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Silvester Weco-Chef: „Ein Feuerwerksverbot würden wir nicht überleben“

Ein Verbot von Feuerwerken ist so gut wie vom Tisch. Für die Branche wäre das das Todesurteil gewesen, warnt der Chef von Deutschlands größtem Produzenten.
25.11.2020 - 08:09 Uhr 2 Kommentare
Die Politik appelliert an die Bürger, dieses Jahr aufs Feuerwerk zu verzichten.
Feuerwerk über Berlin

Die Politik appelliert an die Bürger, dieses Jahr aufs Feuerwerk zu verzichten.

Düsseldorf Thomas Schreiber weiß schon genau, wie er die Silvesternacht in diesem Jahr verbringt: „Ich gehe mit maximal zehn Freunden vor die Tür und brenne so viel Feuerwerk ab, wie es nur geht“, sagt er – alles Corona-konform. Als Chef von Deutschlands größtem Produzenten von Feuerwerksartikeln, dem Pyrotechnikbetrieb Weco, freut es ihn nicht nur als Privatperson, dass das Feuerwerksverbot so gut wie vom Tisch ist. Denn an diesem einen Tag macht er fast seinen gesamten Jahresumsatz.

Nachdem Forderungen nach einem generellen Feuerwerksverbot Pyrobranche und Feuerwerksbegeisterte in Aufruhr versetzt hatten, ruderten die Bundesländer zurück. Die aktuelle Beschlussvorlage, die die Länderchefs an diesem Mittwoch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besprechen, sieht nur noch ein Verbot auf öffentlichen Plätzen vor. Zwar wäre der Politik lieber, die Bürger würden „Dinner for one“ schauen, statt Raketen in die Luft zu jagen, doch über einen Appell geht die Beschlussvorlage nicht hinaus.

Jörg Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, ist von der Bundesregierung enttäuscht. „Die Verantwortung wird nun auf die Kommunen abgewälzt“, sagt er. Denn die müssten nun eigene Regeln erlassen – anders als zum Beispiel in den Niederlanden, wo die Regierung ein entsprechendes Verbot verhängt hat.

Resch, der sich in der immer wieder vor Silvester aufflammenden Debatte für Böllerverbote ausspricht, führt im Corona-Jahr nicht nur die Feinstaubbelastung durch Feuerwerke als Verbotsargument an: Es gelte auch, die Krankenhäuser zu entlasten.

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    Jährliche Debatte um Silvester-Feuerwerk

    Eine genaue Statistik gibt es nicht, doch viele Krankenhäuser beklagen in der Neujahrsnacht regelmäßig eine hohe Zahl an Silvester-Verletzten, die Feuerwerkskörper aus der Hand oder unpassenden Körperöffnungen abzufeuern versuchten. Die Kapazitäten der Kliniken müssten geschont werden, so Resch, der an der Forderung eines Feuerwerksverbots festhält.

    Weco-Chef Thomas Schreiber sieht das naturgemäß anders – schon allein, um Silvester-Fanatikern eine Alternative zu illegalen Sprengkörpern anzubieten, inszeniert er sich. Er blickt optimistisch auf das Bund-Länder-Treffen am Mittwoch. Ein gewöhnliches Silvester mit Menschenmassen und großen Feiern könne es dieses Jahr aufgrund des Infektionsgeschehens nicht geben, gesteht aber auch er ein.

    Aber: „Ein generelles Feuerwerksverbot würden wir und die gesamte Pyrobranche nicht überleben“, sagt er. 90 Prozent des Jahresumsatzes (2019: 122 Millionen Euro) erwirtschaftet die Branche in den letzten drei Tagen des Jahres. Nachdem bereits sämtliche Großveranstaltungen mit Feuerwerken Corona-bedingt abgesagt worden waren, hätte das Komplettverbot ein ganzes Jahr ohne Umsätze bedeutet.

    Der Weco-Chef fürchtet Masseninsolvenzen in der Pyroindustrie.
    Thomas Schreiber

    Der Weco-Chef fürchtet Masseninsolvenzen in der Pyroindustrie.

    Ein Großteil der Feuerwerksartikel werde im Lebensmitteleinzelhandel verkauft, so Schreiber. „Doch bis jetzt haben wir noch keinen Pfennig gesehen“, erklärt der Weco-Chef. Die Pyrohersteller finanzierten die Bestellungen etwa ein Jahr vor, Geld verdienten sie erst nach dem Verkauf.

    Und mit einem Feuerwerksverbot wären die Lager der Händler fürs kommende Jahr prall gefüllt gewesen. Für die rund 3000 Beschäftigten in der Branche wäre im kommenden Jahr damit keine Arbeit da gewesen – quasi ein Tod auf Raten.

    Die Lebensmittelkonzerne ließen sich bislang nicht von den Appellen der Ministerpräsidenten, auf den Kauf von Feuerwerksartikeln zu verzichten, beirren, so Schreiber. Anders einige große Baumarktketten: Obi und Bauhaus haben bereits angekündigt, in diesem Jahr keine Raketen und Böller zu verkaufen. Einen großen Schaden bedeute das für die Branche aber nicht, sagt Schreiber. Laut dem Geschäftsführer des Mittelständlers mit rund 400 Mitarbeitern liegt der Umsatzanteil hier nur im einstelligen Bereich.

    „Wenigstens ein schöner Abend in diesem Jahr“

    Viel wichtiger dürfte für das Unternehmen Weco, das immerhin knapp zwei Drittel des Branchenumsatzes generiert, die Einstellung der Bundesbürger sein. Firmenchef Schreiber zeigt sich optimistisch, dass die Menschen „wenigstens einen schönen Abend in diesem düsteren Jahr haben wollen“. Allerdings befürwortet eine Mehrheit ein striktes Feuerwerksverbot: Einer Yougov-Umfrage zufolge sprechen sich 64 Prozent der Befragten dafür aus.

    Und ohnehin ist der Umsatz mit Feuerwerksartikeln seit Jahren rückläufig, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen. Nach einem starken Anstieg seit dem Jahrtausendbeginn sinken die Erlöse seit dem Boomjahr 2017 wieder. Da erwirtschafteten die Pyro-Unternehmen 137 Millionen Euro. In den vergangenen zwei Jahren nahmen sie rund elf Prozent weniger ein.

    Weco-Chef Schreiber hofft, zumindest die Umsätze aus dem vergangenen Jahr halten zu können. Was die Zukunft anbelangt, versucht er es mit Ironie: Die Branche bereite sich darauf vor, im kommenden Jahr wieder wegen der Feinstaubdebatte im Visier von Umweltschützern zu stehen. Die jährliche Debatte um ein Böllerverbot hat in Deutschland mittlerweile den Status eines Brauchtums erreicht.

    Mehr: „Schlag in die Magengrube“ – Wirtschaft fordert mehr Hilfe bei verlängertem Lockdown.

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    2 Kommentare zu "Silvester: Weco-Chef: „Ein Feuerwerksverbot würden wir nicht überleben“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ein schöner Lobbying-Erfolg, zum Glück ganz ohne Blick auf das Gemeinwohl.

    • Nun also die nächste Branche auf den Altar auf das das Opfer die Götter gnädig stimme und die himmlischen Plagen abwende - das ist so ungefähr das Niveau unserer politischen "Elite".
      Verbote, Verordnungen, Anweisungen, Empfehlungen, Ermahnungen und die so untertänige wie einfältige deutsche Kartoffelmentalität. Da ist Herr Resch von der stolzen deutschen Umwelthilfe doch unser wichtigstes Talent und der Prototyp des besserwissenden Wichtigtuers. Die kenne ich noch aus der Schule, die standen in der Pause immer ziemlich allein in der Nähe der Aufsichtsperson. Strategisch günstig zum denunzieren und geschützt vor den Opfern.

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