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Sporthandel Skistiefel könnten zum Retter für die Wintersport-Industrie werden

Mit Skiern verdienen Händler kaum noch etwas. Für Skistiefel dagegen geben die Wintersportler viel Geld aus – umso härter ist der Wettbewerb.
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Der Wettbewerb und Skischuhe nimmt stetig zu. Quelle: Vito Alberto Amendolara
Skischuhe

Der Wettbewerb und Skischuhe nimmt stetig zu.

(Foto: Vito Alberto Amendolara)

MünchenSkier kaufen? Nein danke! Die meisten Wintersportler leihen sich ihre Bretter vor Ort in den Bergen. Ganz anders sieht es bei den Skistiefeln aus. „Viele Kunden bevorzugen eigene Skischuhe aus hygienischen Gründen“, sagt Tim Bielohoubeck, Leiter Strategischer Einkauf der Sporthandelskette Intersport.

Bei den Skiern selbst tut sich technisch seit einiger Zeit nicht viel. Es ist vor allem das Design, das sich von Saison zu Saison ändert. Skistiefel haben sich in den vergangenen Jahren aber deutlich weiterentwickelt. Sie werden immer bequemer.

Mit einer neuen Technik lässt sich zudem leichter laufen in den klobigen Schuhen. So kommt es, dass die Sporthändler jedes Jahr weltweit nur noch gut drei Millionen Paar Skier verkaufen, aber rund 3,5 Millionen Paar Skistiefel.

„Wir erwarten dieses Jahr ein zweistelliges Plus bei den Skistiefeln“, sagt Luka Grilc, Chef des italienischen Ski- und Skischuhherstellers Nordica. Wichtiger noch: „Wir stellen fest, dass die Konsumenten nicht nur auf den Preis schauen. Die Schuhe müssen passen, dafür sind sie bereit, Geld auszugeben.“

Wer sich überhaupt noch eigene Skier zulegt, der bekommt ein ordentliches Set, also Skier und Bindung, bereits für 300 Euro. Nicht selten blättern die Kunden aber 500 Euro für ein Paar Stiefel hin. Aus gutem Grund: Sie erhalten individuell angepasste Modelle. Das ist für Kunden, Händler und Hersteller gleichermaßen attraktiv.

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Die Sportler können sicher sein, ohne Druckstellen an den Füßen über die Pisten zu jagen. Der Industrie wiederum gelingt es, höhere Preise zu erzielen. Zudem schaffen die Anbieter einen Grund für die Konsumenten, die Läden zu besuchen und nicht einfach beim billigsten Shop im Internet zu ordern.

In den Geschäften finden sich unterschiedliche Verfahren, die Stiefel zu personalisieren. Nordica etwa erwärmt die Schale mit einem Infrarot-Heizelement, um sie der Fußform der Kunden anzupassen. Den Innenschuh formen die Italiener in einem Ofen.

Die zweite wichtige Neuerung nennt sich „Grip Walk“. Skistiefel mit dieser Bezeichnung sind mit griffigen, abgerundeten Gummisohlen ausgestattet. So lässt sich einerseits leichter gehen, andererseits rutschen die Nutzer nicht mehr aus. „Der Handel ist froh über solche Innovationen“, unterstreicht Intersport-Manager Bielohoubeck.

Das Geschäft mit Skistiefeln ist trotzdem herausfordernd, vor allem für die Hersteller. Die Formen für ein neues Modell kosten Millionen. Immerhin besteht ein Skistiefel aus bis zu 350 Einzelteilen. Je nachdem, ob genügend Schnee fällt oder nicht, schwankt der Absatz von Saison zu Saison um bis zu 15 Prozent. „Wir gehen kräftig ins Risiko“, sagt Nordica-Manager Grilc.

Die Marken können mit der Produktion aber nicht warten, bis der Winter vorbei ist. Sie müssen ihre Werke das ganze Jahr über auslasten. So kommt es, dass im Nordica-Werk in Ungarn schon seit dem Spätsommer die Kollektion vom Band läuft, die 2019 im Herbst in die Läden kommt.

Knallharter Wettbewerb unter den Produzenten

Dieses Jahr ist die gesamte Industrie einigermaßen entspannt, denn der letzte Winter lief glänzend. „Nach der guten vergangenen Saison waren die Lager ziemlich leer“, sagt Intersport-Einkäufer Bielohoubeck. Das verspricht aus Sicht der Hersteller stabile Preise, weil die Händler keine Vorjahres-Ware haben, die sie unbedingt losschlagen müssen.

Es herrscht jedoch ein knallharter Wettbewerb unter den Produzenten, ein halbes Dutzend Marken drängt sich in einem mehr oder weniger stagnierenden Markt. Der Konkurrenzkampf könnte in den nächsten Jahren sogar noch zunehmen.

Denn der chinesische Sportkonzern Anta will in diesen Tagen für viereinhalb Milliarden Dollar die Amer-Gruppe schlucken, den weltgrößten Ski- und Skischuhproduzenten. Den Finnen gehören unter anderem die weltweit führenden Marken Atomic und Salomon.

In der Volksrepublik steht das Skifahren weit oben auf der politischen Agenda. In Peking finden die Olympischen Winterspiele 2022 statt und das Land hat sich fest vorgenommen, den Sport durch viele neue Skigebiete zu fördern. Gelingt die Übernahme von Amer durch Anta, hätten Atomic und Salomon einen bevorzugten Zugang zum boomenden chinesischen Markt.

Amer ist schon heute der einzige Großkonzern, der Skier und Skistiefel im Programm hat. Die anderen Konkurrenten sind wesentlich kleiner. Nordica und Blizzard gehören zum italienischen Familienunternehmen Tecnia. Head und Fischer sind mittelständische Betriebe aus Österreich. Völkl stammt aus Straubing, gehört einem auf mittelständische Firmen spezialisierten US-Finanzinvestor und verkauft seine Stiefel unter dem Label Dalbello. Rossignol ist die Hausmarke der Franzosen, ihre Skischuhe stehen unter dem Namen Lange in den Regalen.

Decathlon unterbietet die etablierten Hersteller

Der Sportdiscounter Decathlon verschärft noch den Wettbewerb, denn die Franzosen expandieren mit ihren Filialen weltweit und auch in Deutschland. Bis vor zwei, drei Jahren war die Familienfirma nur in einigen wenigen Orten hierzulande vertreten. Ende des Jahres wird Decathlon aber rund 60 Sportsupermärkte zwischen Nordsee und Alpen betreiben.

Der Konzern bietet Skiausrüstung seiner Eigenmarke Wed’ze an, und zwar zu Preisen, die deutlich unter denen der etablierten Hersteller liegen. Die günstigsten Skischuhe sind bei Decathlon schon für 90 Euro zu bekommen.

Viele Kunden bevorzugen ihre eigenen Skischuhe. Quelle: Vito Alberto Amendolara
Herstellung der Schuhe

Viele Kunden bevorzugen ihre eigenen Skischuhe.

(Foto: Vito Alberto Amendolara)

Um sich von solchen Billigangeboten langfristig abzusetzen, experimentieren Firmen wie Nordica längst mit Elektronik in den Stiefeln. Sensoren könnten schon bald erfassen, wie sich die Skifahrer bewegen. Über eine App würden die Athleten dann Tipps bekommen, wie sie die Hänge besser herunterkommen. Wann ein solches System serienreif ist, das ist jedoch noch völlig offen.

Mitunter tragen die Kunden freilich Wünsche an die Hersteller heran, mit denen diese ganz und gar nicht gerechnet haben. Aus Kalifornien kämen wiederholt Anfragen, ob Kinder-Skistiefel vegan seien, heißt es bei Nordica. Der Hersteller kann die Eltern in jedem Fall beruhigen: Die Schuhe enthalten keinerlei tierische Bestandteile.

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