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Sportartikelhersteller Adidas integriert den App-Anbieter Runtastic

Vier Jahre nach dem Kauf bündeln der Sportartikelhersteller und das Start-up ihre Kräfte. Die Marke Runtastic soll künftig in den Hintergrund rücken.
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Der Anbieter soll nun bei Adidas integriert werden. Quelle: dpa
Runtastic-App

Der Anbieter soll nun bei Adidas integriert werden.

(Foto: dpa)

Herzogenaurach Adidas greift bei Runtastic durch. Das bislang weitgehend unabhängig agierende Start-up aus Linz wird in den Sportkonzern integriert. Dabei verbindet der Turnschuh-Hersteller die beliebten Lauf- und Fitness-Apps der Österreicher nun mit seinem Kundenbindungsprogramm „Creators Club“. Der Name Runtastic rückt zudem in den Hintergrund.

„Wir wollten Runtastic bewusst viel Freiraum lassen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Kräfte zu bündeln“, sagte Scott Zalaznik, der Digitalchef von Adidas, dem Handelsblatt. In der Tat: Der Dax-Konzern hat die Firma bereits vor vier Jahren übernommen. 220 Millionen Euro blätterte der damalige Vorstandschef Herbert Hainer für das junge Unternehmen hin. Es war die größte Akquisition seit fast einem Jahrzehnt.

Ob Adidas seither durch Runtastic aber auch nur ein Paar Schuhe zusätzlich verkauft hat, vermag im Hauptquartier in Herzogenaurach niemand zu sagen. Denn die Apps waren in der Basisversion kostenlos und standen für sich alleine – und das war durchaus so gewollt. „Wir waren mit der Vermarktung unserer Produkte bei Runtastic bislang sehr zurückhaltend. Viel wichtiger war es uns, die Community zu pflegen“, so Zalaznik.

Das soll sich nun aber ändern, das zeigen schon die neuen Namen der Apps. Aus der Lauf-App „Runtastic“ wird „Adidas Running by Runtastic“, Nutzer der App „Runtastic Results“ finden diese unter dem Namen „Adidas Training by Runtastic“.

Wichtiger noch: Die Konsumenten können künftig mit ihren sportlichen Aktivitäten auf den Apps Punkte sammeln im Rahmen des Vorteilsprogramms „Creators Club“. Sie erhalten dafür Zugang zu limitierten Produkten oder Einladungen zu exklusiven Events von Adidas. Die Marktforschung habe gezeigt, dass das bei den Kunden hervorragend ankomme, erläuterte Zalaznik.

Das heißt: Runtastic soll nun endlich einen messbaren Beitrag zum Geschäftserfolg von Adidas leisten. Das entspricht ganz dem Kurs, den Vorstandschef Kasper Rorsted seit seinem Amtsantritt im Sommer vor drei Jahren eingeschlagen hat. Er präsentiert Adidas als ein Unternehmen, das noch Probleme hat, die gelöst werden müssen – und bietet den Investoren damit eine Wachstumsperspektive.

Rorsted will Geschäftsprozesse vereinfachen und die Zahl der vielen Sportartikel auf weniger, dafür aber margenträchtige Markenprodukte reduzieren – so wie er es schon an der Spitze von Henkel erfolgreich praktiziert hatte. Jedes Land, jeder Teilbereich und jede Marke müsse künftig ihren Beitrag zum Erfolg liefern, fordert Rorsted von seiner Führungsmannschaft – und setzt sie so unter Erfolgsdruck. In den vergangenen Jahren hat Rorsted die Verwaltung zentralisiert, viele Abläufe standardisiert und den Einkauf professionalisiert. Die Hälfte des Vorstands hat er ausgetauscht.

Nun ist Runtastic dran. Im August hat Adidas bereits das Internet-Angebot der Österreicher eingestellt – ohne Vorwarnung, wie viele Sportler in Kommentaren im Netz beklagen. Stattdessen konzentriert sich der Konzern inzwischen ganz auf Apps für mobile Geräte. Gleichzeitig hat Runtastic einige wenig erfolgreiche Apps aufgegeben: Eine kostenpflichtige Profi-Version von Runtastic ist weggefallen und auch die Fahrrad-App Road Bike.

Als Adidas im Sommer 2015 Runtastic schluckte, da war die gesamte Sportbranche auf Einkaufstour. Der US-Konkurrent Under Armour schnappte sich für mehrere hundert Millionen Dollar MapMyRun, MyFitnessPal und Endomondo. Asics übernahm Runkeeper. Damals glaubten die Sportkonzerne, mit den Sport-Apps einen direkten Zugang zu den Athleten zu erhalten, um so sehr zielgerichtet Shirts, Shorts und Schuhe zu verkaufen.

Es zeigte sich aber mit den Jahren: Shopping-Apps der Hersteller mit Rabattaktionen und individualisierten Angeboten sind viel wichtiger, um an die Kunden heranzurücken. Demgegenüber greifen die Athleten inzwischen häufig auf die Sport-Apps der Gerätehersteller zurück, also der Software von Uhrenproduzenten wie Apple oder Garmin. Beliebt ist außerdem Strava, eine konzernunabhängige App.

Amerikaner führt Runtastic

Adidas hat sich schon vor ein paar Monaten den vollen Durchgriff auf Runtastic gesichert. Ende vergangenen Jahres zog sich Mit-Gründer und Runtastic-Chef Florian Gschwandtner zurück. Der charismatische Österreicher war das Gesicht von Runtastic.

Seit diesem Frühjahr führt nun der Amerikaner Scott Dunlap die kleine Firma mit ihren 245 Mitarbeitern.

Die Tochtergesellschaft wird nun viel enger angebunden an die Zentrale in Herzogenaurach als bisher: „Runtastic wird integraler Bestandteil unseres Digitalteams“, betonte Zalaznik.

Vorstandschef Rorsted hat den Anteilseignern versprochen, den Umsatz im eigenen E-Commerce kommendes Jahr auf vier Milliarden Euro zu steigern. Das wäre das Vierfache dessen, was Adidas im Jahr seines Amtsantritts 2016 digital verkaufte. Der Online-Handel über eigene Vertriebswege wie die Apps ist besonders margenstark, daher hat dieses Ziel so überragende Bedeutung für Rorsted.

Die Investoren hegen jedenfalls große Erwartungen. Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs von Adidas um gut die Hälfte geklettert. Damit ist die Marke mit den drei Streifen Spitzenreiter im Dax.

Ob es so weiter geht? Manche Analysten zweifeln und glauben, dass der Aufwärtstrend erst einmal vorüber ist, sowohl auf dem Parkett als auch im Geschäft. Der Ausblick des Konzerns habe Fragen aufgeworfen, urteilte jüngst Jaina Mistry von der Deutschen Bank.

Um ihre Jobs müssen sich die Mitarbeiter von Runtastic keine Sorgen machen. Ihr Know-how sei enorm wichtig für Europas größten Sportartikelhersteller, unterstrich Manager Zalaznik. „Mit den Sport-Apps sind wir mehr als nur eine großartige Sportmarke. Wir sind Teil des täglichen Lebens der Konsumenten.“ Runtastic zählt eigenen Angaben zufolge mehr als 150 Millionen registrierte Nutzer.

Adidas rechnet fest damit, dass sie die Umbenennung klaglos hinnehmen. „Ich glaube nicht, dass es einen Aufschrei geben wird“, meint Zalaznik. Einem Exodus der Athleten würde Konzernherr Rorsted vermutlich nicht lange tatenlos zusehen.

Mehr: Adidas hat im August runden Geburtstag gefeiert. Vertriebsvorstand Roland Auschel ist seit Ende der 1980er-Jahre dabei – und erinnert sich noch an bittere Zeiten.

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