Streik bei der Fluggesellschaft Platzeck schlichtet bei der Lufthansa

Nachdem er den Tarifstreit der Deutschen Bahn geschlichtet hat, soll der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck nun auch zwischen der Lufthansa und der Flugbegleitergewerkschaft UFO vermitteln.
Erst war er Schlichter bei der Deutschen Bahn, nun ist die Lufthansa dran. Quelle: dpa
Matthias Platzeck

Erst war er Schlichter bei der Deutschen Bahn, nun ist die Lufthansa dran.

(Foto: dpa)

FrankfurtIm Tarifstreit zwischen der Flugbegleitergewerkschaft UFO und der Lufthansa wird als Schlichter der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) vermitteln. Platzeck habe als Schlichter zusagt, sagte UFO-Chef Nicoley Baublies am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Die Gewerkschaft und die Lufthansa hätten sich auf Platzeck geeinigt. Ein Lufthansa-Sprecher sagte am Freitag lediglich, das Unternehmen sei mit Platzeck im Gespräch und hoffe, ihn als Schlichter gewinnen zu können.

Weitere Einzelheiten der geplanten Schlichtung sind nach Angaben von Baublies und des Konzernsprechers noch unklar. Zunächst hatte der „Spiegel“ vorab über die Einigung auf Platzeck berichtet. Der ehemalige Ministerpräsident hatte bereits erfolgreich im erbitterten Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL im Frühsommer geschlichtet, und zwar zusammen mit Thüringens linkem Regierungschef Bodo Ramelow.

Essen und Getränke – nach drei Stunden Wartezeit
Wer hat überhaupt Anspruch auf Entschädigungen?
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Grundsätzlich gibt es nur dann Geld, wenn die Fluggesellschaft für die Verspätungen, Umbuchungen oder Flugannullierungen selbst verantwortlich ist. Beispiele sind etwa technische Probleme oder Schwierigkeiten, rechtzeitig Crews vor Ort zu schaffen.

Welche Ausnahmen gibt es?
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Doch nicht für alles können die Airlines in die Pflicht genommen werden. Kein Anspruch auf Entschädigung besteht etwa bei Streiks oder Verzögerungen durch Wetter oder Beeinträchtigungen etwa durch Vulkanasche.

Was ist im Winter?
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Vorhersehbare Folgen der Witterung, auf die Airline reagieren kann, setzen die Fluggastrechte nicht außer Kraft. Kommt es zum Beispiel bei der Enteisung der Maschinen zu Verzögerungen, müssen die Fluggesellschaften zahlen.

Wie viel Geld gibt es?
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Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach der Strecke, die geflogen wird. Das meiste Geld gibt es bei Langstrecken ab 3500 Kilometern. Dann kann der Fluggast 600 Euro fordern. Bei Strecken zwischen 1500 und 3500 Kilometern werden 400 Euro fällig, darunter 200 Euro.

Welche Rolle spielt die Dauer der Verspätung?
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In allen Fällen gilt: Geld gibt es erst dann, wenn die Verspätung mindestens drei Stunden beträgt.

Was ist, wenn die Fluggesellschaft nicht verantwortlich ist?
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Auch bei Verspätungen etwa wegen des Wetters oder wegen eines Streiks haben bestimmte Fluggäste Rechte. So müssen sie ausreichend mit Essen und Getränken versorgt werden. Zudem haben sie das Recht auf ein kostenloses Telefonat. Bei sehr langen Wartezeiten muss sogar eine Hotelübernachtung gestellt werden.

Wann gibt es in diesen Fällen Hilfe?
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Die genannte Unterstützung richtet sich nach der Flugstrecke und der Dauer der Verspätung. Die Regel greift bei Kurzstrecken unter 1500 Kilometern erst ab einer Wartezeit von zwei Stunden, zwischen 1500 bis 3500 Kilometern ab drei Stunden und bei noch längeren Flügen nach vier Stunden.

UFO hatte am Mittwoch überraschend einen für Donnerstag und Freitag geplanten Streik abgesagt, weil sich die Lufthansa im Streit um die Alters- und Übergangsversorgung der Flugbegleiter „deutlich“ bewegt habe. Die Annäherung kann nach Angaben der Lufthansa eine „Basis für eine Lösung“ sein. Beide Seiten einigten sich laut UFO auf das Zwischenergebnis der Schlichtung im Juni als Ausgangsbasis für eine Neuregelung der Versorgungsfragen. Diese erste Schlichtung war erfolglos geblieben.

UFO hatte in der laufenden Tarifrunde erstmals Anfang November gestreikt und der Lufthansa mit Arbeitsniederlegungen zwischen dem 6. und dem 13. November den längsten Streik in der Unternehmensgeschichte beschert. Insgesamt fielen dadurch rund 4700 Flüge aus; etwa 550.000 Passagiere waren davon betroffen.

Die Lufthansa befindet sich derzeit mit mehreren Gewerkschaften in einem langwierigen Tarifkonflikt. Sie will deshalb am kommenden Dienstag alle beteiligten Gewerkschaften an einen Tisch holen – neben UFO auch die Pilotenvereinigung Cockpit und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

In den Tarifkonflikten mit den verschiedenen Gewerkschaften geht es zwar zunächst um Löhne und die umstrittene Übergangsversorgung für ältere Arbeitnehmer. Im Hintergrund aber steht immer auch der Streit um das Sparkonzept „Wings“. Die Lufthansa will im Konkurrenzkampf mit den Wettbewerbern auf mehr Strecken Billigflüge anbieten. Das Personal der günstigen Billigtochter Eurowings soll nicht nach den Lufthansa-Tarifen bezahlt werden, sondern schlechter.

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