Streit um Aroma Stiftung Warentest unterliegt Ritter Sport

Die Stiftung Warentest hat mit ihrem „Mangelhaft“-Urteil für die Schokolade Ritter Sport „Voll-Nuss“ eine Schlappe erlitten. Eine einstweilige Verfügung im Streit um einen Aromastoff bleibt bestehen.
Update: 13.01.2014 - 12:25 Uhr 29 Kommentare
Streitfall vor Gericht: Das Aroma in Ritter Sport „Voll-Nuss“. Quelle: dpa

Streitfall vor Gericht: Das Aroma in Ritter Sport „Voll-Nuss“.

(Foto: dpa)

Es ist ein Kampf, wie er selten ausgefochten wird: Der Schokoladenhersteller Ritter Sport hat sich gegen ein Urteil der Stiftung Warentest juristisch gewehrt – und zumindest zunächst Recht behalten. Das Landgericht München I hielt am Montagmorgen eine einstweilige Verfügung gegen die Stiftung aufrecht. Sie darf demnach weiter nicht weiter behaupten, dass in einer Sorte der Schokolade ein künstliches Aroma eingesetzt werde und damit die Auszeichnung eines „natürlichen Aromas“ auf der Packung Verbrauchertäuschung sei.

Die Tester kündigten an, keine Ruhe zu geben. „Die Stiftung Warentest nimmt diese Entscheidung nicht hin und wird deshalb Berufung gegen das Urteil einlegen“, hieß es. Die Produktion der umstrittenen Substanz liege weiter im Dunkeln. „Klar ist bisher lediglich, dass die Symrise AG den Aromastoff Piperonal nicht selbst herstellt, sondern über Dritte bezieht.“ Die Stiftung halte an ihrer Auslegung fest und werde den Rechtsstreit vor das Oberlandesgericht bringen, fügte Vorstand Hubertus Primus hinzu.

Ritter triumphierte indes: „Als mittelständischer Schokoladehersteller, als der wir über eine jahrzehntelange Tradition und Expertise bei der Schokoladeherstellung verfügen, freuen wir uns darüber“, erklärte Firmenchef Alfred Ritter. Zulieferer Symrise stimmte ein: „Die Deklaration der Voll-Nuss ist korrekt.“

Das Gericht hatte beiden Seiten kurz vor Weihnachten einen Vergleich vorgeschlagen, um den Streit beizulegen. Darauf waren Ritter Sport und die Stiftung Warentest aber nicht eingegangen. Sie beharrten jeweils auf ihren Positionen.

Vor dem Verfahren hatten die Verbraucherschützer darauf hingewiesen, dass sie extrem selten in Verfahren verlören. Daher hatten Juristen und PR-Experten die Strategie Ritter Sports kritisiert, sich auf ein Verfahren einzulassen. Dadurch werde das Thema unnötig lange in der Öffentlichkeit gehalten.

Auslöser des Streits war ein Schokoladentest, den die Stiftung Warentest Ende November veröffentlicht hatte. Darin bemängelten die Tester, die Bezeichnung „natürliches Aroma“ in der Voll-Nuss-Schokolade von Ritter Sport sei irreführend, weil die Schokolade den Aromastoff Piperonal enthalte. Dieser werde in der von Ritter Sport benötigten Menge nur chemisch hergestellt, so der Vorwurf der Tester. Im Gesamturteil gaben sie der Schokolade deshalb die Note „mangelhaft“ statt „gut“. Die Schokolade kann aber in jedem Fall ohne Bedenken verzehrt werden.

„Von einem fairen Warentest könne nicht gesprochen werden, wenn diesem in der zentralen Frage der Auslegung der Bestimmungen der Aromen-Verordnung ein nicht vertretbares, zu enges Verständnis zugrunde liege“, so die Richter, deren Urteil noch nicht rechtskräftig ist.

Hohe Kosten für natürliches Piperonal
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29 Kommentare zu "Streit um Aroma: Stiftung Warentest unterliegt Ritter Sport"

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  • Stiftung Warentest sollte durch alle Instanzen weiterprozessieren, der Verbraucher muß unmissverständlich wissen was an Zusatzstoffen drin ist und ob sie natürlich oder künstlich entstanden sind. Eine Eidesstattliche Erklärung reicht nicht... Die Stiftung Warentest sollte einen Prozessfonds eröffnen und alle an Ordentlich gekennzeichneten Warenzutatenlisten interessierten Bürger könnten eine Prozessspende machen, also nur für den Fall das die Stiftung das Finanzielle Prozessrisiko scheut...

  • Die Erklärung der Richter ist für den Verbraucher eine Katastrophe. Wenn sie Bestand haben sollte, dürften Firmen Zusatzstoffe natürlich nennen, die künstlich hergestellt werden.

    Es gibt natürlich; es gibt künstlich. Der Unterschied ist eindeutig definiert. Da gibt es kein "zu enges Verständnis" der Aromen-Ordnung.

    "Natürlich" ist nach allgemein gültigem Verständnis ein positives Qualitätsmerkmal. Ritter Sport will diese positiv besetzte Beschreibung für einen Zusatzstoff benutzen, der künstlich hergestellt wurde. (Es ist egal, ob Natur und Chemie in diesem Fall möglicherweise gleich sind) Die Firma Ritter Sport will sich richterlich absegnen lassen, dass sie uns Kunden belügen darf. Das ist keine gute Werbung sondern ein Schlag in das Gesicht ihrer Käufer.

  • Der Mitmensch hat bei der Gelegenheit die Neue Rechtschreibung gleich mit veralbert um so Typen einen Aufreger zu gönnen. Gut gesehen.

    Worauf ich vor allem aufmerksam machen wollte: die Begriffsverwirrung geistert seit der Veröffentlichung des Tests durch die Medien.
    Und jeder Journaillissimus schreibt denselben Mumpf brav immer wieder ab. "Bloß nicht selbst denken!" heißt die Maxime.

    Und das macht mich wirklich betroffen.
    Kurt Halbritter hat es in ISBN 3-446-15063-3 einem biederen Leser des völkischen Beobachters so in den Mund gelegt:"Ich glaube ja lange nicht alles, was so in der Zeitung steht, aber wenn es alle so schreiben, muß ja was dran sein!"

    In unser "like" und "copy and paste"-Welt wird viel zu viel unreflektiert reproduziert. Das ist ein echtes Problem.

  • Unabhängig wer in diesem Fall das Recht hat eine gute Werbung für Ritter Sport sieht anders aus. Viele werden jetzt Ritter Sport (ob gerecht oder nicht) mit anderen Augen sehen. Der Verlust ist in jedem Fall für Ritter größer als der Gewinn aus um 2 Punkte in der Bewertung zu steigen. Man ist da nur der 2. Sieger.

  • Ritter könnte machen was sie wollen, Sie wären trotzdem nicht zufrieden, was? Eine falsche eidesstattliche Versicherung abzugeben stellt einen Straftatbestand dar, welcher mit Freiheitsstrafe geahndet wird. Entgegen unsere Politikern die uns zur Elbphilharmonie, S21, BER, etc. unrealistische Zahlen zur Beruhigung hinklatschen, hat der Hersteller des Aromas viel zu verlieren. Da glaube ich gerne dem Hersteller. Schließlich gibt die Stiftung Warentest offen zu das Urteil nur auf unbelegte Vermutungen zu stützen.



  • Der Verzehr einer Tafel Ritter Sport Schokolade wird nun immer einen faden Beigeschmack haben.

  • Eine eidesstattliche Versicherung würde ich nicht essen und Kundenvertrauen wird durch diesen juristischen Schlagabtausch für Ritter nicht gewonnen. Da muss man mehr tun als nur Papier bewegen.

  • @wolfshund
    Nicht doch gleich so boese. Vielleicht hat sich der Mitmensch ja vertippt. Passiert Ihnen doch auch mal, oder nicht? Also, entspannen und beim Thema bleiben.

  • @Neutraler_Leser
    Ich wohn halt in der Schweiz, da ist die Lindt immer frisch. Und bei der jaehrlichen Aktionaersversammlung gibts ne grosse Tasche voll mit auf den Nachhauseweg... Kann ja nichts dafuer, dass in Ihrem Supermarkt (oder vom lokalen Lindt Sales Manager) geschlampt wird.

  • Der gesunde Menschenverstand siegt doch von Zeit zu Zeit.

    Die Stiftung Warentest sollte in Zukunft vorsichtiger sein, wenn sie selbstherrlich und sich bei grünen Spinnern anbiedernd (Chemie = gesundheitschädlich = mangelhaft), Urteile abgibt, die bei Firmen erhebliche wirtschaftliche Schäden nach sich ziehen.



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