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Karstadt-Chef Stephan Fanderl

Erfolgreicher Wechsel aus dem Lebensmittelhandel.

(Foto: Rudolf Wichert für Handelsblatt)

Stephan Fanderl Wie der Karstadt-Chef den Warenhaus-Konzern der Zukunft bauen will

Mit Sinn fürs Detail will der künftige Chef von Karstadt und Kaufhof die Fusion zu einem Erfolg machen. Doch auf ihn wartet auch viel harte Arbeit.
12.11.2018 - 18:03 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Für Stephan Fanderl war die Richtung schon lange klar. „Die industrielle Logik spricht für ein einziges Warenhaus-Unternehmen in Deutschland“, sagte der Karstadt-Chef im Frühjahr dieses Jahres – bevor noch die aktuellen Fusionsverhandlungen mit Kaufhof starteten. Doch jetzt, wo die Freigabe des Kartellamtes für den Zusammenschluss da ist, ist ihm keine Genugtuung anzumerken.

„Natürlich ist das Sanieren eines Unternehmens in Schieflage schwierig. Das wird uns bei Kaufhof auch fordern. Aber wir haben bei Karstadt bewiesen, dass es geht – und zwar schneller als viele außenstehenden Beobachter geglaubt haben“, sagt er jetzt dem Handelsblatt. Das sei auch harte Arbeit. „Aber zu allererst ist es eine fantastische Chance.“

Er freue sich, dass sie mit einem gemeinsamen Team das Format Warenhaus insgesamt nach vorne bringen dürfen. „Die schnelle Zustimmung des Kartellamtes ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg gewesen, Karstadt und Kaufhof zusammenzuführen.“ Wenn nun in Kürze alle Verträge unterschrieben seien, gehe es darum, „gemeinsam das laufende Weihnachtsgeschäft zu bestreiten und für unsere Kunden da zu sein und ordentliche Umsätze zu machen“.

Da Karstadt-Eigentümer Signa 50.01 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen mit der Kaufhof-Mutter Hudson‘s Bay halten wird, soll Fanderl den neuen Warenhauskonzern leiten. Und dazu will er viel mit Mitarbeitern aus beiden Unternehmen reden. „Wir tun gut daran, das Beste aus beiden Welten zusammenzuführen und dabei viel in die Häuser hineinzuhören“, sagt er.

Es gibt kaum jemanden in der Branche, der sich nicht anerkennend über Fanderls Arbeit äußert. Selbst Kaufhof-Vorstände bescheinigen ihm hinter vorgehaltener Hand, dass er beim Konkurrenten vieles richtig gemacht habe. „Er ist für den Job bestens geeignet“, attestiert ihm auch der ehemalige Rewe-Chef Hans Schmitz. Der 55-Jährige habe das Geschäft von der Pike auf gelernt, sei detailversessen und verfüge über internationale Erfahrung, sagt Schmitz, der einst Fanderls Chef war und heute eine Beratung führt und in Supermärkte investiert.

Das Wichtigste aber: „Er ist ein bodenständiger Typ, der nicht oben drüber schwebt, sondern mit den Menschen im Unternehmen reden kann und auch weiß, wo die Probleme auf der Fläche liegen“, sagt Schmitz. Hilfreich sei auch, dass Fanderl Humor habe – und auch über sich selber lachen könne.

Mit Karstadt in die schwarzen Zahlen

Dabei war die Skepsis groß, ob Fanderl einen Warenhauskonzern führen könne, als er vor vier Jahren die operative Führung von Karstadt übernahm. Hatte er doch zuvor ausschließlich in der Lebensmittelbranche Karriere gemacht – eine Parallele übrigens zum amtierenden Kaufhof-Chef Roland Neuwald, der von der Supermarktkette Real ins Warenhausgeschäft wechselte.

Das Lebensmittelgeschäft sog Fanderl quasi mit der Frischmilch auf. Sein Ururgroßvater betrieb bereits einen Tante-Emma-Laden in seiner Geburtsstadt Ingolstadt. Schon früh half er in den Edeka-Läden seines Vaters aus und absolvierte eine Lehre als Kaufmann. Aber schnell war klar, dass er mehr wollte. Seine Schwester übernahm den elterlichen Betrieb, er studierte Betriebswirtschaft in Regensburg, Köln und Tokio. Sein Berufsleben startete er bei der Metro.

Als Abteilungsleiter organisierte er dort die internationale Expansion, war später Geschäftsführer für die Tochter Real in Polen. Bei Rewe schaffte er es anschließend sogar bis in den Konzernvorstand, schied dort aber nach nur einem Jahr wieder aus, um für Walmart das Geschäft in Russland aufzubauen.

Seinen Kontakt zum Karstadt-Eigentümer, dem österreichischen Milliardär René Benko, verdankt Fanderl seinem Ex-Kollegen Dieter Berninghaus. Der hatte ebenfalls in Führungspositionen bei Metro und bei Rewe gearbeitet, bevor er einer der engsten Vertrauten von Benko wurde. Berninghaus empfahl Benko, Fanderl zu holen.

So wurde er 2013 zunächst Aufsichtsratschef von Karstadt, um dann nur ein Jahr später die operative Führung und damit die Sanierung des schwer angeschlagenen Warenhauskonzerns zu übernehmen. Im Geschäftsjahr 2016/2017 schaffte es Karstadt erstmals seit zwölf Jahren wieder knapp in die schwarzen Zahlen.

Nun soll Fanderl mit dem Gemeinschaftsunternehmen mit Kaufhof den nachhaltigen Turnaround erreichen – eine Herkulesaufgabe, wie er selber weiß. Doch er bleibt optimistisch: „Ich habe großen Respekt für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Kaufhof und Karstadt und bin sicher, dass beide Häuser viel voneinander lernen können.“

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