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Störung bei BezahlterminalsFinanzaufsicht untersucht Probleme bei Kartenzahlungen

Die Bafin fordert Informationen von Zahlungsdienstleistern an – und will „eine schnellstmögliche Lösung des Problems“.Elisabeth Atzler, Andreas Kröner 30.05.2022 - 18:01 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Probleme mit Kartenzahlungen in vielen Geschäften halten an.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Probleme bei Kartenzahlungen in Deutschland rufen die Finanzaufsicht Bafin auf den Plan. Die Behörde stehe mit der Bundesbank, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BIS) und den Zahlungsdienstleistern Concardis und Payone in engem Austausch zur aktuellen Lage, sagte ein Bafin-Sprecher dem Handelsblatt. „Vorrangig ist jetzt, eine schnellstmögliche Lösung des Problems für die betroffenen Händler und deren Kunden herbeizuführen.“

Die Bundesbank erklärte, der gleichzeitige Ausfall einer nennenswerten Zahl von Bezahlterminals stelle „einen gravierenden Vorfall für den Kartenzahlungsverkehr dar. Wenngleich eine systemische Bedeutung für das Gesamtsystem nicht gegeben ist, so kann diese Störung das Verbrauchervertrauen beschädigen.“ Die Bundesbank werde die Panne nach Abschluss der Fehlerbehebung mit der deutschen Kreditwirtschaft „grundlegend aufarbeiten“.

Störung von Kartenzahlungen: Bafin im Austausch mit Payone und Concardis

Die Bafin hat bereits unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Störungen eine Abfrage unter möglicherweise betroffenen Zahlungsdienstleistern gestartet, um ein besseres Bild über das Ausmaß der Störung zu erhalten. Zur Frage, ob für den Ausfall nur der Kartenlesegeräte-Hersteller Verifone verantwortlich ist oder auch Concardis, Payone und die Banken, hält sich die Finanzaufsicht bedeckt.

„Die Ursache der Störung kann erst nach genauerer Analyse betrachtet werden“, sagte der Bafin-Sprecher. Nach derzeitiger Einschätzung hätten „die betroffenen Zahlungsdienstleister umgehend reagiert und prüfen verschiedene Lösungsmöglichkeiten“. Concardis und Payone werden von der Bafin beaufsichtigt, der aus den USA stammende Hersteller Verifone dagegen nicht. Während die ausgefallenen Geräte und auch die Software darauf von Verifone stammen, sorgen Netzbetreiber wie Concardis und Payone für die Zahlungsabwicklung.

Seit vergangenem Dienstag sind Zahlungen per Girocard (besser bekannt unter ihrem alten Namen „EC-Karte“) und per Kreditkarte gestört. Grund dafür sind Probleme mit dem Kartenlesegerät H5000 von Verifone. Das Forschungsinstitut des Handels, EHI, schätzt, dass bundesweit 90.000 bis 100.000 solcher Kartenterminals im Einsatz sind, wie EHI-Zahlungsexperte Horst Rüter dem Handelsblatt sagte. Das wäre etwa jedes zehnte Gerät.

Aldi Nord, Netto, dm, Rossmann, Edeka und Esso setzen auf Gerätetausch

Störungen bei Kartenzahlungen sind bereits häufiger vorgekommen, aber in der Regel werden sie innerhalb weniger Stunden behoben. Die Hauptschuld sehen die meisten Beteiligten bei Verifone. Das Unternehmen, das dem Finanzinvestor Francisco Partners gehört, begründete die anhaltenden Ausfälle lediglich mit einer „Software-Fehlfunktion“. Es gehe dabei entgegen anders lautenden Behauptungen nicht um ein ausgelaufenes Zertifikat. Man habe eine Lösung zur Behebung des Problems entwickelt.

Betroffen von der Störung sind viele große Einzelhändler, darunter Aldi Nord, Netto, dm, Rossmann, Edeka-Märkte sowie beispielsweise Tankstellen, aber auch viele kleinere Geschäfte. Sie scheinen wie auch die Zahlungsfirmen allerdings vielfach nicht auf ein Verifone-Update zu vertrauen oder nicht darauf warten zu wollen, sondern tauschen die Kartenterminals aus.

So teilte Aldi Nord mit, dass die Kartenzahlung für Kundinnen und Kunden kurzfristig in allen Märkten wieder möglich sein werde. Alle ausgefallenen H5000-Geräte würden durch ein neues Modell ersetzt. „Ein Teil der Märkte wurde bereits am Wochenende umgerüstet, die restlichen folgen in den nächsten Tagen.“ Aldi Nord setzt dabei auf ein neueres Verifone-Gerät, das P400. Auch bei Netto funktionieren nach Angaben des Unternehmens im gesamten Filialnetz wieder EC-Kartenzahlungen. Der Konzern habe die Geräte nicht ausgetauscht, sondern die betreffenden Terminals technisch auf das elektronische Lastschriftverfahren umgestellt.

Andere Händler sind ebenfalls dabei, Kartenterminals mithilfe der Zahlungsdienstleister auszutauschen. Concardis und Payone erklärten beide, sie würden schnell Alternativgeräte zur Verfügung stellen. Allerdings ist das ein logistischer Aufwand, der meist mehrere Tage in Anspruch nehmen dürfte. Concardis ist Teil des italienischen Zahlungsdienstleisters Nexi. Payone gehört mehrheitlich dem französischen Zahlungskonzern Worldline, die Sparkassen-Finanzgruppe hält 40 Prozent an Payone.

Kartenzahlungen: Handel hält die Störung für einmalig in Deutschland

Der Handel fordert, dass der Grund für die Störung ermittelt wird. „Der Fall ist einmalig in Deutschland und muss daher lückenlos aufgeklärt werden“, sagte Rüter.

Der Handelsverband HDE verlangt ebenfalls eine Aufarbeitung der Probleme, „damit nicht wieder generell ein bestimmter Terminaltyp ausfällt“, sagte Zahlungsexperte Ulrich Binnebößel. „Man sollte auch über die Einführung von Notfallmechanismen nachdenken, die in solchen Fällen greifen.“

Unklar ist, wer die Kosten für den großflächigen Terminaltausch trägt. Das dürfte vielfach davon abhängen, wie die Verträge der Händler genau aussehen. „Kleinere Händler haben oft Verträge mit einem Zahlungsdienstleister oder sogar ihrer Bank oder Sparkasse, die eventuell sogar auch einen Terminaltausch abdecken“, erklärt Rüter. Große Händler schlossen hingegen häufig direkt Verträge mit Verifone oder anderen Terminalherstellern. Dem EHI zufolge kommt Verifone bei Kartenterminals insgesamt auf einen Marktanteil von 47 Prozent.

Concardis teilte zum Gerätetausch auf Anfrage mit: „Sofern Händlerkunden entsprechende Wartungsverträge für gemietete Bezahlterminals mit uns abgeschlossen haben, ist das für sie kostenfrei.“

In der Branche wird auch darüber diskutiert, ob Händler angesichts von Umsatzausfällen und höherer Kosten für die Bargeldlogistik letztlich Schadensersatzforderungen stellen können. Auch für Zahlungsdienstleister käme die Option womöglich infrage.

Das vielfach ausgefallene Verifone-Terminal H5000 ist ein Auslaufmodell. Der Terminaltyp, der seit 2011 im Markt sei, gelte als „veraltet und sollte längst ausgetauscht sein“, erklärte Ralf Gladis, Chef des Zahlungsdienstleisters Computop. Die funktionierende Hardware länger zu nutzen könne zum Risiko werden. Gladis wies darauf hin, dass die Verlängerung der Zulassung des ebenso veralteten Softwarestandards TA 7.1 bis 2024 durch die deutschen Banken und Sparkassen nicht gerade Anreize setze, veraltete Geräte zügig auszutauschen.

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Für Händler, die Geräte selbst gekauft haben, könnte es attraktiv sein, diese möglichst lange laufen zu lassen. Auch für Zahlungsdienstleister, die Kartenlesegeräte vermieten, lohnt sich ein langer Betrieb wahrscheinlich.

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