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Statistisches Bundesamt Immer mehr Biere, immer weniger Käufer: Den Deutschen vergeht der Bierdurst

Die deutschen Brauer kämpfen mit Überkapazitäten. Massenbiere sind stark rückläufig. Einzig Biermixgetränke, Landbiere und alkoholfreie Sorten legen zu.
Update: 01.08.2019 - 15:22 Uhr Kommentieren
Wurden 2010 laut Brauerbund 3,2 Milliarden Liter abgesetzt, waren es 2018 schon sechs Milliarden Liter – fast doppelt so viel. Quelle: dpa
Alkoholfreies Bier

Wurden 2010 laut Brauerbund 3,2 Milliarden Liter abgesetzt, waren es 2018 schon sechs Milliarden Liter – fast doppelt so viel.

(Foto: dpa)

Schmallenberg, Düsseldorf Bier ist ein sehr wettersensibles Produkt. Ist der Sommer verregnet, wird weniger gegrillt und getrunken. Umgekehrt gilt aber auch: „Gehen die Temperaturen Richtung 40 Grad, trinken die Leute eher Wasser als Bier“, sagt Christian Treiber, Konsumgüterexperte der Beratung OC&C. Nach dem Ausnahmejahr 2018 mit Fußball-WM und Dauergrillwetter schauen die deutschen Brauer wieder ernüchtert in die Zukunft.

Insgesamt schrumpfte der Bierabsatz in Deutschland im ersten Halbjahr laut Statistischem Bundesamt um 2,7 Prozent auf rund 4,6 Milliarden Liter (ohne Alkoholfreies).

Nun treten wieder die Grundprobleme der Braubranche zutage. „Der Bierkonsum ist in den letzten Jahren rückläufig, es gibt deshalb eindeutig Überkapazitäten am Markt“, sagt Treiber. Tranken die Deutschen 1980 noch rund 146 Liter pro Kopf, sind es heute nur noch 102 Liter, ermittelte der Deutsche Brauerbund. Denn immer mehr Menschen achten auf ihre Gesundheit und trinken weniger Alkohol.

Während Premiumbiere und Spezialitäten recht gut laufen, tun sich Massenbiere immer schwerer. So war beispielsweise Oettinger Pils selbst im Boomjahr 2018 rückläufig.

Bei Biermischungen mit Limonade, Cola oder Fruchtsäften gab es ein Minus von 1,5 Prozent. Gut vier Fünftel des gesamten Bierabsatzes entfallen auf den Verbrauch im Inland. Hier sank der Absatz um 2,7 Prozent auf 3,7 Milliarden Liter. Beim Export gab es einen Rückgang um 2,6 Prozent. Während es im Geschäft mit EU-Staaten ein Minus von rund sechs Prozent gab, kletterten die Exporte in Nicht-EU-Staaten wie USA und China um 1,7 Prozent.

„In der Bierbranche herrscht ein Preiskampf“

Niels Lorenz, Chef der Radeberger Gruppe, warnte die Branche schon im Januar vor falscher Euphorie. Verglichen mit den Absätzen 2016 hätten die deutschen Brauer sogar maßgeblich Absatz verloren. 2018 lag der Bierausstoß bei 93,5 Millionen Hektolitern. „Vertrocknete Lorbeeren sind kein gutes Ruhekissen“, kritisierte der Chef des Marktführers die Branche, die sich viel auf ihre Traditionsmarken einbilde.

Einzelnen Brauern gelang es trotzdem, im ersten Halbjahr ihren Absatz zu steigern. Warsteiner Biere etwa legten hierzulande um 3,1 Prozent zu. „Wir haben im Inland bereits im vergangenen Jahr sowohl im alkoholhaltigen als auch im alkoholfreien Segment deutlich an Marktanteilen gewonnen. Diese positive Entwicklung setzt sich auch 2019 fort“, sagt Christian Gieselmann, Sprecher der Geschäftsführung von Warsteiner. Ein Grund dürfte sein, dass Warsteiner anders als viele Wettbewerber eine Preiserhöhung aufgeschoben hat. Die soll jetzt im Oktober kommen.

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„In der Bierbranche herrscht ein Preiskampf“, beobachtet Berater Treiber. Schätzungsweise 60 Prozent der Biere würden als günstige Aktionsware im Handel verkauft. „Das zeigt die Schwäche vieler Biermarken, sie sind alle relativ austauschbar“, meint Treiber.

Unter den Biertrinkern gibt es laut Veltins-Chef Michael Huber einen erheblichen Anteil von „Zehn-Euro-Schein-Käufern“, die Sonderangebote nutzen. „Nicht jede Premiummarke wird den Preiswettbewerb durchstehen und ins mittelpreisige Segment absacken“, prophezeit er.

Statt sich fit für die Zukunft zu machen, setzen die deutschen Brauer immer nur auf Kostensenkungen und Fernsehwerbung, kritisiert Treiber. „Und die ist seit 20 Jahren gleich.“ Die großen Brauer seien weit weg von der jungen Generation Z und ihrem Biotop Social Media.

„Früher war Bier das Hauptgetränk, um in den Abend zu starten, heute gibt es andere In-Getränke wie Gin“, so Treiber. Einen Hype gibt es auch um Craft Beer, das lokal in kleinen Mengen gebraut wird. Dafür sind Bierfans bereit, tiefer in die Tasche zu greifen. Allerdings ist Craft Beer noch immer ein Nischenmarkt. Branchenkenner schätzen den Marktanteil auf unter ein Prozent.

Immer mehr Kleinst-Brauereien
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