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Smart Mobility Scooter-Sharing ist das nächste große Mobilitätsding

Autos bekommen in den Städten einen neuen Rivalen: elektronische Tretroller. Investoren stecken Milliarden in Anbieter wie Lime. Das Start-up expandiert weltweit.
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Erst zehn Prozent des weltweiten Stadtverkehrs bestehe aus neuen Alternativen wie E-Scootern oder E-Bikes. Quelle: dpa
Tretroller mit Elektroantrieb des Anbieters Bird

Erst zehn Prozent des weltweiten Stadtverkehrs bestehe aus neuen Alternativen wie E-Scootern oder E-Bikes.

(Foto: dpa)

Lissabon Der neueste Trend, den die Zukunfts-Schmiede Silicon Valley für unseren Alltag entworfen hat, besteht zur Abwechslung mal nicht nur aus Bits und Bytes, sondern aus ganz realen Materialien: E-Scooter. In Deutschland werden sie wohl erst im kommenden Jahr offiziell zugelassen, in zahlreichen Metropolen sind die Leih-Tretroller aber bereits tausendfach zu sehen.

Sie sollen Alternativen zu Autos, Taxis und Ubers für die letzten Meter in den Innenstädten bieten. Die Städte zeigen sich offen für solche Angebote, weil sie ihnen helfen, Probleme mit Smog, Stau und Parkplatz-Suche zu lösen. Auch die Investoren sind begeistert. Sie sehen im Scooter-Sharing offenbar das nächste große Mobilitäts-Ding und investieren Milliarden in den jungen Markt. Die weltweit größten Anbieter sind die amerikanischen Start-ups Bird und Lime.

Bird ist nach eigenen Angaben mit zwei Milliarden Dollar bewertet. Lime wurde nach der letzten Finanzierungsrunde vor wenigen Monaten auf 1,1 Milliarde Dollar taxiert. Das ist zwar nur halb so viel, aber dafür gehören die Investoren des erst Anfang 2017 gegründeten Start-ups zum „Who is Who“ der Tech-Szene: Neben dem amerikanischen Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz ist Google-Ventures ebenso dabei wie der Taxi-Rivale Uber.

Lime hat insgesamt eine halbe Milliarde Dollar an Investorengeldern eingesammelt. Caen Contee gehört zum Gründungsteam von Lime und ist für die globale Expansion des Unternehmens mit Sitz in San Francisco verantwortlich. „Wir müssen bessere Wege finden, uns in den Städten zu bewegen“, sagt er. „Es muss so umweltfreundlich und nachhaltig wie möglich sein – egal ob wir einen Kilometer zurücklegen oder zehn.“

Das Besondere an Lime ist, dass das Unternehme anders als Bird nicht nur Scooter verleiht. Die machen zwar den Löwenanteil der Flotte aus, aber die Kalifornier bieten auch Fahrräder an. Contee will zwar keine konkreten Zahlen zu den Vehikeln nennen, beschreibt Lime aber selbstbewusst als die „weltweit größte Plattform für intelligente Verkehrsangebote“. Sie ist keine zwei Jahre nach ihrer Gründung bereits in 80 Städten in zwölf Ländern aktiv und hat 20 Millionen Fahrten vermittelt.

Nutzer orten Räder und Scooter per Smartphone mit der Lime-App und stellen die Vehikel an einem beliebigen Ort wieder ab. Abgerechnet wird per Kreditkarte nach gefahrenen Minuten. Eine Strecke von einem Kilometer kostet dabei im Schnitt 1,50 bis zwei Euro. Abends sammelt Lime die Gefährte wieder ein, lädt sie auf und platziert sie am nächsten Morgen an den strategisch wichtigen Ecken der Stadt.

Vor einigen Tagen haben die Kalifornier angekündigt, dass sie demnächst auch E-Autos zum Teilen anbieten werden. Auf den ersten Blick verwundert der Schritt – zumal sich auf dem Carsharing-Markt schon diverse Ableger der großen Autohersteller wie Mercedes oder BMW tummeln. Doch dahinter steht die ehrgeizige Idee, ein Komplettanbieter zu werden – das Amazon für den Stadtverkehr der Zukunft. „Wir wollen die Plattform für alle Mobilitäts-Bedürfnisse sein“, sagt Contee.

Markt für Bike-Sharing wächst schnell

Noch ist der Markt nicht verteilt: Erst zehn Prozent des weltweiten Stadtverkehrs bestehe aus neuen Alternativen wie E-Scootern oder E-Bikes. Contee geht davon aus, dass dieser Anteil in den kommenden zwei bis sieben Jahren auf 40 bis 50 Prozent steigt.

Von dem Wachstum will auch Lime-Investor Uber profitieren: Er hat im Sommer den E-Bike-Verleih Jump übernommen und ist damit auch direkt in das Geschäft mit den neuen Alternativen eingestiegen. Denkbar ist offenbar auch eine engere Zusammenarbeit mit Lime, bei der Uber deren Dienst in seine App integriert. „Wir reden über verschiedene Möglichkeiten, aber noch ist nichts entschieden“, sagt Contee.

Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger aus dem Jahr 2015 zufolge wächst allein der Markt für Bike-Sharing jährlich um 20 Prozent und wird im Jahr 2020 zwischen 3,6 und 5,3 Milliarden Euro groß sein. Die Beratung geht davon aus, dass die Anbieter Gewinnmargen vor Zinsen und Steuern (Ebit) zwischen zehn und 15 Prozent erzielen können.

Contee will zwar die eigene Marge nicht nennen, versichert aber, dass Lime in einigen Städten operativ bereits Gewinne erzielt. Der Konzern insgesamt habe den Breakeven noch nicht erreicht, weil das Geld in Innovationen und die Expansion fließe. „Das Auto ist für kurze Strecken zu schwer und zu teuer und es braucht zu viel Platz – sowohl beim Parken als auch auf der Straße“, sagt Gildo Seisdedos, Experte für Stadt-Management an der spanischen Business School IE in Madrid.

„Ich nutze in der Innenstadt nur noch E-Bikes, E-Motorräder und E-Scooter und bin damit meist schneller als mit dem Taxi oder einem Uber.“ Doch noch sind – typisch für einen neuen Markt – zahlreiche Fragen offen. Während einige Städte Scooter von den Bürgersteigen verdammen oder Vorschriften für das Abstellen erlassen haben, arbeitet Deutschland noch an den Regeln – deshalb ist Lime mit seinen Tretrollern auch noch nicht da.

Da wo die Kalifornier und andere Anbieter aktiv sind, haben sie aber nicht nur Fans: Anwohner beschweren sich, dass die Leih-Scooter kreuz und quer auf den Gehwegen herumliegen, weil Nutzer sie oft mitten im Weg abstellten. Die US-Gemeinden West Hollywood und Beverly Hills haben angesichts der Flut von E-Scootern auf ihren Straßen zwischenzeitlich sogar ein komplettes Verbot für die Vehikel verhängt.

Laut Contee ist das inzwischen wieder aufgehoben, nachdem die Zahl der Scooter limitiert wurde und einige Wettbewerber ihre Flotte vor Ort reduziert haben. Auch rechtliche Fragen sind weitgehend ungeklärt. In den USA sind in diesem Jahr bei Unfällen zwei Fahrer von Lime-Scootern gestorben. Die Unfälle haben eine Debatte um Haftung und Sicherheit angestoßen.

Einige Städte fordern nun eine Helmpflicht für Scooter. Laut dem Unternehmen sind Lime-Kunden versichert und erhalten bei Bedarf gratis Helme – per Post oder an Abholstellen. Die Kalifornier reagieren schnell, aber noch ist der Weg zur Pole-Position im neuen Stadtverkehr lang.

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1 Kommentar zu "Smart Mobility: Scooter-Sharing ist das nächste große Mobilitätsding"

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  • In den Großstädten Deutschlands liegen in den Parks nicht nur leicht gekleidete Menschen im Sommer herum, sondern auch Fahrräder - Leihräder von irgendwelchen chinesischen Startups, die heute nicht mehr existieren. Vor dem Winter verschwinden die leicht gekleideten Menschen und auch die verwaisten Leihräder. Diese schaffen Jobs für die Stadtverwaltung: 1 Euro- Jober räumen die Räder weg. Recycling. Schön.
    Hat das was mit e-Tretroller zu tun? JA. Sie werden wohl das gleiche Schicksal teilen wie die Leihräder chinesischer Startups.
    Wie war das noch mit dem Umweltschutz?

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