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Start-up Vidar-Sport fordert Nike und Adidas mit Shirts und Shorts aus Holzfasern heraus

Zwei Frankfurter Unternehmer haben Sportmode aus Holzfasern entwickelt. Den großen Sportkonzernen werfen die Gründer Rouven Kneipp und Christoph Behroz „Greenwashing“ vor.
25.01.2021 - 15:06 Uhr Kommentieren
Der Stoff der Textilien besteht komplett aus Holzfasern. Quelle: Vidar-Sport
Shirts von Vidar-Sport

Der Stoff der Textilien besteht komplett aus Holzfasern.

(Foto: Vidar-Sport)

München In der nordischen Mythologie ist Vidar der Gott des Waldes und ein großer Krieger. Für Rouven Kneipp und Christoph Behroz lag es nahe, ihr Start-up Vidar-Sport zu nennen. Denn mit Shirts und Shorts aus Holzfasern wollen sie sich gegenüber den Großen in der Sportindustrie behaupten.

„Es gibt viele Marken, die sich nachhaltig geben, es aber nicht sind“, behauptet Behroz. Die weltweit führenden Sportkonzerne Nike, Adidas und Puma würden die Athleten mit „Greenwashing“ blenden, kritisiert der 35-Jährige. Die Jungunternehmer aus Frankfurt wollen es besser machen.

Kern ihres Vorhabens sind T-Shirts und Tops, die sie aus Tencel herstellen. Das ist ein Stoff der österreichischen Firma Lenzing, der komplett aus Holzfasern besteht. Tencel sei extrem leicht, robust und atmungsaktiv, erläutert Behroz. Dazu hemme die Naturfaser die Geruchsbildung beim Schwitzen und sei natürlich abbaubar. Produziert würde zu fairen Bedingungen in Portugal. „Nachhaltig und einfach gut“ seien die Sportklamotten, meint Behroz.

Gerade sind Behroz und Kneipp, 33, dabei, die erste Charge zu verkaufen. 1000 Teile hatten sie bestellt und mit ihrem Erspartem bezahlt. Investoren sind bisher keine an Bord. Es ist eine Menge, über die sie in Herzogenaurach, der Heimat von Adidas und Puma, nur schmunzeln können. Der Dax-Konzern Adidas setzt weltweit jede Minute rund 1000 Textilien ab.

Aber die beiden Hessen liegen mit ihren Ideen im Trend. Auch andere junge Unternehmer drängen mit nachhaltigen Produkten in die Läden. Der schwäbische Sportstudent Nico Russ etwa versucht es gerade mit Laufschuhen.

Nach einem Tennismatch kamen die Gründer auf ihre Geschäftsidee. Quelle: Vidar-Sport
Christoph Behroz (links) und Rouven Kneipp

Nach einem Tennismatch kamen die Gründer auf ihre Geschäftsidee.

(Foto: Vidar-Sport)

Was bei Fußballschuhen die Schraubstollen, das sind bei ihm zehn runde, münzgroße Module in der Sohle. Mit einem Spezialschlüssel sind sie austauschbar, wenn sie abgelaufen sind oder der Nutzer das Terrain wechselt. So sollen sie deutlich länger halten als herkömmliche Schuhe.

Mit Infinite Running hat es der 26-jährige Russ immerhin schon in die Regale einiger Sportgeschäfte im Südwesten gebracht. Die Vidar-Gründer vertreiben ihre Bekleidung im eigenen Internet-Shop sowie über Avocadostore, einen Online-Marktplatz für Ökomode.

Die Sportkonzerne weisen die Vorwürfe, dass sie mit wenigen Ökoprodukten ihr Image aufpolieren, entschieden zurück. Gerade erst teilte Adidas-Chef Kasper Rorsted mit, die Marke mit den drei Streifen habe vergangenes Jahr in 60 Prozent ihrer Produkte nachhaltige Materialien eingesetzt. Das reiche von nachhaltig angebauter Baumwolle bis hin zu recyceltem Polyester.

Adidas bringt Schuh aus Pilzleder heraus

Alles Augenwischerei, ärgert sich Behroz. Denn Polyester sei letztlich nichts anderes als Plastik, ob wiederverwertet oder nicht. Das gebe bei jeder Wäsche Mikroplastik ins Wasser ab, „welches letztendlich in der Natur und damit auch unserem Grundwasser landet“. Zudem werde die Ware „irgendwo in Südostasien gefertigt und fliegt um den halben Globus, bevor sie bei uns ankommt“.

Adidas dürfte Vidar-Sport bald jedoch auf deren ureigenstem Terrain Konkurrenz machen: bei den natürlichen Materialien. Ende 2021 will der Konzern erstmals einen Schuh aus Pilzleder in die Läden bringen. Damit nicht genug: Nach jahrelangen Tests vertreibt Adidas bald in großem Stil einen vollständig wiederverwertbaren Turnschuh.

Weltmarktführer Nike preschte vergangenes Jahr mit einer Schuhkollektion vor, die zu großen Teilen aus Abfällen aus den Fabriken des Labels besteht: weggeworfenen Fäden, Stofffetzen, aufgearbeiteten Sohlen, alten Plastikflaschen.

Für die beiden Macher von Vidar-Sport geht es jetzt darum, möglichst schnell bekannt zu werden. „Meist scheitern Marken am Marketing“, erläutert Behroz. Er muss es wissen, schließlich arbeitete er zehn Jahre lang für Werbeagenturen, ehe er ins Marketing des Energiedienstleisters Techem wechselte. Bei dem Konzern verdient er bis heute sein Geld, denn das kleine Sportlabel trägt sich noch bei Weitem nicht selbst.

Als Nächstes wollen die Partner nun zusätzlich einen ökologisch korrekten Hoodie sowie Shorts anbieten. Je besser das Geschäft läuft, desto weniger Zeit bleibt ihnen allerdings, um selbst Sport zu treiben. Was schade ist, denn ohne Tennis gäbe es das Start-up gar nicht. Es war nach einem Match, als Behroz und Kneipp in einer Eckkneipe die Gründung ihrer Firma beschlossen.

Mehr: Infinite Running: Sportstudent Russ will den boomenden Laufschuh-Markt erobern.

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