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Staatskonzern Machtkampf im Bahn-Vorstand: Finanzchef Doll bleibt vorerst

Der Aufsichtsrat der Bahn hätte an diesem Donnerstag wichtige Entscheidungen treffen müssen. Aber nur die neue Cargo-Vorständin Sigrid Nikutta wurde bestellt. 
Update: 07.11.2019 - 17:37 Uhr 1 Kommentar
Zwischen den beiden Bahn-Managern tobt ein Machtkampf. Quelle: imago images / Jens Schicke
Finanzchef Alexander Doll (links) mit Konzernchef Richard Lutz

Zwischen den beiden Bahn-Managern tobt ein Machtkampf.

(Foto: imago images / Jens Schicke)

Düsseldorf Das Chaos um den Umbau des Vorstands der Deutschen Bahn nimmt kein Ende. Auch nach der entscheidenden Aufsichtsratssitzung am Donnerstag bleibt die Lage verworren. Im Vorfeld war über die Entlassung von Finanzchef Alexander Doll spekuliert worden. Nun bleibt er. Eine Sondersitzung des Aufsichtsrats soll sich in zwei Wochen erneut mit der Personalie befassen.

Vorgespräche dauerten so lange, dass der Beginn der Aufsichtssitzung auf 15 Uhr verschoben werden musste. Trotzdem blieben am Ende viele Fragen offen. Auch der Fall des Personalvorstands Berthold Huber ist ungeklärt wie die Frage, wann und ob die Auslandstochtergesellschaft Arriva verkauft werden soll.

Hintergrund ist ein Machtkampf zwischen Bahn-Chef Richard Lutz und Infrastrukturchef Ronald Pofalla auf der einen und Finanz- und Güterverkehrschef Doll auf der anderen Seite. Huber könnte noch über die Berateraffäre stolpern.

Dem ehemaligen Investmentbanker Doll wird vorgeworfen, sich nicht hinreichend um die Sanierung der Güterverkehrstochter DB Cargo gekümmert und den geplanten Verkauf der Auslandstochter Arriva verpatzt zu haben. Das sehen allerdings nicht alle Beteiligten im letztlich entscheidenden Aufsichtsrat so. Deshalb gab es auch keine Einigung über eine sofortige Entlassung.

Der 48-Jährige findet Unterstützung unter anderem im Gewerkschaftslager, aber auch bei Vertretern der Eigentümerseite im Aufsichtsrat. Doll selbst will auf keinen Fall seinen Posten aufgeben. Allerdings habe er sowohl bei Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wie auch bei Aufsichtsratschef Michael Odenwald keine Rückendeckung mehr, heißt es in Kreisen des Aufsichtsrats. 

Die Situation war eskaliert, als Bahn-Chef Richard Lutz seinen Doppelvorstand Doll vor zwei Wochen drängte, ausgerechnet die Finanzverantwortung aufzugeben. Die hatte Doll im Januar zusätzlich von Lutz übernommen, der das Ressort Finanzen seit 2010 verantwortet hatte.

Doll war im Frühjahr 2018 als Güterverkehrsvorstand zur Bahn gekommen. Seine Unterstützer halten Konzernchef Lutz vor, dass die Probleme bei Cargo lange bekannt seien und auch die Schwierigkeiten mit Arriva Doll nicht allein angehängt werden könnten.

Arriva-Verkauf wird verschoben

Im Zuge des geplanten Verkaufs stellte sich heraus, dass die britische Tochtergesellschaft bei Weitem nicht so viel wert ist wie erhofft. Statt der avisierten bis zu vier Milliarden Euro dürfte als Verkaufserlös ein deutlich geringerer Betrag hereinkommen. Arriva hat 1,9 Milliarden Euro Schulden und 432 Millionen Euro Pensionslasten in der Bilanz.

Jetzt fiel noch auf, dass auf einige Verkehrsverträge möglicherweise Wertberichtigungen vorgenommen werden müssen. Arriva könnte am Ende nicht einmal die 1,8 Milliarden Euro Kaufpreis plus 900.000 Millionen Euro Schuldenübernahme einspielen, die die Deutsche Bahn vor einem Jahrzehnt für das Unternehmen ausgegeben hat. All das müsste aber auch einem langjährigen Finanzchef Richard Lutz bekannt gewesen sein, heißt es zur Verteidigung von Doll.

Der Aufsichtsrat wollte sich in seiner außerordentlichen Sitzung eigentlich mit dem Thema Arriva beschäftigen. Der Verkauf ist jetzt erst einmal ins nächste Jahr geschoben.

Personalfragen dominieren

So dominieren Personalfragen die Sitzung am Donnerstagnachmittag. Das Gremium soll nun Sigrid Nikutta, die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, zur neuen Güterverkehrsvorständin berufen.

Warum Doll noch vor wenigen Tagen dazu gedrängt worden war, sich auf genau diese Position zu konzentrieren, ist bis heute unklar. Eine Erklärung könnte allenfalls nach Einschätzung von Aufsichtsräten darin liegen, dass Bahn-Chef Lutz die Berufung Nikuttas in den Konzernvorstand verhindern wollte.

Nun soll die 50-Jährige sogar eine Doppelfunktion einnehmen: Sie wäre zugleich Vorstandsvorsitzende der Tochter DB Cargo wie auch Mitglied im Konzernvorstand. Diese Konstruktion war schon einmal vor einem Jahr vorgeschlagen worden – auch für den Personenverkehr.

Die Personalie Berthold Huber gerät bei diesem Gerangel beinahe an den Rand. Der für den Personenverkehr verantwortliche Manager ist der einzige aktive Bahn-Vorstand, der auch einen der rund 30 umstrittenen Beraterverträge unterschrieben hatte, ohne den Aufsichtsrat zu informieren. Das hätte er nach dem Aktienrecht allerdings tun müssen.

Der Aufsichtsrat kann es nun bei einer Ermahnung belassen oder auch schärfere Maßnahmen ergreifen. Die Gewerkschaft GdL hat bereits die Abberufung Hubers gefordert. Die Entscheidung ist offensichtlich wegen der Turbulenzen um den Vorstandsumbau noch einmal verschoben. 

Mehr: Der Vorstand des Staatskonzerns gerät weiter unter Druck: Ein Bericht zeigt, dass die Bahn in mehreren Bereichen die eigenen Ziele deutlich verfehlt.

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