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Staatskonzern Gewinn der Deutschen Bahn bricht ein – und der Schuldenberg wächst weiter

Baustellen, Investitionen in neue Züge und steigende Kosten für Personal und Energie drücken den Gewinn der Bahn. Dabei hat Bahnchef Lutz Großes versprochen.
Update: 26.07.2019 - 08:27 Uhr 1 Kommentar
Vor allem die seit Jahren kriselnde Güterbahn bereitet dem Konzern Probleme. Quelle: Reuters
Deutsche-Bahn-Logos am Mainzer Hauptbahnhof

Vor allem die seit Jahren kriselnde Güterbahn bereitet dem Konzern Probleme.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Über mangelndes Wachstum kann die Deutsche Bahn nicht klagen – allerdings wächst nicht nur der Umsatz, sondern auch die Verschuldung. Obwohl der Berliner Staatskonzern im ersten Halbjahr 2,2 Prozent mehr Umsatz erwirtschaftete und im Fernverkehr für 2019 mit 150 Millionen Fahrgästen einen Rekord anpeilt, ging es mit den Nettofinanzschulden steil bergauf.

Bedenklich ist zudem: Selbst nach den alten, inzwischen überarbeiteten Bilanzierungsregeln hat die Bahn zur Jahresmitte bereits netto 21,1 Milliarden Euro Schulden gemacht – und damit um 0,7 Milliarden Euro mehr, als es der Haushaltsausschuss des Bundestags mit seiner Schuldenobergrenze erlaubt. Die nämlich hatten die Parlamentarier auf 20,4 Milliarden gesetzt.

Nach der neuen Bilanzierung sind die Nettofinanzschulden sogar noch höher: Gegenüber dem Vorjahreswert gingen sie demnach sogar um 30 Prozent auf 25,4 Milliarden Euro nach oben. Spätestens seit dem Jahreswechsel sind Konzerne dem International Financial Reporting Standard (IFRS 16) zufolge verpflichtet, auch den Barwert ihrer betrieblichen Leasingverpflichtungen als Finanzschulden auszuweisen.

Konsequenzen daraus erwartet Bahn-Finanzvorstand Alexander Doll aber nicht. Der Haushaltsausschuss habe die neuen Bilanzierungsregeln berücksichtigt, erklärte er. Die Bahn sei derzeit exakt auf der Verschuldungsobergrenze.

Im Haushaltsausschuss gibt es dafür keine Bestätigung. „An der Obergrenze hat sich nichts geändert“, heißt es im Büro von Eckhardt Rehberg, haushaltspolitischer Sprecher der Unionsfraktion.

Zielmarke im Fernverkehr: 260 Millionen Fahrgäste

Doch nicht nur die Schulden sind ein Problem der Bahn, die Ertragslage ist ebenfalls desolat. Zahllose Baustellen, Investitionen in neue Züge, aber auch steigende Kosten für Personal und Energie drückten das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im ersten Halbjahr 2019 erheblich.

Bereinigt um Sondereffekte sank es um 22 Prozent auf 757 Millionen Euro. Das Nettoergebnis brach sogar um knapp zwei Drittel auf 205 Millionen Euro ein.

Dabei hat Bahnchef Richard Lutz Großes vor, wie er es vor einem Monat in seinem Strategiepapier „Starke Schiene“ präsentierte. Die Fahrgastzahl im Fernverkehr will er auf 260 Millionen verdoppeln, im Nahverkehr eine Milliarde hinzugewinnen. In welchem Zeitraum das gelingen soll, dazu macht die Bahn keine Angaben. Die Zahl der Züge der ICE- und IC-Flotte will 600 Züge verdoppeln und in den nächsten Jahren weitere 100.000 Mitarbeiter einstellen.

Selbst dem darbenden Schienengüterverkehr hat er ein Transportplus von 70 Prozent verordnet – wenn auch ohne einen Zieltermin zu nennen.

Selbst an die Umwelt denkt der Bahnchef. 2038 soll sein Unternehmen komplett mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden – zwölf Jahre früher als ursprünglich geplant.

Doch schon jetzt ist der Ausbau des Konzerns nur noch durch neue Schuldenaufnahme zu bezahlen. Den Nettoinvestitionen der Bahn von 2,35 Milliarden Euro standen im ersten Halbjahr 2019 gerade einmal Mittelzuflüsse aus dem operativen Geschäft von 1,39 Milliarden gegenüber. Zudem stieg die Nettofinanzverschuldung auf das 6,1-fache des Ertrags vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und damit auf einen Wert, der dem Doppelten des ursprünglichen Ziels entspricht.

„Die Kapitalmärkte haben weiterhin großes Vertrauen in die DB“, sagte Finanzvorstand Doll. Trotz der reduzierten Halbjahresergebnisse werde es im Gesamtjahr außerdem bei dem angepeilten Betriebsgewinn von 1,9 Milliarden Euro bleiben.

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1 Kommentar zu "Staatskonzern: Gewinn der Deutschen Bahn bricht ein – und der Schuldenberg wächst weiter"

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  • Die Bahn ist in den letzten ca. 20 Jahren ausgeblutet. Nach meinem Wissensstand hat die Bahn in der Vergangenheit Gewinne an den Haushalt abgeführt. (Falls das so nicht stimmen sollte, bitte korrigieren.) Dieses Geld muß heute aus dem Bundeshaushalt nachgeschossen werden. - Heute ist natürlich alles viel teurer. Herr Kohl läßt grüßen. Die Schuld liegt meiner Ansicht nach überwiegend bei der Bundesregierung und Herrn Mehdorn.

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