikkosten explodieren, würden die Spanier damit den Beweis antreten, dass physische Läden auch in Zeiten des Onlinebooms ein Vorteil sein können.

In Spanien wird die Ankündigung weithin als Attacke auf den Onlinehändler Amazon gewertet, der den Textilhandel mit einer eigenen Modemarke angreift. Anders als Inditex hat Amazon aber keine eigenen Standorte.

Technisch ermöglicht die Funktechnik RFID das Lager-im-Laden-Konzept. Per Scanner lässt sich damit jedes Kleidungsstück erkennen und sein Weg nachvollziehen. Der Konzern sieht genau, was er wo verkauft hat und ob die Ware zurückgebracht wurde. Bisher ist die Kleidung der Marken Zara und Uterqüe mit RFID ausgestattet. Bis 2020 sollen die restlichen Marken folgen.

Auch die Ladengröße wächst. Inditex schließt kleinere Standorte und eröffnet stattdessen Flagship-Stores. Im nordspanischen Bilbao etwa gibt es heute nur noch einen Laden statt früher vier Läden. Die Verkaufsfläche habe sich dennoch vergrößert, ebenso wie der Umsatz, erklärte Konzernchef Isla. Der Trend zu größeren Flächen erleichtert das Lager-im-Laden-System.

Isla nannte zwar keine Details zu seinem Plan, der erste wirklich weltumspannende Textillieferant zu werden. Er versicherte jedoch, dass dafür weder hohe Investitionen noch neue Vertriebszentren geplant seien.

Iván San Félix vom spanischen Investmenthaus Renta 4 geht davon aus, dass Lieferungen in die bislang unerschlossene Hälfte der Welt nur „ein marginales Geschäft“ darstellen werden. „So ein Versprechen lässt sich als Marketing gut verkaufen, aber es wird nicht viel neuen Umsatz bringen“, sagt er. Er geht deshalb davon aus, dass sich auch die Versandkosten in Grenzen halten.

Derzeit überwiegen noch die Optimisten wie San Félix: Zwei Drittel der Analysten empfehlen Inditex zum Kauf, 19 Prozent raten zum Halten und 14 Prozent zum Verkauf. Doch die Investoren sind zunehmend skeptisch. Seit Jahresanfang hat das Papier zehn Prozent verloren.

Das dürfte auch daran liegen, dass die Spanier zunehmend anfällig für Währungsschwankungen sind. Nach ihrer weltweiten Expansion erzielen sie zwar 40 Prozent des Umsatzes außerhalb des Euro-Raums. Sie fertigen aber noch wichtige Teile ihrer Produktion in Spanien und Portugal, um schneller auf Modetrends reagieren zu können. Deshalb sind sie von Währungsschwankungen stärker betroffen als Konkurrenten.

Zahlreiche Experten fragen sich zudem, wie lange es Inditex mit der bisherigen Strategie noch gelingen wird, die Konkurrenz in Schach zu halten. Die Erfolgsformel der Spanier bestand darin, anhand der eigenen Verkäufe neue Trends aufzuspüren und dann schnell zu produzieren.

Doch inzwischen sind Wettbewerber wie der britische Onlineanbieter Boohoo dazu ebenfalls in der Lage. Er bietet zunächst kleine Mengen eines Stils an und ordert nur, was sich online sofort gut verkauft. Noch sind solche neuen Rivalen klein. Aber klar ist, dass sie Inditex das Leben nicht einfacher machen werden.

Der weltweite Kampf der Konzerne um Marktanteile war noch nie so hart wie heute. Das Handelsblatt stellt in loser Folge wichtige internationale Akteure vor und analysiert ihre Stärken und Schwächen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Serie – Globale Konkurrenten im Check (19) - Investoren zweifeln am anhaltenden Erfolg der spanischen Zara-Mutter Inditex

0 Kommentare zu "Serie – Globale Konkurrenten im Check (19): Investoren zweifeln am anhaltenden Erfolg der spanischen Zara-Mutter Inditex"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.