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"Spiel des Jahres" Der König der Spieler

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Axel Meffert hat im vergangenen Jahr gewonnen. Mit dem Preis für "Keltis" durfte sich der Geschäftsführer des großen Kosmos-Verlages schon im Juni auf das wichtige Weihnachtsgeschäft freuen. Viel Zeit zum Feiern blieb ihm nicht. Innerhalb weniger Monate muss der Verlag Hunderttausende Spiele produzieren. Kleine Hersteller wie "Hans im Glück" haben ihren Vertrieb gleich an größere Konkurrenten abgegeben, weil sie ihn alleine nicht bewältigen könnten. Denn auch in den Folgejahren versprechen die prämierten Spiele prächtige Einnahmen: 1995 gewann der Kosmos-Klassiker "Die Siedler von Catan". Inzwischen gibt es gut 20 Varianten. Die ganze Produktfamilie bringt noch ähnlich viel ein wie das Urspiel im Jahr der Auszeichnung.

Die Juroren spielen, spielen, spielen. Jeden Tag. In eigenen Spielegruppen wie Löhlein im "Ali Baba"-Klub. In Stadtbüchereien. In Kindergärten. Mit Freunden. Mit der Familie. Gut, wenn es noch Spaß macht. Löhlein bekommt im Jahr bis zu 300 neue Spiele, es sind nicht nur Preiskandidaten. Die Zimmer seiner drei Kinder sind voll, 700 Spielepackungen lagern im Keller. Viele verschenkt Löhlein an soziale Einrichtungen.

Im "La Fattoria" schlendert er auch mal zum Nebentisch. Er beobachtet, ob sich die Spieler mit den Regeln schwertun oder ob sie sich langweilen. Denn oft ähneln neue Spiele dem Vorjahressieger.

Vor gut vier Wochen hat sich die Jury auf eine Auswahl geeinigt. Die nominierten Titel, unter denen der Sieger sein wird, veröffentlicht sie auf ihrer Homepage. Für die Verlage ist diese Liste nach langer Zeit des Wartens das erste Signal der Jury.

"Ich habe um Mitternacht im Internet geschaut, ob unsere Spiele auf der Liste stehen", sagt Kosmos-Chef Meffert. Nach dem Sieg im vergangenen Jahr steht nun keines seiner 30 neuen Spiele auf der Liste. Solche Probleme hätte Roger Balser gerne. Er ist der Vertriebsdirektor des amerikanischen Spielwarenkonzerns Hasbro, der unter anderem "Monopoly" im Programm hat, einen Klassiker. Seit über 25 Jahren wartet Hasbro auf seine zweite Ehrung. Balser sagt, es würden "eher kleinere oder deutsche Verlage bedacht. Offenbar ist es so, dass die Jury meint, dass unsere Spiele dem deutschen Spielgut nicht entsprechen." Hasbro versucht es jetzt anders. Die Firma steckt sechsstellige Summen in Fernsehwerbung. Sie hat einen eigenen Preis, den "MB Spielestar". Zusammen mit dem Sender Super RTL wählen seit fünf Jahren junge Zuschauer das beste Hasbro-Spiel. Aber auch das kostet viel Geld. Ein großer Gewinn bleibt nicht mehr übrig.

"Es ist nicht so, dass die Jury etwas gegen Verlage wie Hasbro hätte", sagt Löhlein. "Die Spiele haben eben nicht den Kriterien entsprochen." Die Jury soll es allen recht machen. Dem anspruchsvollen Hobbyspieler, den hilflosen Eltern, die ihrem Kind einmal im Jahr ein Brettspiel schenken. Häufig ist der Sieger ein Kompromiss.

"Nur der Hauptpreis zählt, alles andere können Sie in der Pfeife rauchen", sagt Kosmos-Geschäftsführer Meffert. Einige Hersteller hätten gerne, dass die Jury in verschiedenen Kategorien auszeichnet. So hätten mehrere Verlage ein Verkaufsargument für ihre Spiele. Löhlein will das nicht: "Dann wäre es ein Wischiwaschi-Preis. Das Spiel des Jahres ist deshalb so stark, weil es nur einen Sieger gibt."

Im "La Fattoria" hat eine Gruppe ihren Favoriten gefunden. Löhleins Tochter hat gewonnen. Sie sagt: ",Dominion' wird das Spiel des Jahres. Das hat auch Papa schon gesagt." Papa scheint nicht gelogen zu haben. Seit gestern ist das Urteil der Jury öffentlich. Der Sieger: "Dominion". Der Verlag, "Hans im Glück", hat jetzt eine Menge zu tun.

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