Siegel hält nicht, was es verspricht Wieder Betrug mit Hähnchen von Neuland

Das Neuland-Gütesiegel soll Fleisch aus besonders artgerechter Haltung kennzeichnen. Doch jahrelang wurde konventionell produziertes Geflügelfleisch mit dem Siegel verkauft. Jetzt gibt es einen weiteren Skandal.
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Frische Hähnchen, verpackt in Plastiktüten (Symbolbild): „Das ist ein Richtlinienverstoß und muss sofort gestoppt werden“. Quelle: dpa

Frische Hähnchen, verpackt in Plastiktüten (Symbolbild): „Das ist ein Richtlinienverstoß und muss sofort gestoppt werden“.

(Foto: dpa)

HamburgUm den Verein Neuland gibt es offenbar einen weiteren Betrugsskandal mit Fleisch. Unter dem Neuland-Gütesiegel sei in Süddeutschland jahrelang Hähnchenfleisch aus französischen Betrieben verkauft und dessen Herkunft verschleiert worden, berichtete die „Zeit“ am Mittwoch vorab aus ihrer neuen Ausgabe. Jedes Hähnchen, das seit 2012 in Süddeutschland verkauft werde, komme aus Frankreich. Das Fleisch stamme von Höfen, die keine Neuland-Betriebe seien.

Der Verein bestätigte gegenüber der „Zeit“, dass Fleisch einige Jahre lang übergangsweise aus Frankreich bezogen worden sei. Damit sei nun aber Schluss. „Das Hähnchenfleisch aus Frankreich darf nicht als Neuland-Fleisch verkauft werden“, sagte Bundesgeschäftsführer Jochen Dettmer der Wochenzeitung. Dem Bericht zufolge wird das Fleisch aber weiterhin unter dem Neuland-Label vertrieben.

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Auch wenn das Bild anderes vermuten lässt: In Deutschland ist der Fleischkonsum 2013 durchschnittlich um zwei Kilogramm pro Einwohner zurückgegangen. Die Fleischwirtschaft führte dies darauf zurück, dass durch den verregneten Sommer die Grillsaison ausgefallen sei.

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Insgesamt ist in den Industrienationen ein hoher, aber stagnierender Fleischverbrauch zu verzeichnen. In einigen Ländern ist der Verzehr sogar zum ersten Mal seit Jahrzehnten rückläufig. So zeigt sich die Fleischwirtschaft in den USA besorgt, weil der Konsum zwischen 2007 und 2012 um 9 Prozent gesunken ist. Die Unternehmen sehen sich von einem „Propagandafeldzug gegen das Fleisch“ bedroht.

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In der EU verzehren die Menschen jährlich rund 65 Kilo Fleisch pro Kopf, in den USA sind es knapp 92 Kilo. All diese Zahlen und Prognosen stammen aus dem „Fleischatlas 2014“, den der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit der Heinrich-Böll-Stiftung und Le Monde Diplomatique herausgibt.

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Die gegenwärtige, weltweite Fleischerzeugung wird bei Fortsetzung des gegenwärtigen Trends bis Mitte des Jahrhunderts von jetzt 300 Millionen Tonnen auf fast eine halbe Milliarde Tonnen steigen. Damit einhergehend würde sich die Sojaproduktion für Futtermittel zur Mästung der Schlachttiere nahezu verdoppeln – von derzeit 260 auf über 500 Millionen Tonnen.

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Schon heute wandert allein für die europäische Fleischproduktion Soja von umgerechnet 16 Millionen Hektar Land in die Tröge. „Das Futter für die zusätzliche Produktion von mehr als 150 Millionen Tonnen Fleisch im Jahr wird Land- und Nahrungsmittelpreise explodieren lassen. Die Zeche für den globalen Fleischhunger zahlen die Armen, die von ihrem Land verdrängt werden und sich aufgrund der hohen Preise weniger Nahrung leisten können“, prognostiziert Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung.

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China hatte 2011 laut Fleischatlas den Spitzenplatz bei den weltweiten Schlachtungen inne: 46 Millionen Rinder und Büffel, 661 Millionen Schweine und unvorstellbare 11 Milliarden an Geflügel.

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Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, kritisiert die Industrialisierung in der Fleischerzeugung: „Moderne Schlachtanlagen in Europa und den USA nehmen immer absurdere Dimensionen an. Während wir hierzulande 735 Millionen Tiere pro Jahr töten, schlachtet alleine die US-Gesellschaft Tyson Foods mehr als 42 Millionen Tiere in einer einzigen Woche. Dahinter kann kein gesundes Agrarsystem stehen.“

Nach Recherchen der Zeitung stammt auch Lammfleisch, das Neuland in Süddeutschland verkauft, von einer konventionellen Schäferei. „Das ist ein Richtlinienverstoß und muss sofort gestoppt werden“, sagte Dettmer. Der Schäfer hatte sich dem Bericht zufolge 2012 um das Neuland-Gütesiegel bemüht, wurde aber abgelehnt. Der „Zeit“ liegen nach eigenen Angaben zudem Hinweise vor, dass auf einem Neuland-Schlachthof Tiere unnötig gequält würden.

Das Neuland-Gütesiegel soll Fleisch aus „besonders artgerechter“ Tierhaltung kennzeichnen. Die Trägerorganisationen sind der Deutsche Tierschutzbund, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft. Erst Mitte April war bekannt geworden, dass unter dem Neuland-Siegel jahrelang konventionell produziertes Geflügelfleisch verkauft wurde.

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  • als Vegetarier kann ich hierzu nur sagen, dass es sich um die Rache der Tiere handelt.

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