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Start-up Bobbie will den Baustoffhandel digitalisieren

Der Handel mit Baustoffen ist heute selten digital. Der Händler Bobbie will das ändern – und bei Preisen transparenter sein als die Konkurrenz.
21.01.2021 - 15:18 Uhr Kommentieren
Der Handel mit Baustoffen findet in Deutschland noch weitgehend analog statt. Quelle: dpa
Baustelle

Der Handel mit Baustoffen findet in Deutschland noch weitgehend analog statt.

(Foto: dpa)

München Fast alles kann man heute im Internet bestellen. Die Baubranche allerdings ist in der Beschaffung noch vergleichsweise gering digitalisiert. Das Start-up Bobbie ist angetreten, das zu ändern. „Wir wollen den Baustoffhandel aus der digitalen Steinzeit holen“, sagt Mitgründer Alexander Gran.

Knapp vier Jahre nach der Gründung bereitet Bobbie nun die bislang größte Finanzierungsrunde vor, mit der das Geschäft groß ausgerollt werden soll. Das Interesse bei den Investoren ist laut Mitgründer Tim Kuhlmann (38) groß. Im vergangenen Jahr hatte die Firma in einer Seed-Finanzierung bereits einen Millionenbeitrag eingesammelt.

Das Geschäft wächst seither mit dreistelligen Wachstumsraten. Im vierten Quartal machte Bobbie laut Kuhlmann mehr Umsatz als in der gesamten noch jungen Unternehmensgeschichte zuvor.

Noch liegen die Erlöse laut Branchenschätzungen im einstelligen Millionenbereich. Doch die beiden Gründer sind überzeugt, dass Milliardenumsätze möglich sind. „Wir legen uns mit den ganz Großen in der Branche an“, sagt der 36-jährige Gran. „Das funktioniert nicht, wenn wir klein bleiben.“

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    Der Baustoffhandel ist meist noch sehr lokal organisiert. Bei den Preisen herrscht wenig Transparenz. Bobbie will nun die Beschaffungsprozesse digitalisieren und verspricht hohe Preistransparenz und den Verzicht auf Boni und Sonderkonditionen. Das Unternehmen organisiert zudem den Transport vom Hersteller zum Kunden, egal, ob es um einen Sack Mörtel oder einen Lastwagen voller Pflastersteine geht.

    Logistikkosten sollen transparent werden

    „Die Logistikkosten machen in unserer Branche oft bis zu 50 Prozent aus“, sagt Kuhlmann. Bei Bobbie sehe der Kunde in Echtzeit, wie viel diese ausmachen, und müsse nicht drei Tage auf ein Angebot warten. Große Baukonzerne können über Bobbie Bestellungen vollautomatisch vornehmen.

    Bobbie sieht sich nicht primär als Onlineshop. Es gehe darum, die Prozesse in der konservativen Branche zu digitalisieren. Da nicht alle auf dem gleichen Stand seien, nehme man genauso Bestellungen per Telefon oder Fax entgegen. Kunden wie Hersteller können an die digitalen Schnittstellen andocken, das Start-up bringt Nachfrage und Angebot zusammen.

    Kuhlmann kam aus der Baubranche, schon sein Großvater war Baustoffhändler, er selbst war Geschäftsführer einer Pflasterstein-Firma in der Oberpfalz. Er sei überzeugt gewesen, dass die Prozesse in der Baustoffhandelsbranche effizienter gemacht werden müssten, sagt er. So tat er sich mit dem IT-Experten Gran zusammen, der zuvor unter anderem Software für den öffentlichen Nahverkehr entwickelt hatte.

    Schon als der Online-Auftritt noch in der Testphase war, gingen die ersten Bestellungen ein. 120 Baustoffhersteller wickeln inzwischen Geschäfte über die Plattform ab. Kürzlich wurde eine exklusive Kooperation mit der Bamaka vereinbart, der nach eigenen Angaben größten Einkaufsgesellschaft der Bauwirtschaft. Die übliche Bestellung bei Bobbie hat inzwischen ein Volumen von 3000 Euro mit stark steigender Tendenz. „Dadurch ist es viel einfacher als im Online-Einzelhandel, schnell groß zu werden“, sagt Gran.

    Stephan Langkau (l.), Alexander Gran (M.) und Tim Kuhlmann wollen die Beschaffungsprozesse im Baugewerbe digitalisieren. Quelle: Bobbie
    Die Bobbie-Geschäftsführer

    Stephan Langkau (l.), Alexander Gran (M.) und Tim Kuhlmann wollen die Beschaffungsprozesse im Baugewerbe digitalisieren.

    (Foto: Bobbie)

    Die Baubranche insgesamt ist noch vergleichsweise wenig digitalisiert. „Gebaut wird heute oft ähnlich wie vor 100 Jahren“, sagt McKinsey-Partner Jan Mischke dem Handelsblatt. Während viele andere Sektoren durch digitale Technologien deutlich produktiver geworden seien, hinke die Bauwirtschaft mit jährlich nur rund einem Prozent Produktivitätszuwachs in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich hinterher.

    Inzwischen aber beginnt sich das zu ändern. Start-ups bringen das Internet der Dinge auf die Baustellen – so sollen die Abläufe und die Maschinennutzung ähnlich wie in der Industrie 4.0 optimiert werden.

    Bobbie setzt nun beim Baustoffhandel an. Dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel zufolge kommt die Branche auf knapp 15 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Auf den Onlinehandel entfallen davon laut Statista nur 230 Millionen Euro. Rechnet man zum Beispiel die Baumärkte mit ein, kommt die Branche laut Schätzungen auf Umsätze von mehr als 80 Milliarden Euro.

    Das Digitalisierungspotenzial ist in allen Teilen der Wertschöpfungskette groß. In der Baubranche insgesamt, die derzeit weltweit elf Billionen Dollar Wertschöpfung generiert, könnten laut einer McKinsey-Studie die jährlichen Gewinne mithilfe der Digitalisierung innerhalb von 15 Jahren um bis zu 265 Milliarden Dollar im Jahr gesteigert werden.

    Doch das Unternehmen hat starke Konkurrenten wie die Hagebau- und die Eurobaustoff-Gruppe. Alle treiben die Digitalisierung voran. Die Baywa zum Beispiel steigerte den Umsatz im Baustoff-Segment in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres um mehr als zehn Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Der Onlinehandel und die digitale Plattform hätten sich positiv entwickelt, „da die Kaufbereitschaft über digitale Wege zunimmt“, hieß es.

    Im Onlineportal der Baywa können die Kunden die Ware zur Lieferung an die eigene Adresse bestellen oder zu Abholung im nächsten Markt. So sollen digitale Märkte und stationäre Läden verknüpft werden. Ein Bauunternehmer aus Erfurt könne für eine Baustelle im 300 Kilometer entfernten Dietfurt (Oberpfalz) einen Markt für die Bestellung heraussuchen, der auf dem Weg liegt und alle benötigte Ware vorrätig habe, nennt die Baywa ein Beispiel.

    Viel Konkurrenz im Baustoffhandel

    Der Onlinehandel mit Baustoffen müsse beides sein, sagte Baywa-Geschäftsleiter Steffen Mechter dem Handelsblatt, „innovativ, um den Kunden das digital Mögliche bieten zu können, und traditionell geerdet, um die Leistung exakt so erbringen zu können, wie es der Kunde entsprechend seinen Anforderungen und Prozessen braucht“. Der Onlinehandel müsse sich also nach dem Kunden richten und nicht umgekehrt.

    Auch sonst gibt es reichlich Wettbewerber. So betreibt die Na-Log GmbH, die 23 mittelständische Baustoffhändler als Gesellschafter hat, den Internethändler baustoffshop.de. Hinzu kommen Baumärkte wie Hornbach mit eigenen Online-Auftritten.

    Doch Gran und Kuhlmann sind überzeugt, dass sie sich gegen die Großen durchsetzen können. Die etablierten Anbieter versuchten, ihre bestehenden Geschäftsmodelle in die digitale Welt hinüberzuretten, sagt Gran. Doch die Prozesse müssten ganz neu gedacht werden, das könne ein Unternehmen von außen besser.

    Entscheidend wird es sein, ob Bobbie die traditionellen Hersteller für sich gewinnen kann. „Am Anfang hat sich keiner getraut, mit uns zu arbeiten“, sagt Kuhlmann. Schließlich hätten auch die etablierten Baustoffhändler bei ihren Geschäftspartnern Druck gemacht. „Doch inzwischen hat sich der Wind komplett gedreht.“

    Mehr: In der Coronazeit treiben auch die Immobilienverwalter die Digitalisierung voran.

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