Streit um Vorstandsposten Die Lobby-Arbeit des Bahn-Chefs

Die Kontaktpflege zur Politik ist Bahn-Chef Rüdiger Grube in seinem Arbeitsvertrag haarklein vorgeschrieben. Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla könnte die lästige Pflicht abnehmen. Doch der Aufsichtsrat sträubt sich.
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Rüdiger Grube mit Kanzlerin Angela Merkel: Der Bahn-Chef will Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla zur Bahn holen. Quelle: dpa

Rüdiger Grube mit Kanzlerin Angela Merkel: Der Bahn-Chef will Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla zur Bahn holen.

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DüsseldorfDas Handelsblatt hat in Dokumente Einsicht erhalten, die Details über die Zielvereinbarungen von Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube enthalten. Laut den Vorgaben muss Grube insgesamt rund 50 im Detail spezifizierte Treffen mit Politikern absolvieren, darunter „mindestens vier parlamentarische Runden“ mit EU-Parlamentariern, „mindestens fünf Treffen mit Vertretern relevanter Bundestagsausschüsse“, „mindestens zehn persönliche Empfänge von Landesgruppen der im Bundestag vertretenen Parteien“, „mindestens zehn Treffen mit Spitzenvertretern der Bundesländer“ sowie weitere zahlreiche Zusammenkünfte mit Ministerien und Spitzenverbänden der Wirtschaft auf deutscher und europäischer Ebene.

Die Erfüllung dieser Vorgaben macht ein Viertel von Grubes Grundbonus von gut einer Million Euro pro Jahr aus. Insgesamt verdiente Grube im Jahr 2012 2,6 Millionen Euro, davon stammen 1,76 Millionen Euro aus einer variablen Komponente. Die internen Bonusregeln für die Vorstände der Deutschen Bahn AG sorgen für Kritik bei einigen Kontrolleuren des Konzerns. Sie seien „zu kleinteilig“ und „zu irrelevant“ monierten Kontrolleure gegenüber dem Handelsblatt (Dienstagausgabe).

Auch andere Vorstände haben laxe Vorgaben: Volker Kefer, zuständig für die Infrastruktur, ist eine „intensive Kommunikation mit den Projektpartnern, der Geschäftsführung und dem Beirat der Projektgesellschaft“ von Stuttgart 21 auferlegt. Und Heike Hanagarth, die neue Technik-Frau im Vorstand, muss zu den 300 von Siemens zu produzierenden ICX-Zügen lediglich „vier Projekt-Sitzungen“ abhalten — und obendrein „ein Top-Level-Meeting Siemens/DB“.

Doch Kritik hagelt es nicht nur intern. Auch der Düsseldorfer Arbeitsrechtler Wulf Gravenhorst kritisiert: „Das ist so wenig griffig, da hätte man es auch lassen können.“ Zudem öffneten die schwammigen Formulierungen „der Willkür Tür und Tor“. Gravenhorst sieht dabei den gesamten Aufsichtsrat in der Pflicht. Denn das Gremium entscheidet über die Regelungen — auch wenn sie der Vorsitzende vorverhandelt.

Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte sich zuletzt im Alleingang bemüht, Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla als Vorstand und Cheflobbyist für die Deutsche Bahn zu gewinnen. Das stößt im Aufsichtsrat der Bahn auf Empörung. „Es darf nicht der Eindruck entstehen, der Vorstand der Bahn suche sich seine Leute selbst aus“, sagte ein Mitglied des Gremiums dem Handelsblatt. Mehrere Aufsichtsräte sind gar der Ansicht, Grube habe sie bewusst hintergangen. Statt von einer Vergrößerung des heute sechsköpfigen Vorstands „war eigentlich von einer Verschlankung die Rede“, heißt es.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte seit Ende November von einer möglichen Tätigkeit Pofallas bei der Bahn gewusst, ihm laut ihrem Sprecher aber geraten, eine Karenzzeit zu wahren. Es gilt mittlerweile als unwahrscheinlich, dass der Bahn-Aufsichtsrat bereits Ende Januar über Pofalla entscheidet.

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13 Kommentare zu "Streit um Vorstandsposten: Die Lobby-Arbeit des Bahn-Chefs"

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  • Solange das SYSTEM NICHT DEM MENSCHEN DIENT, sondern einzig und ALLEINE DEN INTERESSEN EINIGER WENIGER UND DER GELDVERMEHRUNG, solange wird sich auch NICHTS verändern. Und das ist nur eine ganz gezielte Reaktion auf den globalen Kapitalismus!!

    DARUM geht alle nachts auf den Brocken, da werdet ihr von unseren interstellaren kommunistischen FREUNDEN aufgenommen und zum Planeten "Liebknecht" geflogen.

    KOMMT ALLE !!!

  • @netshadow

    DAS war aber doch schon immer so!

    Selbst in der DDR wurden wegen der Bekannten und Unliebsamen Posten neu geschaffen.

    Das tragische ist, dass IMMER irgendwann eine Elite vergisst wo sie hergekommen ist! Sie dann maßlos beim Volk bereichert! Siehe Diäten/Pensionen der Politiker, des ÖD/Beamten/Manager. Alle stopfen sich die Taschen voll und die Arbeiter, die die wahren Werte schaffen, müssen es dann ausbaden!

    DAS geht immer nur eine zeitlang gut bis es dann zu Revolten kommt. Die Maßlosigkeit der Politiker und Beamten - Brüssel ist auch so ungeheuerliche Krake!, plündert die Völker! War aber auch schon immer so. Die Menschen sind eben nicht lernfähig, sondern vergessen zu schnell.

  • WAs jetzt hier wieder mit Pofall in den Medien abläuft geht am eigentlichen Thema vorbei!

    Solange das SYSTEM NICHT DEM MENSCHEN DIENT, sondern einzig und ALLEINE DEN INTERESSEN EINIGER WENIGER UND DER GELDVERMEHRUNG, solange wird sich auch NICHTS verändern. Und das ist nur eine ganz gezielte Reaktion auf den globalen Kapitalismus!! Die Bahn will

    a) Geld vermehren und braucht dazu entsprechende Politische Entscheidungen

    b) muß sie auch im weltweiten Wettbewerb bestehen!

    Es ist echt schlimm, dass Journalisten auch NICHT ihr SYSTEM VERSTEHEN.

    Pofalla kann einem fast leid tun. Da er wie Wullf nur als Zielscheibe für eine Ablenkung der Fehler im System dient!

    Das einzige was man ihm ankreiden kann, ist die unverschämte Summe seines Gehaltes! Aber das wird eben in der BRD nicht angegangen. Und mit GELD kann man halt JEDEN (fast) kaufen!!!!!!! Alles nur eine Frage des Preises!

    Wenn es nicht dieses elektronische Geldsystem geben würde, hätten wir auch keine undemokratischen Zustände überall! DAS aber wurde ja mal bewusst eingeführt und von der Politik per Gesetz installiert! Die Masse ist so dumm und vertraut immer noch darauf (ist kein gesetzliches Zahlungsmittel!) und schafft sich somit ihren eigenen Untergang! Wenn es nicht so traurig wäre, könnte ich darüber nur lachen.

    Die Zukunft wird bitter und voller Blut, Elend und Leid! Denn seid Lehmann hat sich NICHTS, ABER AUCH REIN GAR NICHTS ZUM POSITIVEN VERÄNDERT!! Man macht nur noch ideologische Propaganda und verarmt die Massen. Das kann niemals gut gehen. Da die USA und auch Japan Geld am laufenden Band drucken. Die Menschen immer mehr dadurch verrarmen und schliesslich der "Markt" zusammen brechen wird. Seid Jahren wird ein künstlicher Markt am Leben erhalten! Und zwar mittels SUBVENTIONEN DURCH DIE POLITIK!

    DAS SPIEL IST SCHON LANGE AUS!

  • @ Frei ( ...... )

    Mein Gott, unter welch schlimmer Krankheit haben sie zu leiden ?
    Da läuft ja gar nichts mehr rund im Oberstübchen !

    Eigentlich ist das ja nicht so schlimm, wenn man dann solch armen Menschen nicht auf die Straße lässt.

    Aber es ist meiner Meinung nach nicht hilfreich, wenn man ihnen gestattet, solch geistigen Dünnpfiff auch noch öffentlich kundzutun.

    Behalten sie ihren Blödsinn bitte für sich !

  • danke HB für die Informationen über die Zielvorgaben des vorstandsvorsitzenden Grube.dass ein aufsichtsrat - immer mit der Mitbestimmung in allen ausschüssen- so den arbeitsalltag eines technischen unternehmens priorisiert, zeigt eine überheblichkeit und eine realitätsferne eines von der politik beherrschten aber doch eigentlich technischen unternehmens. dass der proletarisch ungehobelt auftretende pofalla grube entlasten kann ist eine doppelte realitätsverweigerung: die politik wird immer den ersten mann, den vorsitzenden- fordern und pofalla kann es nicht. dass die presse diskutiert, dass im bestellungsfalle p. sein abgeordnetenmandat aufgeben müsse ist schon bemerkenswert: vorstandsposten in deutschen großunternehmen und bundestagsmandate scheinen in unserer menschlichen gesellschaft halbtagsjobs zu sein, ähnlich wie das amt des vizekanzlers. diese einstellung wird deutschlands wohlstand sicher nicht mehren

  • Hallo @netshadow

    Diesmal sind Sie auf dem falschen Dampfer :-)

    FAST JEDER MENSCH lässt sich kaufen!! Dieses ganze undemokratische Desaster und meiner Meinung nach der gewollte Zusammenbruch(es gibt zuviele Hinweise und Fakten) der Lehman Bank 2008, sind von einer Geldelite bewusst inszeniert. Es gibt eine globale Herrschende Klasse des Geldadels, die sich ungemein, gezielt bereicherte und sich überall mittels Stiftungen ideologische Leute kaufte. Die Politiker, die selber macht-und geldgierig sind, tragen einzig und ALLEINE DAFÜR DIE VERANTWORTUNG! Einschliesslich das Wahlvieh, welches sich nie wirklich für Politik interessiert!

    DER MENSCH IST DIE GRÖßTE GEFAHR!!! Er wird durch das Kapitalistische System zutiefst egoistisch und gierig, neidisch dazu erzogen. Deswegen ist der Rassismus bei vielen auch so verbreitet! Profitieren vom System tut immer nur eine KLEINE HERRSCHENDE KLASSE! Die meißten verkaufen sich halt dem System!

    Alle jammern und reden von Überlastung, Bournaut weil sie mit nach oben wollen! Keiner will ja freiwillig arm sein. Und doch machen doch ALLE MIT!! DAS IST SCHIZOPHREN! Und die klugen Herrschenden haben mit Geld und ein wenig Wohlstand die Massen in den 70igern in der BRD ruhig gestellt. Die meißten Menschen sind ideologisch bereits total verdummt. Die Marktradikalen eh!

    Lesen Sie mal W. Reich, Erich From, Kurz "Das Schwarzbuch des Kapitalismus und vorallem den Soziologen Krysmanski - Wem gehört die EU.

    Es wird wieder zu einem 3. WK kommen. Da bin ich mir ganz sicher. Weil GED DEN CHARAKTER VERDIRBT!! Das sagte selbst Max Otte.

    In Europa hat sich der Adel, die Geldelite zusammen getan um ein neues europäisches Reich zu schaffen. Um gegen China, die USA zu bestehen und selber reicher zu werden. Die Nazis spielen dabei auch eine große Rolle. Die Deutschen Industriellen wollen nur Geld vermehren. Wie ist Ihnen völlig egal.

    Der FEHLER LIEGT IM SYSTEM (Geldsystem) UND BEIM MENSCHEN!!

  • Ich vermisse in der ganzen Debatte den Bund der Deutschen Steuerzahler.
    Ach, der meldet sich immer erst zu Wort wenn der Zug längst abgefahren ist, gleich wir Prof.Sinn.

  • Drehtüreffekt
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    Grube will Pofalla auf jeden Fall zur Pannenbahn holen. Dann kann er die Probleme der Bahn in gewohnter Manier für beendet erklären.

    "Der Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim hat den möglichen Wechsel von Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) in den Vorstand der Deutschen Bahn scharf kritisiert. "Für mich ist das eine Form der bezahlten Korruption", sagte von Arnim in Speyer."
    Quelle: Focus
    http://www.focus.de/politik/deutschland/angeblicher-wechsel-experte-pofallas-wechsel-ist-bezahlte-korruption_id_3520694.html

    Er ist auch für eine fünfjährige Karenzzeit, welche vernünftig wäre. Aber da spielen unsere Politiker wohl nicht mit. Dann gäbe es ja keine "Anschlußverwendung" mehr für abgehalfterte Politiker.

  • Jep, eine Korruption die man auf den ersten Blick nicht sieht, und das ist die schlimmste Form überhaupt. Sie wird auch nicht mehr von den Akteuren selbst bemerkt, ist einfach "so da", man richtet sich damit ein und hinterfragt nicht, der Filz wird langsam unerträglich.
    Haben wir keine Pöstchen mehr, machen wir halt welche, sei es bei der Bahn, beim ÖR oder in sonstigen staatlich verordneten Einrichtungen.
    Die Bahn will Pofalla garnicht? Nunja, werden wie schon hinbiegen.
    Gerade die FDP hat sich doch wohl gefühlt in dieser Mischpoke, und die Afd ist nicht besser. Ein Deutschland was die wollen, ist dasselbe in grün nur mit braunem Anstrich, arbeiten mit dem Mund, sagt der Spanier.
    Die hat der Wähler wahrscheinlich aus reinem Instinkt (sowieso alles dasselbe) nicht ins Parlament geholt.

  • Merkel, Grube, Flecht, Pofalla, hier schließt sich der Kreis.
    Noch weitere Fragen?

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