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Sportartikelhersteller Under Armour stürzt tief in die roten Zahlen

Der US-Konkurrent von Adidas und Puma schreibt mehr als eine halbe Milliarde Dollar Verlust. Schon vor Corona lief das Geschäft nur noch schleppend.
11.05.2020 - 17:56 Uhr Kommentieren
Under-Armour-CEO Frisk (Mitte), umrahmt von den Athleten Lindsey Vonn, Bryce Harper, Natasha Hastings und Michael Phelps. Quelle: AFP/Getty Images
Neuer Job mitten in der Krise

Under-Armour-CEO Frisk (Mitte), umrahmt von den Athleten Lindsey Vonn, Bryce Harper, Natasha Hastings und Michael Phelps.

(Foto: AFP/Getty Images)

München Wer nicht vor die Tür darf, der braucht auch keine neuen Sneaker. So leidet die gesamte Sportbranche schwer unter der Coronakrise. Keinem Turnschuhhersteller geht es aber so schlecht wie Under Armour. Im ersten Quartal schrieb der US-Konzern mehr als eine halbe Milliarde Dollar Verlust. Mit jedem Dollar, den der Wettbewerber von Adidas und Puma einnahm, verlor er mehr als 50 Cent.

„Seit Mitte März, als sich die Pandemie in Europa und Nordamerika massiv beschleunigte und die Läden schließen mussten, ist der Umsatz in allen Märkten deutlich zurückgegangen“, sagte der neue Vorstandschef Patrik Frisk am Montag. Der gebürtige Schwede hat zu Jahresbeginn den Gründer und Großaktionär Kevin Plank an der Spitze der Marke abgelöst. Nun muss Frisk Under Armour gleich durch die größte Krise in der 24-jährigen Geschichte des börsennotierten Unternehmens führen.

Es ist der schwierigste Job, den die Sportbranche derzeit zu vergeben hat. Denn die Firma von der amerikanischen Ostküste steht ungleich schlechter da als alle namhaften Konkurrenten. So haben es die beiden deutschen Rivalen Adidas und Puma in den ersten drei Monaten immerhin geschafft, einen schmalen Gewinn zu erzielen. Nike war zuletzt sogar hochprofitabel, allerdings endete das jüngste Quartal des Weltmarktführers aus Oregon schon im Februar und damit lange bevor die Läden im Großteil der Welt verriegelt wurden.

Bei Under Armour hingegen sieht es düster aus. Der Umsatz im ersten Quartal sei um mehr als ein Fünftel auf 930 Millionen Dollar eingebrochen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Auch ohne die Pandemie wären die Erlöse um acht Prozent gesunken, heißt es in der Mitteilung. Puma indes verzeichnete zwischen Januar und März nahezu stabile Einnahmen, während Adidas ein Minus von 19 Prozent verbuchte.

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    Am bedrohlichsten aber für Under Armour sind die tiefroten Zahlen: Auf 590 Millionen Dollar (rund 545 Millionen Euro) beläuft sich der Verlust. Gut ein Drittel davon geht eigenen Angaben zufolge auf das laufende Geschäft zurück, der Rest stammt aus dem Konzernumbau und damit verbundenen Abschreibungen.

    Grafik

    Zum Vergleich: Adidas schloss das Quartal mit 20 Millionen Euro Gewinn ab, Puma erzielte einen Überschuss von 36 Millionen Euro. Adidas ist nach Nike die Nummer zwei der Sportbranche, Puma steht inzwischen unangefochten auf Rang drei. Mitte des vergangenen Jahrzehnts hatte es zeitweise so ausgesehen, als zöge Under Armour an der Marke mit dem Raubtierlogo vorbei. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein. So verbuchte Puma im ersten Quartal Erlöse von 1,3 Milliarden Euro.

    Under Armour hatte schon lange vor Corona massive Probleme, weil sich die Konsumenten abgewendet hatten. Vergangenes Jahr stagnierte der Umsatz zwar. Das aber auch nur, weil das Label im Ausland kräftig gewachsen war. Auf dem Heimatmarkt USA tat sich der Konzern wie schon in den Vorjahren schwer. Adidas und Puma verzeichneten 2019 hingegen weltweit Rekorde und auch beim unangefochtenen Branchenprimus Nike ging es aufwärts.

    Für frischen Wind soll nun Frisk sorgen. Der Konzernlenker hat die Marke seit 2017 bereits als Chief Operating Officer tief greifend umgebaut. Frisk strich Stellen und schloss Läden, verschlankte die Abläufe und machte sich daran, Under Armour wieder auf seinen Kern als Ausrüster ambitionierter Athleten zu fokussieren.

    Alle Sportkonzerne haben dasselbe Problem

    Den 57-Jährigen hatte Plank selbst vor knapp drei Jahren vom kanadischen Schuhhändler Aldo abgeworben. Von einer Kette allerdings, die als Folge der Coronaseuche jüngst Gläubigerschutz angemeldet hat. Zuvor war der erfahrene Manager bei der VF Corp., dem Eigentümer von bekannten Marken wie North Face, Vans und Timberland.

    Doch der Wandel braucht Zeit. Bis heute ist es Frisk nicht gelungen, die Marke wieder zum Glänzen zu bringen. Noch bevor die Pandemie überhaupt die westliche Welt erreicht hatte, warnte Frisk im Februar bereits vor einem niedrigeren Umsatz und weniger Gewinn im Jahr 2020. Dabei hatte es Under Armour vergangenes Jahr mit 92 Millionen Dollar erst wieder leidlich in die schwarzen Zahlen geschafft. 2018 hatte die Firma einen Verlust von 46 Millionen ausgewiesen.

    Schon Mitte April hat Frisk Hunderte Mitarbeiter in Logistikzentren und Läden in Amerika vor die Tür gesetzt – zumindest so lange, bis das Geschäft wieder anläuft. Das Topmanagement verzichtet derweil auf ein Viertel der Bezüge. Gleichzeitig werde rund eine halbe Milliarde Dollar an Restrukturierungsaufwendungen dieses Jahr anfallen, warnte Frisk. Ein großer Teil davon seien Wertberichtigungen auf einen neuen Flagship-Store in New York, den er womöglich gar nicht eröffnet. Seine Prognose für 2020 zog der Unternehmenslenker gleichzeitig zurück. Dabei bleibt es auch vorläufig.

    Alle Sportkonzerne haben derzeit dasselbe Problem: Sie erzielen nur noch einen Teil der gewöhnlichen Umsätze. Die Läden in weiten Teilen der Welt sind nach wie vor geschlossen, die Händler können oder wollen bereits gelieferte Ware nicht bezahlen. Die Kosten aber bleiben nahezu unverändert. Für die Marken sind das im Wesentlichen Personal und Miete für Büros und Geschäfte. Die Fabriken sind zwar nicht in ihrem Besitz. Allerdings gibt es Abnahmeverpflichtungen für georderte Artikel. Die Anbieter sitzen daher momentan auf Bergen von Textilien und Schuhen.

    Adidas und Puma haben sich in den vergangenen Wochen bereits neue Kredite gesichert, um auch eine längere Flaute zu überstehen und Rechnungen und Gehälter bezahlen zu können. Dabei griffen sie auf die staatliche Förderbank KfW zurück. Adidas bekommt von den Banken drei Milliarden Euro, Puma 900 Millionen Euro. Auch Under Armour verhandle über zusätzliche Darlehen, hieß es am Montag.

    Die Konzerne sorgen vor, weil es für die nächsten Wochen trotz der Lockerungen in vielen Staaten nicht gut aussieht. Nach wie vor seien praktisch alle eigenen Läden in der westlichen Welt geschlossen und auch die vieler Sportfachhändler, so Under Armour. Der Umsatz im zweiten Quartal werde daher vermutlich 50 bis 60 Prozent unter Vorjahr liegen, warnte Finanzvorstand David Bergman in einer Telefonkonferenz.

    Es droht eine Rabattschlacht

    Es sei höchst unsicher, wann die Geschäfte wieder ihre Türen öffnen könnten und wie viele Kunden dann überhaupt Lust aufs Shoppen hätten. In China und Südkorea kämen die Konsumenten zwar zurück, aber die Kauflaune sei noch nicht so wie vor der Krise.

    Ähnlich hatte sich vergangene Woche Puma-Chef Björn Gulden geäußert. Der ehemalige Profifußballer sprach von über 50 Prozent der weltweiten Verkaufsfläche für Sport- und Lifestyle-Produkte, die derzeit geschlossen seien. Entsprechend erziele Puma nur die Hälfte der üblichen Einnahmen. Inzwischen gebe es erste Lichtblicke, führte Gulden aus. Seit Ende März seien fast alle Läden in China wieder offen. Auch in wichtigen Märkten wie Deutschland gehe der Verkauf wieder los. Das sei früher, als Puma intern geplant habe.

    Eine Prognose fürs laufende Jahr traue er sich derzeit nicht zu: „Die Unsicherheit ist das Problem. Wir wissen nicht, wie lange die Schwierigkeiten anhalten“, erläuterte Gulden. „Keiner war jemals in einer solchen Situation.“

    Die Sportkonzerne rechnen angesichts der vollen Lager jedenfalls mit einer Rabattschlacht. „Wir erwarten ein sehr preisgetriebenes Umfeld“, betonte Frisk. Mit Mietminderungen für seine Läden, mit längeren Zahlungsfristen sowie mit stornierten und verschobenen Aufträgen will der Manager erst einmal das Schlimmste überstehen. Adidas werde seine überschüssigen Shirts, Shorts und Schuhe nun über die 1100 konzerneigenen Fabrikverkaufsstandorte loswerden sowie durch Aktionen in den Onlineshops, verkündete Vorstandschef Kasper Rorsted Ende April.

    Die eigenen Internetstores dürften immer wichtiger werden. Denn die Sportkonzerne müssen sich darauf einstellen, dass ihnen in Zukunft die Vertriebspartner fehlen. In den USA sind in den vergangenen Wochen wegen der Coronakrise bereits einige große Handelskonzerne pleitegegangen. „Es wird Gewinner und Verlierer unter den Händlern geben“, unterstrich Frisk.

    An der Wall Street kamen die Zahlen von Under Armour gar nicht gut an. Im frühen Handel in New York brach der Aktienkurs am Montag um rund zwölf Prozent auf knapp acht Dollar ein. Zuvor hatten die Papiere seit Jahresbeginn bereits mehr als die Hälfte an Wert verloren. Die deutschen Rivalen zeigten sich demgegenüber stabil. Adidas und Puma verloren in einem schwachen Umfeld in Frankfurt zum Wochenstart nur leicht.

    Mehr: Adidas warnt vor Verlust und rechnet mit Rabattschlacht

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