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Lieferdrohne „Black Swan“

Das Fluggerät mit Frontpropeller kann bis zu 350 Kilogramm Nutzlast transportieren.

(Foto: Hellmann)

Speditionskonzern Logistiker Hellmann will schon 2022 europaweit per Drohne liefern

Die Langstreckendrohnen sollen Frachtsendungen über bis zu 2500 Kilometer zu den Kunden bringen. Die Flugsicherung räumt dem Projekt gute Chancen ein.
30.06.2021 - 11:03 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Mit einer Flügelspannweite von 16 Metern und seinem Frontpropeller gleicht der „Black Swan“ eher einer Miniatur-Cessna als einer klassischen Drohne. 400 Meter Startbahn braucht das unbemannte Flugzeug des bulgarischen Herstellers Dronamics, das bis zu 350 Kilogramm Nutzlast in die Höhe stemmt.

Ab 2022 soll das 200 Stundenkilometer schnelle Fluggerät für den Osnabrücker Speditionskonzern Hellmann an den Start gehen, kündigte Luftfrachtmanager Jan Kleine-Lasthues am Mittwoch an.

Der unbemannte Flugdienst käme einer Revolution gleich. Denn ausgelegt ist der „Black Swan“ für eine Reichweite von bis zu 2500 Kilometern. „Eine Lieferung von Lüttich nach Mailand innerhalb von drei Stunden wäre problemlos möglich“, heißt es bei Hellmann, wobei der Dienst vorrangig für zeitkritische Güter wie Medikamente oder dringend benötigte Ersatzteile für die Automobil- und Flugindustrie geplant ist.

„Dronamics hat sich zum Ziel gesetzt, als erstes Unternehmen eine Betriebsgenehmigung für internationale unbemannte Flüge über Europa zu erhalten“, sagte Svilen Rangelov, Vorstandschef und Mitbegründer von Dronamics. Gleichzeitig haben die Bulgaren eine Fluggesellschaft gegründet, um mit ihren Drohnen Luftfracht für Spediteure wie Hellmann zu transportieren.

Bisher hat das Dronamics-Team ein Netz von 50 Gateways in 28 Ländern aufgebaut. Die ersten drei deutschen Landebahnen befinden sich auf den Flugplätzen Paderborn-Lippstadt, Rostock–Laage und Weeze. Beladen und mit den notwendigen Flugplänen versorgt werden die Drohnen von diesen Stützpunkten aus, wobei auch geschulte Piloten zum Einsatz kommen sollen. Die Steuerung nach dem Abheben übernimmt künftig eine zentrale Kontrollstelle, deren Standort noch gesucht wird.

Dronamics in mittlere Risikostufe eingruppiert

„Die Flexibilität ist deutlich höher als bei üblicher Luftfracht“, begründete Kleine-Lasthues die Entscheidung für die Drohnenlieferung. Der Transport sei zudem deutlich schneller als eine Fahrt mit Transportern oder Sprintern und gegenüber eiligen Langstreckentransporten, die mit zwei Fahrern besetzt werden müssen, sogar nicht einmal teurer.

In puncto Nachhaltigkeit sei der „Black Swan“ konkurrenzfähig, beteuert Rangelov. Die mit E10-Benzin betriebene Drohne solle bis 2023 CO2-neutral fliegen. „Wir werden dazu Biosprit verwenden“, kündigte der CEO gegenüber dem Handelsblatt an. „Sobald Batterieantrieb oder Wasserstoff für längere Flüge erlaubt werden, nutzen wir auch dies.“

Erst in diesem Jahr hat die EU unbemannte Flugkörper mit einem Gewicht von mehr als 150 Kilo genehmigt. Dronamics hat nach eigenen Angaben erreicht, dass seine Drohnen nach den EU-Regeln lediglich in die mittlere Risikostufe „Specific“ eingruppiert werden und nicht in die höchste Stufe „Certified“, was die Sicherheitsauflagen erleichtert.

„Wir werden den Black Swan so programmieren, dass er nicht über stark bevölkerte Regionen fliegt“, erklärte Rangelov.

Der bulgarische Hersteller und das Logistikunternehmen Hellmann wollen vom kommenden Jahr an Waren innerhalb Europas per Mittelstreckendrohne transportieren. Quelle: dpa
Drohne von Dronamics

Der bulgarische Hersteller und das Logistikunternehmen Hellmann wollen vom kommenden Jahr an Waren innerhalb Europas per Mittelstreckendrohne transportieren.

(Foto: dpa)

Dronamics gibt die Reisehöhe seiner Drohne mit üblicherweise 12.500 Fuß, also rund 4000 Metern, an. Dadurch werden die Sicherheitsaufsicht durch eine Luftfahrtbehörde des jeweiligen EU-Landes und eine Airline-Lizenz erforderlich. „Es ist fraglich“, gibt eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS) zu bedenken, „ob dies interessierten Betreibern am Ende nicht zu aufwendig erscheint“.

Drohnenlieferungen sind noch kein Massengeschäft

Bei der Droniq, einem Gemeinschaftsunternehmen der DFS mit der Deutschen Telekom, die an der Integration von Drohnen in den Luftraum arbeitet, kennt man die Pläne der Bulgaren schon seit Längerem. Die Firma habe sich bislang als seriös und kompetent erwiesen. Die Chancen für einen Start der Drohnen-Airline stünden gut. „Allerdings wissen wir noch von keiner anderen Drohne“, sagt ein Sprecher, „die heute bereits im kontrollierten Luftraum fliegt.“

Dabei gab es bereits reichlich Versuche, unbemannte Fluggeräte in der Logistik zu nutzen. Vor sieben Jahren startete die Deutsche Post ihren „Paketkopter“, mit dem sie – ohne Sichtkontakt – die Nordseeinsel Juist mit Medikamenten belieferte. Von Januar bis März 2016 testete DHL im bayerischen Reit im Winkl, wie sich Paketstationen per Drohne vollautomatisch be- und entladen lassen.

Zuletzt ließ der Post-Paketdienst sogar eine 60 Kilometer entfernte Insel auf dem afrikanischen Viktoriasee sechs Monate lang per Drohne beliefern. Doch die Pilotprojekte fanden keinen Nachfolger, denn ein profitabel erscheinendes Geschäftsmodell fehlt bis heute.

Auch andere mühen sich um die unbemannte Versorgung aus der Luft. So startete der US-Drohnenhersteller Zipline gemeinsam mit dem Logistikexperten Llamasoft 2016 eine Notfallversorgung per Drohne, mit der sie beispielsweise das ostafrikanische Ruanda mit Blutkonserven versorgen. Auch die E-Commerce-Anbieter Amazon und JD.com experimentieren mit solchen ferngesteuerten Fluggeräten. Zu einem Massengeschäft aber wurde all dies bislang nicht.

Mehr: „Gamechanger“ der Lieferdrohnen – So sieht das neue Modell von Wingcopter aus

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