Streit mit Handel Lebensmittel-Produzenten um Nestlé wollen die Macht von Edeka und Co. begrenzen

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Händler sehen sich im Nachteil

Ob Maggi oder Nescafé – Edeka boykottiert Nestlé-Produkte

Ob Maggi oder Nescafé – Edeka boykottiert Nestlé-Produkte

Noch haben die Hersteller aber keinen Hebel gefunden, den sie in Brüssel ansetzen können. Schließlich schlagen günstigere Einkaufspreise des Handels auch auf niedrigere Verbraucherpreise durch. Die Juristen der Branche spielen durch, ob das Argument ziehen könnte, der Preisdruck bedrohe Qualität oder Innovationsstärke.

Noch allerdings bleiben die Experten beim Markenverband zwar bei der Analyse stehen, es müsse etwas gegen die „Unfairness“ des Handels auf europäischer Ebene geschehen.

Der Handel hält sowieso dagegen. Während sich Edeka ebenso wie Nestlé in der aktuellen Auseinandersetzung nicht äußert, nimmt Rewe-Chef Lionel Souque kein Blatt vor den Mund. „Die Lobby der Industrie ist ja viel stärker als diejenige des Handels“, sagte er vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Schließlich könnten die Hersteller stets mit Standortverlagerungen drohen – anders als Supermärkte.

Zudem sei der Handel bei Konditionenverhandlungen generell im Nachteil, weil Hersteller Klarheit über Produktionskosten und Konditionen bei anderen Händlern hätten, die Einkäufer aber im Dunkeln stocherten. Das zeige sich auch daran, dass große Markenkonzerne zweistellige operative Renditen hätten, der Handel aber nur ein bis zwei Prozent.

Zudem argumentierte Ex-Einkäufer Souque, Rewe schaffe es nicht einmal, Konditionen zwischen Deutschland und Österreich zu vereinheitlichen – geschweige denn auf europäischer Ebene. Und überhaupt: Zur zweitweisen Auslistung einzelner Produkte im Konditionenstreit komme es bei jedem Händler mehrmals im Jahr – meist ohne große Schlagzeilen.

Auch das Kartellamt sieht noch keinen Handlungsbedarf. Es gebe keine konkrete Beschwerde, sagte Kartellamtschef Andreas Mundt dem Handelsblatt: „Wir sind nicht in einem Stadium, in dem wir sagen würden, wir müssen oder wollen tätig werden.“

Die Branchenberater allerdings denken schon weiter. Amazon fordere bei Konsumelektronik längst weltweit einheitliche Preise von den Zulieferern. Die Hersteller könnten sich dem nicht entziehen. „Sonst bezieht Amazon einfach seine Ware in einem anderen Land und schafft sie selbst über die Grenze“, sagt Simon-Kucher-Berater Andreas von der Gathen.

Er rät: Die Hersteller sollten sich frühzeitig auf die neuen Bedingungen einstellen – und sich nicht in aussichtslose Kämpfe stürzen.

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4 Kommentare zu "Streit mit Handel: Lebensmittel-Produzenten um Nestlé wollen die Macht von Edeka und Co. begrenzen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Herr Holger Narrog, 13.03.2018, 08:23 Uhr

    Nochmal:

    Mehr Transparenz kann auf jeden Fall für alle und jeden nur von Vorteil sein.

  • Hallo Fr. Bollmohr,

    ich denke, dass Nestle als Aktiengesellschaft mit regelmässigen Berichten wesentlich transparenter ist als deutsche Discounter oder gar grüne und linke NGO.

    Wäre es nicht wichtiger wenn Greenpeace/WWF, die einen erheblichen politischen Einfluss auf die Gesellschaft nehmen, etwas mehr Transparenz zeigen würden? Finanzquellen (Staatliche Finanzquellen, Fördermitgliedschaften) inklusive verbundener Institute, Stiftungen, Profitabilität einzelner Geschäftszweige wie "Klimawandel", Bezahlung der Mitarbeiter, gewähren würden?

    Wäre es nicht sinnvoller die Finanzierung von "Flüchtlingsschiffen", "Flüchtlingsindustrie", die Finanzierung des Kampfs gegen Rechts, Antifa etc. zu veröffentlichen?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • „Der Streit zwischen Nestlé und Edeka schürt die Angst der Lebensmittelkonzerne vor der Macht des Handels. Sie prüfen jetzt Gegenmaßnahmen.“

    Statt „Gegenmaßnahmen“ sollten Nestlé & Co. vielleicht besser erst einmal prüfen, ob es für die wachsende Aversion gegen sie (folglich auch eines wachsenden Teils der Handelsbranche) nicht gute Gründe geben könnte. Auch abseits reiner (finanzieller) „Profit“-Interessen.

    Mehr Transparenz kann auf jeden Fall für alle und jeden nur von Vorteil sein.

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