Streik bei Lufthansa Hier hilft nur noch eine Familientherapie

Bei der Lufthansa stehen wieder Streiks ins Haus. Die Tarifverhandlungen von Spartengewerkschaften sind längst zu einem Wettkampf der Egos geworden. Das gefährdet die deutsche Tarifkultur. Ein Kommentar.
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Wie hier im September 2012 könnte es ab Juli wieder zum Ausstand der Flugbegleiter kommen. Quelle: dapd
Streik bei der Lufthansa

Wie hier im September 2012 könnte es ab Juli wieder zum Ausstand der Flugbegleiter kommen.

(Foto: dapd)

FrankfurtZurück auf Anfang. Nach monatelangen und quälenden Verhandlungen zwischen der Ufo, der Gewerkschaft des Kabinenpersonals, und dem Lufthansa-Management sowie einer grandios gescheiterten Schlichtung werden Stewardessen und Stewards wohl ab Anfang Juli in den Ausstand treten – wenn nicht noch ein Wunder geschieht.

Es fällt Außenstehenden und erst recht den Fluggästen schwer, noch zu verstehen, was da bei Europas größter Fluggesellschaft vor sich geht. Warum nur scheint es unmöglich zu sein, eine Einigung hinzubekommen?

Der Autor ist Redakteur im Ressort Unternehmen und Märkte. Quelle: Pablo Castagnola
Jens Koenen

Der Autor ist Redakteur im Ressort Unternehmen und Märkte.

(Foto: Pablo Castagnola)

Der ungelöste Streit mit dem Kabinenpersonal ist nur ein Beispiel für eine Entwicklung, die wachsende Sorgen bereitet: In den Tarifauseinandersetzungen gerade mit den Arbeitnehmervertretern von kleinen Berufsgruppen geht es längst nicht mehr um Inhalte. Es geht um Macht. Egos dominieren die Gespräche und machen sie damit zugleich unmöglich.

Ein zu harsches Urteil, finden Sie? Dann schauen Sie auf die Fakten: In den Schlichtungsrunden mit der Kabinengewerkschaft wurde noch nicht einmal über Tarife gesprochen. Man war so zerstritten, dass sich die Schlichter nicht dazu in der Lage sahen, einen inhaltlichen Schlichterspruch zu formulieren. Verhärtet sind auch die Fronten zwischen Piloten und Lufthansa-Management, was zu einer skurrilen Situation führt. Beide Seiten einigten sich zwar inoffiziell auf einen Schlichter, bislang aber noch nicht über das, was der überhaupt schlichten soll – Tarifpolitik paradox.

Kaum besser sieht es bei der Bahn aus. Man darf gespannt sein, ob die verlängerte Schlichtung hier zumindest inhaltlich eine Annäherung bringt. Skepsis ist allerdings angebracht. Wenn aber selbst neutrale Instanzen wie Schlichter es nicht schaffen, die Parteien wieder ins Gespräch über das zu bringen, um das es eigentlich geht, liegt etwas im Argen. Das lässt nur einen Schluss zu: Hier prallen egomanische Sturrköpfe aufeinander, die ihre eigentliche Aufgabe aus den Augen verloren haben: einem Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und dabei gleichzeitig die Zukunft der dort arbeitenden Menschen  zu sichern.  

Sicher: Schelte für die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo fällt schwerer als bei streikenden Piloten. Das von der Ufo vertretene Personal verdient deutlich schlechter als die Flugzeuglenker. Auch ist die Ufo bislang moderater als etwa die Pilotengewerkschaft aufgetreten, hat immer wieder den Weg über Gespräche gesucht. Doch das ändert nichts daran, dass die Tarifgespräche mit den Spartengewerkschaften mittlerweile viel zu lange dauern. Seit April 2014 verhandeln Ufo und Lufthansa nun schon über die strittigen Themen. Auch die Piloten und Lokführer sprechen seit zig Monaten mit ihren Tarifpartnern auf der anderen Seite.

Mittlerweile dauern die Verhandlungen über neue Tarifverträge länger als die Laufzeit der dann so hart errungenen Kompromisse. Wenn die Tarifparteien dieses Spiel künftig alle zwei Jahre durchziehen, dann ist nicht weniger als die erfolgreiche Tarifkultur in Deutschland in akuter Gefahr.

Vielleicht sollten die Beteiligten statt eines Schlichters besser einen Familientherapeuten zu Rate ziehen. Der hat Erfahrung damit, Konflikte zu lösen, bei denen der eigentliche Kern des Streits längst aus den Augen verloren wurde.  

Wie wir morgen fliegen
Mehr Luft über den Wolken
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Der brasilianische Flugzeugbauer Embraer tritt bei seiner Regionaljet-Generation E2 mit einer völlig neu gestalteten Kabine an. Spezielle Handgepäck-Behälter sowie versetzte Sitze sorgen nicht nur für einen luftigeren Eindruck bei den Fluggästen, sie schaffen auch tatsächlich mehr Platz in der chronisch beengten Röhre.

Apartment in 13.000 Metern Höhe
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„Residence by Etihad“ – unter diesem Namen bietet die Golf-Airline ihren betuchten Fluggästen nicht weniger als eine komfortable Drei-Zimmer-Wohnung für ihren Flug an. Eingebaut ist das Luxus-Appartement im Oberdeck des Airbus 380, von dem die Fluggesellschaft gerade den zweiten übernommen hat. Acht weitere A380 sind bereits bestellt.

Ausgehen an Bord
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Rivale Qatar Airways setzt dagegen auf einen gepflegten Ausflug an Bord – etwa in eine luxuriös  gestaltete Bar. Auch sie ist in den Airbus 380 der Airline eingebaut und zwar im Oberdeck. Rein dürfen leider nur Passagiere der Business und First Class, alle anderen müssen weiterhin auf ihren Sitzen bleiben. 

Immer unter Strom
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Über den Wolken scheint immer die Sonne. Die Ingenieure von B/E Aerospace wollen sich das zunutze machen. Sie haben in die Sonnenblenden der Fenster einen dünnen Solarzellenfilm eingebaut. Der liefert Strom etwa zum Aufladen eines Smartphones oder Tablet-Computers. Noch befindet sich das System mit dem Namen „Solar Eclipse“ in der Testphase.

Müllwagen an Bord
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Eine Idee, die für die Passgiere nicht sichtbar, aber gleichwohl genial ist, hat Marc Spille, Student an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, gemeinsam mit Airbus umgesetzt. Sein mobiler Müllcontainer zieht die gefüllten Müllsäcke stark zusammen und presst den Abfall so platzsparend zusammen. Der Clou: Spille nutzt dazu das Vakuumsystem der Bordtoilette.

Digitale Fluchthilfe
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Dem Gerede des Sitznachbarn entkommen? Mit der „Escape Visor“ von Alexandra Moceri vom College for Creative Studies in Detroit ist das kein Problem. Befestigt am Kopfteil des Flugzeugsitzes kann der Passagier die „Brille“ bei Bedarf herunterklappen und per Touchpad im Sitz festlegen, was er mit ihr sehen möchte – vom aktuellen Bordprogramm bis hin zu Live-Bildern vom Flug. Alternativ lässt sich das Sichtfeld abdunkeln – für ein kleines Nickerchen. Noch ist die Brille allerdings nur eine Studie.

Neue Durchlässigkeit
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Mit einer neuen, stark lichtdurchlässigen Folie macht Sabic Innovative Plastics auf sich aufmerksam. Was auf den ersten Blick unspektakulär klingen mag, schafft ganz neue Möglichkeiten auch für den Fluggast. Längst denken die Airlines etwa über Self-Service-Stationen an Bord nach. Dazu muss der Passagier natürlich sehen, was es gibt. Das klassische Vitrinenglas ist viel zu schwer. Die Folie von Sabic ist dagegen leicht und zudem noch schwer entflammbar.

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