Start-up: Happybrush drängt in den Handel
Das Start-up will eine nachhaltige Alternative zu den etablierten Anbietern sein.
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Für die noch junge Marke Happybrush ist es ein wichtiger Meilenstein. Seit dieser Woche sind die elektrischen Zahnbürsten auch in den 2250 Filialen von Rossmann erhältlich. Damit hat das Start-up nicht nur die großen Drogerieketten dm, Müller und Rossmann von seinen Produkten überzeugt, sie sind jetzt bei mehr als 40 Vertriebspartnern in 15.000 Geschäften verfügbar.
„Wir sehen, dass wir aus der Nische rauswachsen“, sagt Stefan Walter, der das Unternehmen 2016 mit Florian Kiener gegründet hat. 14 Millionen Produkte hat das Start-up seitdem verkauft. „Sicherlich gibt es noch Potenziale, zum Beispiel im Elektrofachmarkt“, räumt er ein. Aber in den Drogerien habe Happybrush schon ein großes Sortiment und einen flächendeckenden Vertrieb.
Dass sich Happybrush im Markt durchsetzen kann, war noch vor einiger Zeit nicht abzusehen. Denn das Start-up kämpft gegen übermächtige Gegner – und wurde ausgerechnet durch einen geplatzten Deal bekannt.
Im Jahr 2017 stellten Walter und Kiener ihre Idee einer nachhaltigeren Alternative zu den herkömmlichen Elektrozahnbürsten in der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ vor. Nach anfänglicher Kritik konnten sie Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel zunächst von einem Investment überzeugen. Doch eine Beteiligung kam nie zustande – die Vorstellungen lagen zu weit auseinander.
Doch die Gründer ließen sich nicht entmutigen – auch nicht dadurch, dass sie beim ersten Vergleichstest der Stiftung Warentest zunächst auf dem letzten Platz landeten. „Wir haben ein kapitalintensives Produkt, deshalb sind wir bewusst sehr schlank gestartet“, erinnert sich Walter. In der ersten Runde mit den Business-Angels hatten sie darum zunächst eine niedrige sechsstellige Summe eingesammelt und dann ein Produkt entwickelt, das sie dann relativ schnell am Markt erprobten.
Start-up Happybrush: Nachhaltigkeitspreis für Bürsten aus Holzfaserresten
Überzeugen konnten sie die ersten Investoren, darunter die Gründer des Matratzenunternehmens Emma, Manuel Müller und Dennis Schmoltzi, aber in erster Linie mit ihrem unternehmerischen Elan. „Für uns ist das Gründerteam entscheidend“, betont Müller. „Wir haben viele Fähigkeiten und Ähnlichkeiten zu uns als Gründern gesehen, die Florian und Stefan erfolgreich machen.“
Vor gut zwei Jahren konnten die Happybrush-Gründer die BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft und das Familienunternehmen Haniel als Partner gewinnen und in der Series-A-Runde Kapital in Höhe von vier Millionen Euro einsammeln. Seitdem nimmt die Expansion Fahrt auf. Neben der Direktvermarktung über digitale Kanäle ist die Marke seitdem auch präsenter in den Regalen von stationären Händlern. Dass Rossmann die Produkte nun auch ins stationäre Angebot aufnimmt, verstärkt das weiter. Schließlich ist der Händler mit 2250 Filialen die größte Drogeriekette in Deutschland. Entsprechend erhöht sich für das Start-up die Sichtbarkeit der Marke in der Fläche und damit die Bekanntheit.
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In der Nische hat der neue Herausforderer mittlerweile großen Erfolg, weil sich die Marktführer Philips und Oral B in ihrem Duopol offenbar bequem eingerichtet haben. „Die Produkte waren aus unserer Sicht zu wenig nachhaltig und technologisch zu wenig zeitgemäß und auch zu teuer“, sagt Walter. Das habe einem Herausforderer, der den Markt aufmischt, gute Bedingungen geboten.
Die Happybrush-Gründer spenden für jedes verkaufte Produkt Wasser für Menschen in Not in Afrika.
Foto: HandelsblattIhr Vorteil: Beide Gründer hatten zuvor beim Konsumgüterriesen Procter & Gamble im Produktmanagement für die marktführende Marke Oral B gearbeitet. „Durch unsere Tätigkeit kannten wir den Markt sehr gut, wir wussten, was die Verbraucher wünschen und was die Trends sind.“
Was sie unter anderem von den Marktführern unterscheidet: Das Handstück und die Ladestation bestehen komplett aus recyceltem Kunststoff, die Wechselbürsten stellen sie aus Holzfaserresten her. Verpackt werden sie in Karton- statt in Blisterverpackungen. Damit gehörte Happybrush zu den Finalisten beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis Design 2022.
Happybrush erreicht Note „gut“ bei Stiftung Warentest
Ergänzt werden die elektrischen Zahnbürsten um weitere Produkte wie Zahnpasta und Mundspülung. Bei der Erweiterung des Sortiments nutzen die Unternehmen den unmittelbaren Kunden, den sie als digitale Marke haben. „Wir haben sehr engen Kontakt über Newsletter und WhatsApp und bekommen über Social Media ein sehr direktes Feedback, das wir für die Verbesserung der Produkte und für die Entwicklung nutzen“, berichtet Walter.
Außerdem spendet das Start-up für jedes verkaufte Produkt Geld an Trinkwasserprojekte in Malawi – 0,6 Cent pro Packung Zahnseide, 4,2 Cent bei den Aufsteckbürsten. „Uns war schon bei unserer Gründung auch der soziale Aspekt wichtig“, sagt Walter. Partner dafür ist die Hilfsorganisation Plan International. „Bisher sind über 500 Millionen Liter Wasser zusammengekommen, umgerechnet ist das ein sechsstelliger Spendenbetrag“, sagt der Gründer.
Mittlerweile kann Happybrush auch bei den Produkttests mithalten. Die Schall-Zahnbürste Vibe 3 bekam von Stiftung Warentest die Note „gut“. Die rotierende Zahnbürste R2 und das Kindermodell der Eco Vibe 3 wurden von Ökotest mit „sehr gut“ beurteilt.
Das Unternehmen macht jetzt mit 30 Mitarbeitern einen achtstelligen Umsatz. Wichtig war den Gründern auch, mit dem eingesammelten Kapital sparsam umzugehen. „Klar, wir wollten wachsen, aber von Anfang an war es das Ziel, so schnell wie möglich profitabel zu sein“, betont Walter. „Im Jahr 2020 ist unser Ebit das erste Mal positiv gewesen.“
Im nächsten Schritt wollen die Gründer ein „digitales Ökosystem rund um die Mundpflege“ schaffen. Grundlage ist eine smarte Zahnbürste mit einer App, die schon seit ein paar Jahren in der Planung ist und nun im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll. „Das kann man ergänzen mit der Möglichkeit, Zahnarzttermine über die App zu buchen oder Zahnzusatzversicherungen zu kaufen“, erklärt Walter.