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Sommerurlaub Europas Freizeitparks fehlen die Touristen

Die meisten Anlagen sind wieder geöffnet. Im Süden aber kommen zu wenige ausländische Gäste. Und in Schweden stehen die Achterbahnen ganz still.
01.08.2020 - 11:05 Uhr Kommentieren
Achterbahn: Die Freizeitparks dürfen nicht so viele Tickets wie sonst verkaufen , verzeichnen aber einen höheren Umsatz pro Besucher. Quelle: dpa
Achterbahn

Achterbahn: Die Freizeitparks dürfen nicht so viele Tickets wie sonst verkaufen , verzeichnen aber einen höheren Umsatz pro Besucher.

(Foto: dpa)

München Bodensee statt Costa Brava: Viele Deutsche verbringen ihre Ferien dieses Jahr im eigenen Land. Für die deutschen Freizeitparks ist das ein Segen, für viele andere ein gewaltiges Problem. Denn vor allem die Betreiber im Süden Europas leben von ausländischen Gästen. „Parks mit regionalem Einzugsgebiet tun sich momentan leichter als jene, die von Touristen abhängen“, sagt Jakob Wahl, Executive Director des Weltverbands der Freizeitparks IAAPA.

Während des gesamten Frühjahrs waren die Freizeitparks wegen der Corona-Pandemie in Europa geschlossen. Inzwischen fahren die Achterbahnen wieder. So richtig zufrieden sind die Unternehmen aber vielerorts nicht. Die Besucherzahlen sind überall begrenzt, damit die Gäste Abstand halten können. Daher lohnt sich das Geschäft kaum. „Wir machen beim Betrieb auf derzeitigem Niveau bestenfalls eine schwarze Null“, sagt Roland Mack, Chef und Gesellschafter des Europaparks, Deutschlands größtem Freizeitpark.

Im Vergleich zu den Wettbewerbern rund ums Mittelmeer kann der Badener mit seinem Freizeitpark in Rust, zwischen Offenburg und Freiburg gelegen, aber noch ganz zufrieden sein. Denn die Parks in Italien, Spanien oder Portugal leben meist von Touristen, die aus ganz Europa im Sommer anrücken. Dieses Jahr aber bleiben sie größtenteils aus. Gerade erst hat die britische Regierung entschieden, dass Reiserückkehrer aus Spanien in eine 14-tägige Quarantäne müssen. Das macht den Trip in die Sonne unattraktiv und schadet großen Parks wie Port Aventura südwestlich von Barcelona.

Dazu kommt: Die Kosten für die Betreiber sind derzeit außergewöhnlich hoch. „Die Betreiber nehmen viel Geld in die Hand, um den Parkbesuch so sicher wie möglich zu machen“, sagt Verbandsfunktionär Wahl. Zusätzliches Personal ist in den Parks unterwegs, um die Gäste auf die Corona-Regeln aufmerksam zu machen. Die Sanitäranlagen wurden angepasst, die Restaurants sowie die Wartebereiche umgebaut. Masken sind vielerorts in Innenräumen und bei Fahrgeschäften Pflicht, Eintrittskarten lassen sich zumeist nur im Voraus lösen.

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    Die Freizeitindustrie ist ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftszweig. Dem IAAPA zufolge verkaufen die Betreiber auf dem Kontinent normalerweise jedes Jahr mehr als 270 Millionen Tickets. Der Verband erfasst dabei mehr als 300 Freizeitparks, über 500 Unterhaltungseinrichtungen für Familien sowie 235 Wasserparks. Sie erzielen einen Umsatz von fast zehn Milliarden Euro pro Jahr und beschäftigen knapp 90.000 Mitarbeiter.

    Gewaltige Verluste in Amerika

    In Deutschland kamen die 71 Betreiber laut IAAPA 2018 auf 46 Millionen Besucher. Sie verbuchten Einnahmen von knapp 1,2 Milliarden Euro und beschäftigten rund 15.000 Mitarbeiter.

    Dieses Jahr dürften die Zahlen überall deutlich niedriger ausfallen. Dabei scheint ein Besuch in einem Freizeitpark eine vergleichsweise sichere Angelegenheit zu sein. „Es ist kein Fall bekannt, in dem das Virus in einem Park übertragen wurde. Das ist für die ganze Branche wichtig“, so Verbandsmanager Wahl.

    Trotzdem sind die Parks in Schweden geschlossen. Ausgerechnet in jenem Land also, in dem es die geringsten Beschränkungen für die Bevölkerung gab. Achterbahnfahren allerdings dürfen Menschen dort nicht. „Das ist ein herber Schlag für die Branche“, klagt Wahl. Die Parks in Schweden verkaufen üblicherweise 17 Millionen Tickets im Jahr und kommen auf einen Umsatz von gut 400 Millionen Euro.

    Falls die Parks im übrigen Europa wegen Corona nicht wieder schließen müssen, dürften die meisten Betreiber wohl überleben, so Wahl: „Wir haben die Hoffnung, dass die meisten mit einem blauen Auge davonkommen.“ Einige Unternehmen würden allerdings mit Neuheiten, die sie fürs laufende Jahr geplant hatten, erst 2021 starten. Und es sei natürlich auch nicht auszuschließen, dass Unternehmen das Geld ausgeht. Wahl: „Die Krise ist noch nicht durchgestanden. Es kann schon sein, dass der eine oder andere Park den Besitzer wechselt.“

    Ein Blick nach Amerika zeigt, dass das Geschäft in Europa noch vergleichsweise gut läuft. Der Medienriese Comcast musste im zweiten Quartal mit seinen Universal-Parks einen Verlust von 399 Millionen Dollar hinnehmen. Der Umsatz ist zwischen April und Ende Juni um 94 Prozent eingebrochen. Angesichts der riesigen Zahl an Neuinfektionen dürften sich die Konsumenten mit Parkbesuchen in Florida auch künftig zurückhalten. In Kalifornien sind die Parks ohnehin seit Monaten dicht.

    In Europa hingegen haben die Betreiber sogar einige gute Nachrichten. „Es ist sehr ermutigend, dass die Besucher im Schnitt mehr Geld in den Parks ausgeben“, sagt Funktionär Wahl. Wenn die Fernreise ausfallen muss, bleibt eben mehr für den Heimaturlaub übrig.

    Mehr: Europapark-Gründer Roland Mack bangt um sein Lebenswerk.

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