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Sorgen wegen Handelsstreits Airlines senken ihre Gewinnprognosen um zwölf Prozent

Die Luftfahrtindustrie zeigt sich angesichts des drohenden Handelskriegs besorgt. Die Gewinnerwartung für das laufende Jahr sinkt deutlich.
Update: 04.06.2018 - 13:17 Uhr Kommentieren
Die Luftfahrtbranche wird nervös: „Handelskrieg ist nicht gut.“, so die Chefin des internationalen Touristikverbandes (WTTC), Gloria Guevara Manzo. Quelle: dpa
Luftverkehr

Die Luftfahrtbranche wird nervös: „Handelskrieg ist nicht gut.“, so die Chefin des internationalen Touristikverbandes (WTTC), Gloria Guevara Manzo.

(Foto: dpa)

SydneyHöhere Treibstoffkosten und das Risiko eines Handelskrieges stimmen die internationale Luftfahrtbranche vorsichtiger. Der Branchenverband IATA senkte am Montag seine Gewinnprognose für dieses Jahr um zwölf Prozent auf 33,8 Milliarden Dollar.

„Es ist sicher richtig zu sagen, dass 2018 ein härteres Jahr wird, aber Airlines leisten gute Arbeit“, sagte IATA-Generaldirektor Alexandre de Juniac in Sydney bei einem Treffen der Branchenorganisation, in der rund 280 Fluggesellschaften vertreten sind.

Für Europa mit Gesellschaften wie Lufthansa, Air France-KLM, der British-Airways-Mutter IAG und dem Billigflieger Ryanair rechnet der Verband jetzt im Jahresvergleich mit einem Gewinnanstieg von 8,1 auf 8,6 Milliarden Dollar. Bisher sollte es jedoch deutlich stärker auf 11,5 Milliarden Dollar nach oben gehen.

Auch die Lufthansa rechnet in diesem Jahr mit einem sinkenden operativen Ergebnis. Konzernchef Carsten Spohr peilt aber im Sommer neue Bestmarken bei den Flugbuchungen an. „Wir erwarten sogar, die Rekordzahlen aus dem Sommer 2017 zu übertreffen“, sagte Spohr zu Reuters.

Die anziehende globale Konjunktur sorgt eigentlich für Rückenwind und steigende Nachfrage bei den Fluggesellschaften. Deshalb erwartet IATA auch erstmals seit 2011 wieder steigende Renditen pro Passagier. Die wichtige Kennziffer dürfte um 3,2 Prozent zulegen. Die Nachfrage nach Flugtickets scheint zudem ungebrochen. Die Zahl der Passagiere dürfte 2018 laut IATA weltweit um 6,5 Prozent auf 4,36 Milliarden steigen.

Allerdings mache den Unternehmen das teurere Kerosin einen Strich durch die Rechnung. IATA geht für 2018 mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 70 Dollar pro Fass (159 Liter) aus. Die bisherige Prognose betrug 60 Dollar, im Vorjahr waren es sogar nur 54,90 Dollar.

Die Gewinne deckten zwar das vierte Jahr in Folge die Kapitalkosten ab und ermöglichten Investitionen in Flotte und Infrastruktur, sagte de Juniac. Die Fluggesellschaften arbeiteten aber im Vergleich zu vielen anderen Branchen immer noch auf des Messers Schneide. So entspreche der prognostizierte Gewinn gut vier Prozent des erwarteten Umsatzes von rund 750 Milliarden Dollar.

„Vier Prozent ist keine große Zahl“, sagte de Juniac im Reuters-Interview. Die Branche sei immer noch empfindlich. „Unsere Möglichkeiten, große Schocks zu überstehen, sind begrenzt.“

De Juniac warnte vor einem Handelsstreit. „Wir haben bis jetzt keinen nennenswerten Rückgang der Passagierzahlen oder Fracht im Zusammenhang mit Handelskriegen oder Abschottungs-Barrieren erlebt“, sagte er. „Aber wenn es so weitergeht, wird es dazu kommen.“ US-Präsident Donald Trump löste mit Zöllen gegen China, die Europäische Union (EU) und andere Wirtschaftsräume Sorgen vor einer Eskalation im Handelsstreit aus.

Der Flugzeugbauer Boeing reagierte verhältnismäßig gelassen. Etwa 90 Prozent des benötigten Aluminiums käme ohnehin aus den USA, sagte der Vizepräsident für den Verkauf von Verkehrsflugzeugen, Randy Tinseth, der Nachrichtenagentur Reuters. Nach Ansicht von Airbus-Vertriebschef Eric Schulz ist es noch zu früh, um die finanziellen Auswirkungen zu beziffern. Es gehe aber um ein weltweites Geschäft und daher seien Hindernisse für alle Beteiligten schlecht. Die Branche gebe es nur wegen des freien Handels und Reisefreiheiten.

Wegen des steigenden Drucks auf die Airlines durch die höheren Kerosinkosten erwarten viele Experten den Abbau von Kapazitäten oder weitere Zusammenschlüsse. Lufthansa-Chef Spohr machte deutlich, nach den jüngsten Übernahmen sei die deutsche Nummer eins nicht zu sehr an weiteren Zukäufen interessiert.

Allerdings behalte der Konzern die Branche im Blick und wolle Gelegenheiten ergreifen, wenn sie sich böten. Auf die Frage nach einem Interesse der Lufthansa am norwegischen Billigflieger Norwegian Air sagte Spohr: „Jeder spricht zurzeit mit jedem. Wir leben auf einem kleinen Kontinent.“

Auch der ungarische Billigflieger Wizz Air rechnet mit einer Konsolidierung und sieht sich dabei in aktiver Rolle. Firmenchef Jozsef Varadi sagte zu Reuters, Wizz Air werde in zehn Jahren in den Kreis der Top Fünf Airlines in Europa aufsteigen.

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  • rtr
  • dpa
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