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Stephan Fanderl Warenhaus-Chef Fanderl: Fusion mit Kaufhof zieht Karstadt in die roten Zahlen

Während die Gewerkschaft Verdi den Warenhauskonzern bestreikt, ringt Galeria Karstadt Kaufhof mit der Sanierung. Auch in diesem Jahr fällt ein hoher Verlust an.
19.12.2019 - 18:56 Uhr Kommentieren
Karstadt und Kaufhof: „Wir kämpfen um jeden einzelnen Standort“ Quelle: Nils Bröer für Handelsblatt
Stephan Fanderl

Der Chef von Galeria Karstadt Kaufhof kämpft gegen die Verluste.

(Foto: Nils Bröer für Handelsblatt)

Essen Der fusionierte Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof hat noch einen weiten Weg bis zur Sanierung. Wie Vorstandschef Stephan Fanderl im Interview mit dem Handelsblatt sagte, wird allein Karstadt in diesem Jahr einen Verlust von 78 Millionen Euro machen. Damit dürfte sich der Verlust für das Gesamtunternehmen wohl auf einen dreistelligen Millionenbetrag summieren.

„Wir haben viele verlustträchtige Einheiten früh im Jahr auf die Karstadt-Seite genommen und die Einsparungen eher auf der Kaufhof-Seite verbucht“, erklärt er. Die Sanierung sei auch belastet durch Altlasten, die vom früheren Kaufhof-Eigentümer Hudson’s Bay Company übernommen worden seien. So habe der kumulierte Verlust aus den vergangenen vier Jahren bei Kaufhof bei 600 Millionen Euro gelegen.

Insgesamt seien bis 2022 rund 380 Millionen Euro Einsparungen durch Synergien eingeplant. 130 Millionen Euro davon seien schon fürs nächste Geschäftsjahr gesichert in den Büchern. „Bis 2023 werden wir eine Umsatzrendite von zwei bis drei Prozent erreichen“, sagt Fanderl. Unterstützung gibt es auch von der Signa Holding des österreichischen Milliardärs René Benko. „Unser Gesellschafter investiert in die Neuausrichtung über 700 Millionen Euro“, so Fanderl. Dadurch seien Kaufhof und Karstadt heute schuldenfrei.

Gefährdet werde die Sanierung jedoch durch die aktuellen Streiks in den Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi. „Das ist in dieser wichtigen Phase wirklich schädlich und unverantwortlich“, warnt der Galeria-Chef. Das Unternehmen verhandelt mit Verdi über einen gemeinsamen Sanierungstarifvertrag für Kaufhof und Karstadt.

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    Die Streiks schlügen auch auf den Umsatz durch. „Wie hoch genau können wir noch nicht sagen, aber das wird im Dezember ein Minus produzieren. Das ist nicht einfach zu verkraften“, sagt Fanderl.

    Lesen Sie hier das gesamte Interview:

    Die Cyberweek ist vorbei, das Weihnachtsgeschäft liegt in den letzten Zügen. Wie ist das Geschäft in dieser wichtigen Zeit gelaufen?
    Die Cyberweek war sehr gut für uns. Die Fähigkeit, mit den Beständen in den Filialen den Kunden aus nächster Nähe ihre Onlinebestellungen zu liefern, ist ein unschlagbarer Vorteil. Mit dem Weihnachtsgeschäft bin ich eigentlich zufrieden, wenn man sich ansieht, wie die meisten Händler in der Innenstadt über Frequenzverlust klagen. Da schlagen wir uns ganz gut.

    Aber Sie wurden ja auch in dieser wichtigen Zeit bestreikt, hatte das keinen Einfluss?
    Das ist etwas, was mich wirklich ärgert. Wir hatten in der letzten Woche noch mal 60 Filialen mit Streikaufruf von Verdi, die wir trotzdem offenhalten konnten. Wir führen gerade Tarifverhandlungen für Karstadt und Kaufhof, die aus meiner Sicht wirklich in die richtige Richtung führen. Aber bei den Kunden soll offenbar der Eindruck erweckt werden, man könne in den Warenhäusern wegen des Streiks nicht einkaufen. Das ist in dieser wichtigen Phase wirklich schädlich und unverantwortlich.

    Aber es schlägt doch auf den Umsatz durch, oder nicht?
    Natürlich schlägt das durch, besonders auf der Kaufhof-Seite, auf der Karstadt-Seite haben wir ja einen Tarifvertrag. Wie hoch genau können wir noch nicht sagen, aber das wird im Dezember ein Minus produzieren. Das ist nicht einfach zu verkraften.

    Wie liegen Sie denn im Zeitplan mit der Zusammenführung von Karstadt und Kaufhof?
    Wenn man sieht, was in diesem Jahr passiert ist, wir sind mit dem Fortschritt dieser Fusion mehr als zufrieden. Wir betreten unternehmerisch totales Neuland. Einen Zusammenschluss zweier so großer innerstädtischer Händler hat in Deutschland noch niemand gemacht und erst recht nicht in dieser Geschwindigkeit. Wir haben seit Anfang Oktober fast 2200 Kassen und 7000 Drucker umgestellt, 2000 mobile Endgeräte für Onlinebestellungen in die Filialen gebracht, über 9000 Schulungen durchgeführt und am Ende 95 Kaufhof-Häuser auf eine neue Warenwirtschaft umgestellt. Wir haben mehr als 400 Einzelprojekte im Zeitplan ins Ziel gebracht, das macht mich stolz auf die ganze Mannschaft. Und es geht noch weiter. Natürlich müssen sich unsere Mitarbeiter an so viele und so schnelle Veränderungen gewöhnen. Ich kann wirklich verstehen, dass der eine oder andere sich damit noch schwertut.

    Wie hoch sind die Einsparungen konkret?
    Wir müssen im Hochlauf bis zum Jahr 2022 rund 380 Millionen Euro an Synergien heben durch Ergebnisverbesserung und Kosteneinsparungen. Die Grundlagen dafür legt man im ersten Jahr. Und das haben wir geschafft.

    Wie viel haben Sie schon gehoben?
    Abgesichert fürs nächste Geschäftsjahr sind bereits rund 130 Millionen Euro. Diese Effekte haben wir zum großen Teil bei Kaufhof geholt. Das Unternehmen haben wir von Hudson’s Bay Company mit kumulierten Verlusten aus den letzten vier Jahren von über 600 Millionen Euro übernommen. Die tragen wir nun ab, mit voller Kraft.

    Dafür haben aber auch viele Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren.
    Wir haben Kaufhof vor der sicheren Pleite bewahrt – das wird gerne vergessen. Und wir haben es geschafft, dass von vorher 16000 rund 13000 Beschäftigte von Kaufhof ihre Arbeit behalten haben. Zudem haben wir das in den Filialen sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Beendigungskündigungen geschafft.

    Welchen Beitrag leistet dazu der Eigentümer?
    Unser Gesellschafter investiert in die Neuausrichtung über 700 Millionen Euro. Dadurch sind Kaufhof und Karstadt heute schuldenfrei! Wir sind jetzt solide finanziert. In der Finanzierung stehen wir also wieder solide da. Die Gewerkschaften haben Hudson’s Bay als Heilsbringer bejubelt. Übrig geblieben war am Ende ein Berg von Schulden. Wir mussten diesen Kurs korrigieren. Das tun wir.

    Wie lang ist denn die Geduld des Eigentümers?
    Signa glaubt an die Zukunft des Handels in der Innenstadt. Sagen Sie mir einen Investor, der in Deutschland 700 Millionen Euro in die Sanierung eines Innenstadthändlers steckt. Das ist einmalig. Eins ist klar: Ohne die Signa gäbe es heute weder Karstadt noch Kaufhof.

    Aber an Gewinne ist in dieser Situation sicherlich nicht zu denken?
    Der Zusammenschluss mit all seinen Aufwendungen belastet auch Karstadt. Wir haben viele verlustträchtige Einheiten vom Kaufhof früh im Jahr auf die Karstadt-Seite genommen. Wesentliche Sanierungsaufwendungen haben wir auch bei Karstadt gelassen und die Einsparungen eher auf der Kaufhof-Seite verbucht. Das Ergebnis ist, dass dadurch Karstadt in diesem Jahr einmalig etwa 78 Millionen Euro Verlust machen wird. Das ist nicht überraschend. Man kann Karstadt heute nicht mit dem alleinstehenden Unternehmen vor dem Zusammenschluss vergleichen.

    War unter den Umständen der Kauf von Kaufhof wirklich eine gute Idee?
    Ja. Die beiden gehören zusammen. Gemeinsam erreichen wir nun im Umkreis von 15 Fahrminuten 80 Prozent der urbanen Bevölkerung. Das kann sonst niemand. Das war ein strategisch wichtiger Schritt. Die wirklich substanziellen Synergien kommen aus dem Zusammenschluss.

    Wann soll es wieder bessere Zahlen geben?
    Wir haben zunächst im stationären Geschäft nicht mit großen Umsatzzuwächsen geplant, aber mit erheblichen Verbesserungen in der Marge – durch Einkaufsvorteile und harmonisierte Beschlussprozesse. Wir setzen auf einen wachsenden Anteil des Onlinegeschäfts. Wir wollen auf einen Onlineumsatz & Cross-Channel von 500 Millionen Euro plus noch mal 500 Millionen Marktplatzgeschäft kommen. Auf eine Online-Plattform zu gehen war mutig, und wir sind mit Galeria.de erst seit acht Wochen am Markt. Natürlich gibt es noch Kinderkrankheiten. Aber nach vorne sieht es sehr positiv aus.

    Wann gibt es wieder schwarze Zahlen?
    Bis 2023 werden wir eine Umsatzrendite von zwei bis drei Prozent erreichen. Und im nächsten Jahr wollen wir cash-positiv sein – inklusive Kaufhof.

    Da wundert es, dass Sie in dieser Situation weitere Unternehmen übernehmen, wie etwa den Händler Sport Scheck und die Thomas-Cook-Reisebüros. Übernehmen Sie sich da nicht?
    Ob wir kaufen dürfen, entscheidet bei Sport Scheck noch das Kartellamt. Die Übernahmen waren sorgfältig geplant und wie im Fall von Sport Scheck langfristig vorbereitet. Erste Gespräche mit der Otto Group liegen bereits einige Jahre zurück. Wir haben bei Sport die gleichen Chancen wie im Warenhaus: die kritische Masse massiv zu erhöhen. Wir bringen die beiden bekanntesten Marken im Sportgeschäft in den Innenstädten zusammen und können gemeinsam den Markt entwickeln. 

    Und beim Reisegeschäft?
    Wir haben damit bei Karstadt immer Geld verdient, selbst in den schwächsten Jahren war Reisen immer profitabel. Deswegen war der Kauf der Thomas-Cook-Reisebüros und der Online-Plattform für uns eine enorme Gelegenheit, denn die passen perfekt in unsere Strategie und sparen uns drei bis vier Jahre eigene Aufbauarbeit. Wir müssen in der Lage sein, Handels- und Dienstleistungsgeschäft zu entwickeln, das uns Frequenz in die Filialen bringen. Das ist das oberste Ziel bei allem, was wir tun. 

    René Benko ist immer vorgeworfen worden, er sei nur an den Immobilien interessiert. Sehen Sie das jetzt entkräftet?
    Der Vorwurf ist so falsch wie populistisch. Von den über 200 Standorten gehören Signa weniger als ein Drittel. Bei Karstadt, das am längsten zur Signa gehört, sind es nur noch vier von 80 Häusern und Sport Scheck würden wir komplett ohne Immobilien erwerben. Die Filialen sind die Grundlage unseres Geschäfts und wir haben bisher keinen einzigen Standort geschlossen, sondern stattdessen die allermeisten Mietverträge, die zur Verlängerung anstanden, verlängert. Wir kämpfen um jeden einzelnen Standort.

    Herr Fanderl, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Der Sport-Scheck-Chef setzt große Hoffnungen in den neuen Eigentümer Galeria Karstadt Kaufhof. Er will nun zu einer Art „Booking.com des Sports“ werden.

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