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Studie der EU Fälschermafia macht in Europa Milliardengeschäfte

Vor allem deutsche Marken und Kosmetikprodukte werden oft gefälscht. Staaten und Unternehmen entgehen dadurch jedes Jahr viele Milliarden Euro.
10.06.2020 - 09:00 Uhr Kommentieren
Gefälschte Markenparfums enthalten billige Stoffe, die Allergien und Hautreizungen auslösen können. Quelle: dpa
Gefälschtes Luxusparfum

Gefälschte Markenparfums enthalten billige Stoffe, die Allergien und Hautreizungen auslösen können.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Im Frühjahr gelang dem Zollamt in Hamburg wieder ein Schlag gegen die Fälschermafia. Gleich in drei Containern fanden die Beamten insgesamt 97.698 Plagiate namhafter Parfummarken wie Dior. Allein 8640 der entdeckten Parfums waren Fälschungen der deutschen Marke Hugo Boss – von „Ma Vie“ bis „Unbottled“.

Die Flakons einschließlich Verpackung sahen auf den ersten Blick täuschend echt aus. Erst auf den zweiten Blick fiel der Buchstabenfehler auf: „BOOS“ statt „BOSS“. Versandt wurden die Plagiate in Hongkong. Der Adressat saß in Budapest. Im Handel hätten die Parfums einen Wert von ungefähr 250.000 Euro gehabt.

„Auch wenn die gefälschten Parfums ähnlich wie die Originale duften, werden sie dennoch mit kostengünstigen Inhaltsstoffen und unter hygienisch fragwürdigen Umständen produziert“, warnt der Hamburger Zoll. Die Benutzung gefälschter Parfums könne daher Reizungen auf der Haut oder Allergien verursachen.

Nach Schätzungen der EU-Behörde für den Schutz geistigen Eigentums (EUIPO) gehen allein der Kosmetik- und Körperpflegebranche in der EU im Jahr 9,6 Milliarden Euro durch Markenfälschungen verloren. Der Trend geht nach oben.

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    Damit entgehen den Herstellern 14 Prozent ihres Jahresumsatzes. In Deutschland sind es 10,3 Prozent des Geschäfts. 1,4 Milliarden Euro Umsatz gehen deutschen Unternehmen von Kosmetik- und Pflegeprodukten im Jahr verloren.

    Das zeigt ein Bericht der EUIPO, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Bezieht man Textilien, Uhren und Schmuck, Wein und Spirituosen, Medikamente und Spiele et cetera mit ein, so entgehen den Herstellern in der EU im Jahr bis zu 50 Milliarden Euro durch Fälschungen. Nicht nur Unternehmen entsteht dabei finanzieller Schaden. Weitere 15 Milliarden Euro entgehen den Staaten in der EU durch nicht gezahlte Steuern und Sozialbeiträge. 416.000 Arbeitsplätze gehen direkt verloren.

    „Fälschung ist ein opferloses Verbrechen. Fake-Produkte nehmen Unternehmen Umsätze weg und bringen Staaten um dringend benötigte Einnahmen. Und sie bergen klare Gesundheits- und Sicherheitsrisiken für die Verbraucher“, sagt Christian Archambeau, Chef der EUIPO.

    Deutsche Markenhersteller sind ein bevorzugtes Ziel der Fälschermafia. 9,3 Prozent der Markenfälschungen, die Zollbehörden weltweit aus dem Verkehr ziehen, verletzten das geistige Eigentum von Unternehmen mit Sitz in Deutschland. Das zeigt eine Untersuchung von EUIPO und OECD.

    Traummargen für Markenfälscher

    Gefälschte Luxusparfums und Kosmetika stammen vor allem aus China, beobachtet Rechtsanwalt Martin Fiebig von der Berliner Kanzlei Lubberger Lehment. Er ist auf gewerblichen Rechtsschutz spezialisiert und kennt die Handelswege der Fälscher. Im Hamburger Hafen etwa kommen regelmäßig Container an, in denen zwischen Stahlteilen oder Baustoffen Kartons mit Flakons versteckt sind. Das fällt beim Röntgen der Container auf. Die Zollexperten sind von den Herstellern sensibilisiert, wie sie Originale von Fälschungen unterscheiden können. Auch über Lkws werden regelmäßig Plagiate eingeschmuggelt.

    Die Hintermänner der Markenfälscher zu enttarnen ist laut Fiebig oft aussichtslos. Denn sie verstecken sich hinter diversen Deckadressen. Die Fälscher agieren im Umfeld der organisierten Kriminalität. „Sie sind international so gut vernetzt wie skrupellos“, sagt der Anwalt. Laut EUIPO unterstützt die Fälschermafia auch Drogenhandel und Geldwäsche.

    Das Geschäft mit gefakten Marken ist äußerst lukrativ. „Markenfälscher fahren Traummargen ein“, sagt Fiebig. Die Parfums und Cremes enthalten aber billige Stoffe, die Allergien und Hautreizungen auslösen können. Kosten für Forschung, Marketing und Gesundheitsprüfungen sparen sich die Fälscher.

    „Der Einzelhandel in Deutschland ist so gut wie sauber von gefälschten Kosmetika und Parfums“, betont Fiebig. Hauptumschlagplatz ist hierzulande das Internet. Bei hohen Rabatten sollten Kunden hellhörig werden.
    Statt versteckt in Containern oder Lkws kommen Fälschungen immer öfter über den „Ameisenhandel“: Verbraucher bestellten bei Onlineshops ohne offizielle Markenlizenz oder auf ausländischen Internetplattformen wie alibaba.com, aliexpress.com oder wish.com. Geliefert wird meist per Luftpost aus China. Die Dunkelziffer ist extrem hoch, der Zoll kann maximal 20 Prozent verdächtiger Päckchen herausfiltern, schätzt Fiebig.

    Die Hersteller sind in den vergangenen Jahren verstärkt juristisch gegen Internetmarktplätze und Onlineshops vorgegangen, die Fälschungen in Europa anbieten. „Auf Ebay gibt es heute kaum noch Parfumfälschungen, diese Zeiten sind vorbei“, sagt Anwalt Fiebig. Die konsequente Verfolgung der Fake-Angebote habe sich ausgezahlt.

    Um den Plagiatoren ganz das Handwerk zu legen, bleibt Unternehmen aber nur eines: Sie heuern in China Detektive und Anwälte an, um Fälscherfabriken auszuheben. „Doch ganz ausschalten lässt sich die Fälschermafia wohl nie, dafür ist das Geschäft viel zu lukrativ“, sagt Fiebig.

    Mehr: Das sind die dreistesten Plagiate des Jahres

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    Mehr zu: Studie der EU - Fälschermafia macht in Europa Milliardengeschäfte
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