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Serie – Globale Konkurrenten im Check (7) Coca-Cola erfindet sich mit gesünderen Produkten neu

Der Zeitgeist hatte sich gegen die Kultmarke verschworen. Doch nach vielen Krisenjahren präsentiert der neue Chef nun eine Erfolgsformel.
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Coca-Cola erfindet sich mit gesünderen Produkten neu Quelle: imago/Dean Pictures
Coca-Cola

Der Konzern will den Wandel weg von der klassischen braunen Zuckerbombe hin zu kalorienärmeren Getränken schaffen.

(Foto: imago/Dean Pictures)

New YorkKaum eine Marke steht so stark für Amerika wie Coca-Cola. Das braune Zuckerwasser mit seiner geheimen Formel hat vor mehr als 130 Jahren seinen Siegeszug angetreten. Auch in den entferntesten Ecken Afrikas und Asiens gibt es heute die rote Dose mit dem geschwungenen weißen Schriftzug zu kaufen.

Doch zuletzt lief das Geschäft nicht mehr rund. Denn auch Coca-Cola kann sich einem weltweiten Trend nicht entziehen: Die Menschen wollen sich gesünder ernähren. Darunter leidet Coca-Cola ebenso wie der Erzkonkurrent Pepsico. Zuckrige Sprudelgetränke stehen in der Gunst der Kunden nicht mehr an oberster Stelle. Einige Staaten drohen zudem mit Strafsteuern auf zuckerhaltige Limonaden.

Die Welt hat sich geändert, und die Amerikaner aus Atlanta bekommen das in ihren Zahlen zu spüren. Seit 2012 setzt Coca-Cola Jahr für Jahr für weniger um. 2012 lag der Umsatz noch bei 48 Milliarden Dollar. Seitdem ist er auf 35,4 Milliarden Dollar im Jahr 2017 gesunken – allerdings auch wegen eines internen Umbaus: Der Konzern lagert die Getränkeabfüllung aus.

Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen auch den Vorstandsvorsitzenden ausgetauscht: Im Mai 2017 ist der neue Chef James Quincey in Atlanta angetreten, um das Unternehmen „für die Zukunft neu zu erfinden“, wie es offiziell hieß. Neu erfinden heißt für Quincey vor allem, den Wandel zu schaffen weg von der klassischen braunen Zuckerbombe hin zu kalorienärmeren Getränken. Zuletzt setzte der Konzern daher auf Säfte, Smoothies, Tees und eine ganze Linie von zuckerfreien Cokes.

Damit orientierte sich der Konzern auch an dem Rivalen Pepsi. Der hatte die Wende zu gesünderen Produkten schon deutlich früher eingeleitet. Während Pepsi sich auch in der mehr oder weniger gesunden Snacksparte breitmacht, konzentriert sich Coca-Cola dagegen weiter auf Flüssiges.

Zu Coca-Cola gehören heute neben Sprite und Fanta etwa das Wasser von Apollinaris oder Vio ebenso wie die isotonischen Powerade-Getränke und Honest Bio Tee.

Selbst Investmentguru Warren Buffett, der zu den größten Fans von Coca-Cola zählt und neun Prozent der Aktien hält, musste zuletzt einräumen, dass der Wandel hin zu gesünderen Produkten nötig ist. Persönlich bleibt Buffett zwar weiter ein treuer Fan der Marke. Angeblich beginnt er schon sein Frühstück mit Coca-Cola und lässt weitere vier Dosen im Laufe des Tages folgen. Auch bei seinen Treffen mit den Investoren greift der ältere Herr stets zu der rot-weißen Dose.

Doch sogar er hat zuletzt im US-Fernsehen gesagt, dass für den Konzern harte Zeiten anbrechen, weil die Menschen nicht mehr so loyal zu einer Marke seien und weil sie „mit verschiedenen Ernährungsweisen experimentieren“.

Neue Impulse

RBC-Capital-Market-Analyst Nik Modi ist überzeugt, dass der neue Vorstandsvorsitzende die richtige Wahl war. „Seit Quincey übernommen hat, sehen wir stetes Wachstum“, lobte Modi nach den jüngsten Quartalszahlen den britischen Manager im Fernsehsender CNBC. „Fünf Prozent organisches Wachstum sind äußerst bemerkenswert in diesem Umfeld“, sagte er.

Der Umsatz fiel im zweiten Quartal zwar um acht Prozent auf 8,9 Milliarden Dollar. Das lag aber vor allem daran, dass Coca-Cola dabei ist, die Abfüllanlagen wieder an Franchisenehmer abzugeben und sie nicht mehr selbst zu betreiben. Um diesen Sondereffekt bereinigt, stiegen der Umsatz um fünf Prozent und der Gewinn sogar um 70 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar.

„Das ist ein völlig neues Unternehmen. Ein ganz anderes als das, das wir bisher kannten“, meint der Analyst Modi. Auch bei der Diet Coke, die sich zuletzt nicht mehr so gut verkaufte, habe Quincey mit neuen Geschmackssorten und neuem Dosendesign die Kurve bekommen. Die neue, schlankere Dose steigert auch die Marge: Kleinere Dosen und Flaschen mit weniger Inhalt bringen dem Unternehmen mehr Geld. Schließlich machen die Kunden die indirekte Preiserhöhung bisher mit. Mit dem neuen Design fällt sie den wenigsten auf.

Auch Steve Powers, Analyst der Deutschen Bank, ist sehr optimistisch im Hinblick auf das Gesamtjahr. Er schreibt in seinem jüngsten Bericht, dass Coca-Cola „gut positioniert ist, stetig stärker als die Konkurrenz (und die Markterwartungen) zu wachsen“. Im Gesamtjahr 2017 ging der Umsatz um 15 Prozent auf 35,4 Milliarden Dollar zurück. Hier gilt ebenfalls: Das lag vor allem an dem Verkauf der Abfüllanlagen an Franchisenehmer.

Die US-Steuerreform hilft

Auch der Milliardenverlust im vierten Quartal, der das Jahresergebnis um 81 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar schrumpfen ließ, sollte nicht schockieren. Denn das hohe Minus ist allein auf die einmaligen Auswirkungen der Steuerreform von US-Präsident Donald Trump zurückzuführen. Da Coca-Cola – wie viele andere Unternehmen – im Ausland geparktes Geld zurückführt, musste es darauf eine einmalige Steuer von 4,6 Milliarden Dollar zahlen.

Die Höhe der im Ausland angesammelten, bislang nicht versteuerten Gewinne liegt laut Jahresbericht bei rund 42 Milliarden Dollar. Gleichzeitig profitierte Coca-Cola im vierten Quartal von Steuerrückzahlungen in Höhe von einer Milliarde Dollar, sodass die Auswirkungen der Steuerreform netto bei einem Minus von 3,6 Milliarden Dollar lagen.

Einen Teil des aus dem Ausland zurückgeführten Kapitals will Coca-Cola nutzen, um die Schulden zu senken. Im jüngsten Quartalsbericht weist das Unternehmen Verbindlichkeiten von insgesamt mehr als 31 Milliarden Dollar aus. Mittelfristig profitiert Coca-Cola auf jeden Fall von der Steuerreform: Die effektive Steuerquote wird laut Unternehmen im laufenden Jahr von bisher 26 Prozent auf 21 Prozent sinken.

Stärker als Pepsico

Auch gegenüber dem Hauptkonkurrenten Pepsico ist Coca-Cola heute wieder stärker positioniert. Pepsi setzte zwar im vergangenen Jahr mit 63,5 Milliarden Dollar fast doppelt so viel um wie Coca-Cola. Aber beim operativen Ergebnis lag Coca-Cola mit 9,6 Milliarden Dollar nur eine Milliarde unter Pepsi mit 10,56 Milliarden Dollar. Die operative Gewinnmarge lag also bei Coca-Cola mit 27 Prozent deutlich höher als die 17 Prozent, die Pepsi erzielte.

Dennoch gibt es auch Risikofaktoren bei dem amerikanischen Traditionsunternehmen: So könnte sich ein starker Dollar negativ auf das Ergebnis auswirken. Das Gleiche gilt für mögliche Strafsteuern auf zuckerhaltige Getränke etwa in Kalifornien und in Südafrika, wie Analyst Modi trotz allem Optimismus zu bedenken gibt.

Das ist das neue Warren-Buffett-Portfolio – von Apple bis Walmart

APPLE INC. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US0378331005
Börse
Xetra

+1,18 +0,65%
+181,82€
Chart von APPLE INC. REGISTERED SHARES O.N.
Apple
1 von 45

Aufgestockt (1/10)

Warren Buffetts Konglomerat Berkshire Hathaway ist seit dem ersten Quartal 2016 Aktionär des Technologiekonzerns Apple – und das, obwohl Buffett als Skeptiker gegenüber Technologiewerten gilt. Jetzt baut er seine Position bei Apple um weitere 5,17 Prozent aus: Im zweiten Quartal 2018 kaufte Berkshire weitere 12 Millionen Aktien des iPhone-Herstellers. Damit hält das Unternehmen nun rund 251,6 Millionen Aktien. Die Apple-Aktien bilden somit weiterhin die größte Beteiligung von Berkshire. „Apple ist ein großartiger Konzern. Am liebsten würden wir 100 Prozent halten“, schwärmte Buffett bei seiner Hauptversammlung im Mai.

Buffetts Anteile: 251,956 Millionen Stück

Veränderung im zweiten Quartal 2018: plus 5,17 Prozent

Wert der Beteiligung: 46,639 Milliarden Dollar

Quelle aller Angaben:13-F-Pflichtveröffentlichungen bei der US-Börsenaufsicht SEC für das erste Quartal 2018 (nur US-Aktien). Stand: 30. Juni 2018, veröffentlicht am 15. August 2018.

Monsanto

WKN
ISIN
US61166W1018
Börse
n. a.

Chart von Monsanto
Monsanto
2 von 45

Verkauft (1/2)

Eingestiegen war Buffet kurz vor der geplanten Übernahme Monsantos durch den deutschen Chemiekonzern Bayer im vierten Quartal 2016. Seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway kaufte damals acht Millionen Papiere. Noch im ersten Quartal war der Anteil auf insgesamt 19 Millionen Aktien erhöht worden.

TEVA PHARMACEUTICAL INDS LTD. REG. SHS.(SP.ADRS)/1 IS-,10

WKN
ISIN
US8816242098
Börse
FSE

+0,65 +5,12%
+13,25€
Chart von TEVA PHARMACEUTICAL INDS LTD. REG. SHS.(SP.ADRS)/1 IS-,10
Teva Pharmaceutical Industries
3 von 45

Aufgestockt (8/10)

Erneut hat Warren Buffet seine Position beim israelischen Pharmakonzern Teva – der Muttergesellschaft des deutschen Herstellers Ratiopharm – aufgestockt und mehr als eine Million Aktien zusätzlich gekauft. Erst im vierten Quartal 2017 war er bei Teva eingestiegen und hatte noch im ersten Quartal 2018 seine Zahl an Aktien mehr als verdoppelt. Damals war es antizyklischer Kauf: Preisdruck bei Generika und verschärfter Wettbewerb im US-Markt hatten Teva zugesetzt. Im zweiten Quartal 2018 stieg der Aktienkurs aber bereits deutlich an.

Buffetts Anteile: 43,25 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2018: plus 6,68 Prozent
Wert der Beteiligung: 1,052 Milliarden Dollar

U.S. BANCORP REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US9029733048
Börse
FSE

+0,67 +1,50%
+45,34€
Chart von U.S. BANCORP REGISTERED SHARES DL -,01
US Bancorp
4 von 45

Aufgestockt (3/10)

Warrenn Buffett setzt auf US-Banken: Neben einem höheren Anteil an Goldman Sachs hat er auch seine Beteiligung an der Bank US Bancorp aufgestockt und hat im zweiten Quartal mehr als zehn Millionen Aktien neu gekauft. Bei dieser Position hatte es in den vergangenen Quartalen immer wieder ein leichtes Auf und Ab gegeben. Erstmals stockt er wieder deutlich auf.

Buffetts Anteile: 100,694 Millionen Stück

Veränderung im zweiten Quartal 2018: plus 10,84 Prozent

Wert der Beteiligung: 5,037 Milliarden Dollar

BK OF NEW YORK MELLONCORP.,THE REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US0640581007
Börse
FSE

-0,40 -0,92%
+42,89€
Chart von BK OF NEW YORK MELLONCORP.,THE REGISTERED SHARES DL -,01
Bank of New York Mellon
5 von 45

Aufgestockt (6/10)

Das Geldinstitut Bank of New York Mellon ist die dritte Bank, bei der der Star-Investor sein Beteiligung aufgestockt hat – um etwas mehr als vier Prozent. Bereits im ersten Quartal 2018 stieg das Investment von Buffett um 2,26 Prozent, im vierten Quartal 2017 sogar um 21,08 Prozent.

Buffetts Anteile: 64,80 Millionen Stück

Veränderung im zweiten Quartal 2018: plus 4,19 Prozent

Wert der Beteiligung: 3,495 Milliarden Dollar

DELTA AIR LINES INC. REGISTERED SHARES DL -,0001

WKN
ISIN
US2473617023
Börse
FSE

-0,82 -1,58%
+51,09€
Chart von DELTA AIR LINES INC. REGISTERED SHARES DL -,0001
Delta Airlines
6 von 45

Aufgestockt (4/10)

Bei Delta Airlines hat Buffett im ersten Quartal 2018 seine Position deutlich ausgebaut. Er erhöht seinen Beteiligung um 18,78 Prozent. Damit ist seine Beteiligung jetzt 3,154 Milliarden Dollar wert, im Vorquartal waren es noch 2,93 Milliarden.

Buffetts Anteile: 63,666 Millionen Stück

Veränderung im zweiten Quartal 2018: plus 18,78 Prozent

Wert der Beteiligung: 3,154 Milliarden Dollar

VERISK ANALYTICS INC. REGISTERED SHS DL -,001

WKN
ISIN
US92345Y1064
Börse
FSE

+1,18 +0,98%
+121,52€
Chart von VERISK ANALYTICS INC. REGISTERED SHS DL -,001
Verisk Analytics
7 von 45

Verkauft (2/2)

Bereits im ersten Quartal 2018 reduzierte Warren Buffett seine Beteiligung an dem US-Spezialist für Versicherungsmathematik, Verisk Analytics, deutlich: Knapp 82 Prozent seiner Anteile verkaufte er damals, der Wert der Beteiligung belief damals auf nur noch 29 Millionen Dollar. Zum 30 Juni 2018 waren alle Aktien verkauft.

Coca-Cola-Aktionär Buffett sieht noch ein weiteres Risiko: Der Starinvestor warnt vor einem Kampf zwischen Einzelhändlern und den Herstellern von Verbrauchsgütern. Dabei weist er etwa auf das Beispiel der Handelskette Costco hin, die Coca-Cola aus dem Sortiment gestrichen hat, als beide Seiten sich nicht auf den richtigen Preis einigen konnte.

Auch in den USA könnten Eigenmarken der Supermärkte heutzutage die einst so beliebten Marken wie Kraft und Coca-Cola verdrängen, mahnt Buffett. Schließlich sind die Verbraucher – allen voran die Millennials – nicht mehr so markentreu wie früher. Sie experimentieren mehr und greifen mit Vorliebe zu lokalen Marken – wie Fritz-Kola und Afri in Deutschland.

Außerdem unterzieht Coca-Cola seine Kunden in den USA demnächst einem neuen Test: Wegen der neuen Zölle von Trump auf Aluminium hat der Getränkehersteller angekündigt, dass er demnächst die Preise für seine Cola-Dosen erhöhen wird. Vorstandschef Quincey sagte in der jüngsten Konferenzschaltung nach den Quartalszahlen, die Handelskunden könnten die Gründe angesichts der Zölle sicher verstehen. „Aber die Gespräche darüber werden schwierig“, prophezeite er.

Der weltweite Kampf der Konzerne um Marktanteile war noch nie so hart wie heute. Das Handelsblatt stellt in loser Folge wichtige internationale Akteure vor und analysiert ihre Stärken und Schwächen.

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