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Signa Karstadt-Eigentümer René Benko wagt den ersten Schritt nach Asien

Der Investor René Benko geht eine Partnerschaft mit dem asiatischen Handelsriesen Aeon Group ein. Gemeinsam wollen sie in Japan Sportartikel verkaufen.
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Die Zusammenarbeit mit der Aeon Group ist eine Bestätigung. Quelle:  Signa
René Benko

Die Zusammenarbeit mit der Aeon Group ist eine Bestätigung.

(Foto:  Signa)

Düsseldorf Der österreichische Investor René Benko war noch nie dafür bekannt, klein zu denken. Der Besitzer von Kaufhof und Karstadt hat sich in wenigen Jahren zum Milliardär hochgearbeitet, hat ein Imperium mit Immobilien-, Handels- und Medienunternehmen aufgebaut. Doch bisher waren seine geschäftlichen Aktivitäten auf Europa beschränkt.

Das wird sich jetzt ändern. Gemeinsam mit Asiens größtem Händler, der Aeon Group, will er in Japan übers Internet Sportartikel verkaufen. Dazu beteiligt sich Aeon mit 7,5 Prozent an der Signa Sports United. In diesem Tochterunternehmen hat Benko mehrere europäische Onlinehändler konsolidiert.

Außerdem übernimmt die thailändische Central Group vier Prozent. Mit dem Konzern arbeitet Benko schon bei seinen deutschen Luxuskaufhäusern aus der KaDeWe-Gruppe zusammen.

„Dieser erste Schritt in den boomenden asiatischen Sport-Onlinemarkt bietet uns langfristig hochattraktive strategische Möglichkeiten“, sagt Sports-United-Chef Stephan Zoll dem Handelsblatt. Zunächst wolle sich das Unternehmen auf Japan fokussieren. Der Markt dort wachse stark und sei sehr auf Qualität ausgerichtet, so Zoll, und er „wird durch die Olympischen Spiele 2020 in Tokio einen zusätzlichen enormen Schub bekommen“. Doch Signa nimmt bereits weitere asiatische Märkte ins Visier.

 Die globale Expansion zahlt ein auf Benkos große Vision. Er will nicht mehr als Emporkömmling wahrgenommen werden, der von vielen noch mit einer Mischung aus Neid und Misstrauen betrachtet wird, weil er es geschafft hat, mit unter 40 Jahren praktisch aus dem Nichts ein Milliardenvermögen aufzubauen. Er will einen Platz unter den renommierten europäischen Familienunternehmen.

„Signa soll eine europäische Industrie- und Beteiligungsholding im Familienbesitz sein, ähnlich wie die Familienholdings der Agnellis, Oetkers oder Reimanns“, sagte Benko kürzlich dem österreichischen Wirtschaftsmagazin „Trend“, das ihn zum Mann des Jahres gekürt hatte.

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Und dafür bietet die Partnerschaft mit Aeon das perfekte Sprungbrett. Das börsennotierte Unternehmen ist nicht nur mit einem Umsatz von umgerechnet 64 Milliarden Euro Asiens größter Händler. Es wird auch in achter Generation geführt von der angesehenen Unternehmerfamilie Okada. Dass Firmenchef Motoya Okada nach intensiver Prüfung in sein Tochterunternehmen investiert, ist für Benko auch eine Art Ritterschlag.

Der Markt „wird sich verdoppeln“

Okada hat Aeon vor zwei Jahren die neue Strategie „Digital Shift“ verpasst. Denn das Unternehmen besitzt zwar mehr als 300 Shoppingcenter, fast 600 Warenhäuser und 1220 Supermärkte, macht jedoch erst gut ein Prozent seines Umsatzes online. Diesen Anteil will Okada bis zum Jahr 2021 auf zwölf Prozent steigern.

Bei dieser strategischen Wende soll ihm Signa helfen. „Der Online-Sportmarkt in unserer Region wird sich in den nächsten fünf Jahren verdoppeln“, prognostiziert Okada. Die Partnerschaft mit Signa werde dem Unternehmen helfen, den Marktanteil zu steigern und insgesamt den E-Commerce-Anteil auszubauen.

Signa Sports United ist nach eigenen Angaben Europas größter Onlinehändler für Sportartikel. Innerhalb von zwei Jahren hat Benko dort viel Expertise zusammengekauft. Begonnen hat es 2016 mit der Übernahme von Internetstores. Danach kamen weitere Firmen dazu, darunter Tennis Point und Outfitter. Heute betreibt das Unternehmen 80 Webshops in 17 Ländern.

„Die Firmen, die wir übernommen haben, waren keine Start-ups mehr, sondern über Jahre etablierte, führende Spezialisten in ihren Kategorien, die auch schon lange profitabel gewirtschaftet haben“, sagt Chef Zoll. Deshalb verfügt das Unternehmen nicht nur über viel technisches Know-how, sondern auch über tiefe Kontakte in die jeweiligen Märkte und zu den Sportlern.

Ursprünglich gab es die Überlegung, Sports United bereits im Herbst zumindest teilweise an die Börse zu bringen. Nach Informationen aus Finanzkreisen war der Börsenprospekt bereits fertig, auch Gespräche mit potenziellen Investoren soll es gegeben haben.

Börsenwert auf eine Milliarde Euro taxiert

Doch unter anderem wegen des unsicheren Umfelds hat Signa damit gezögert. Ein späterer Börsengang sei trotz der neuen Investoren weiter eine von mehreren Optionen, sagte Zoll auf Nachfrage.

Finanzkreise taxierten die Bewertung von Sports United im Fall eines Börsengangs auf bis zu einer Milliarde Euro. Legt man diese Zahl zugrunde, könnte dem Unternehmen durch die Beteiligung von Aeon und Central ein dreistelliger Millionenbetrag zugeflossen sein. Zur genauen Höhe machen die Unternehmen allerdings keine Angaben.

„Das Geld aus der Kapitalerhöhung fließt voll in das weitere Wachstum des Unternehmens“, sagt Signa-Manager Zoll. Und es soll auch für den Ausbau der Position in Europa genutzt werden. Der Onlinemarkt für Sportartikel sei in Europa stark fragmentiert, so Zoll. Daraus ergeben sich große Chancen. „Wir wollen weiter stark organisch wachsen, aber auch durch Zukäufe den Markt konsolidieren.“

Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/2018 sei der Umsatz von Sports United um mehr als 20 Prozent auf 450 Millionen Euro gewachsen. „Erfreulicherweise lag das Wachstum damit über unseren Erwartungen“, sagt Zoll. Dabei sei das Unternehmen auch profitabel gewesen.

Dieser erste Schritt in den boomenden asiatischen Markt bietet uns langfristig hochattraktive Möglichkeiten. Stephan Zoll, Vorstandschef Sports United

Erklärtes Ziel ist es, der weltgrößte Sporthändler im Internet zu werden. Mit dem neuen Wachstumsfeld Asien ist diese ambitionierte Strategie ein ganzes Stück realistischer geworden. „Das ist eine wirklich einzigartige Chance für uns alle“, schwärmt Tos Chirathivat, Chef der Central Group.

Beide Partner bringen Kompetenzen mit

Die neuen asiatischen Partner hoffen auf die Onlinekompetenz von Sports United und auch auf die Eigenmarken des Händlers. Im Gegenzug bieten sie tiefe Kenntnis des Marktes und Kundenkontakte.

Denkbar wäre auch, dass Sports United Shop-in-Shop-Konzepte in den Einkaufszentren von Aeon und Central entwickelt. So könnten in den Shoppingmalls während der Olympischen Spiele Terminals mit dem Onlinekonfigurator für individuelle Sportshirts aufgestellt werden oder ein Schlägerbespannungsservice für die tennisverrückten Japaner angeboten werden. Ähnliche Pilotversuche hat Sports United schon bei Karstadt in Deutschland gestartet.

Was Benko besonders freuen dürfte: Aeon hat Branchenkreisen zufolge bei ihm wegen der Partnerschaft angefragt – und nicht er in Asien. Türöffner war offenbar Central-Group-Chef Chirathivat, der über sein italienisches Tochterunternehmen La Rinascente bereits Partner von Benko ist.

„In der Champions-League unterscheiden sich die besten von den Mittelklasse-Vereinen nicht zuletzt durch die besten Spieler, Kontinuität im Team, schiere Konsequenz und harte Arbeit“, sagte Benko kürzlich im Interview mit dem Handelsblatt selbstbewusst, um das Erfolgsgeheimnis von Signa zu beschreiben. Jetzt kann er zeigen, ob er auch in Asien ganz oben mitspielen kann.

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