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Studie von Foodwatch Frühstücksflocken und Joghurts für Kinder meist überzuckert

Laut der Verbraucherorganisation Foodwatch sind viele Kinderprodukte zu süß. Umweltministerin Klöckner setzt auf Freiwilligkeit der Hersteller, ungesunden Zucker zu reduzieren.
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Eine Portion enthält ganze sieben Würfelzucker. Quelle: Reuters
Kellogg's Frosties

Eine Portion enthält ganze sieben Würfelzucker.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Generationen von Kindern weltweit löffeln zum Frühstück „Kellogg’s Frosties“ und schauen beim Essen auf den freundlichen Tiger vorne auf der Packung. Was die wenigsten wissen: Eine Portion enthält ganze sieben Würfelzucker. Das sind umgerechnet 37 Gramm Zucker auf 100 Gramm. Der Joghurt „Mars Mix mit Karamellsauce“ von Danone ist kaum gesünder – er besteht zu einem Fünftel aus Zucker.

Beide Produkte schnitten in einer aktuellen Studie der Verbraucherorganisation Foodwatch am schlechtesten ab. Dort wurden 78 Frühstücksflocken und 32 Joghurts auf ihren Zuckergehalt untersucht, die mit Cartoons, Tieren und Spielzeug oder dem Zusatz von populären Süßigkeiten an Kinder beworben werden.

Das Ergebnis ist unerfreulich: Im Schnitt enthielten die untersuchten Joghurts 14 Prozent Zucker, die Frühstücksflocken sogar knapp 25 Prozent. Diese Werte liegen klar über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation: Laut WHO gelten Frühstücksflocken mit einem Zuckergehalt von mehr als 15 Prozent und Joghurts mit über zehn Prozent als unausgewogen und sollten nicht für Kinder beworben werden.

Tatsache ist: In Deutschland ist laut Robert-Koch-Institut heute jedes siebte Kind übergewichtig. Der Anteil ist seit den 80er-Jahren um etwa die Hälfte gestiegen. Ursache ist eine falsche Ernährung vor allem durch Fertigprodukte, die viel Zucker und ungesunde Fette enthalten. Das Problem: Schon Kleinstkinder werden an sehr süße Lebensmittel der Industrie gewöhnt.

„Babys dürfen nicht auf Zucker und Süße konditioniert werden“, forderte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) deshalb jüngst in der „Bild am Sonntag“. Wer als Baby schon an den Geschmack von Zucker gewöhnt sei, werde auch später im Leben nicht darauf verzichten wollen. „Dieses Süßen schadet unseren Kindern“, sagte die Ministerin. Deshalb möchte sie Zucker und Süßungsmittel in Produkten für Babys – von Kindertee bis Babymilch – verbieten. Ähnliches hatte die Ministerin bereits im vergangenen Jahre angekündigt.

Bis Ende des Jahres soll ein solches Gesetz nun auf den Weg gebracht werden. In Brüssel will sich Klöckner zudem für ein Verbot gesüßter Kinderkekse einsetzen. An Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel habe sie „auch im Blick“.

Die Ministerin hatte sich kürzlich mit den Herstellern darauf verständigt, dass diese bis 2025 freiwillig den Zuckergehalt in Kinder-Frühstücksflocken um durchschnittlich 20 Prozent und in Kinder-Joghurts um durchschnittlich zehn Prozent verringern wollen. Laut Foodwatch wären damit immer noch 94 Prozent der Joghurts und 87 Prozent der Frühstücksflocken aus der Marktstudie zu zuckrig.

Um die Ziele zu erreichen, müsste der Zuckergehalt bei Flocken laut Foodwatch doppelt so stark gesenkt werden, bei Joghurts sogar dreimal so stark. „Statt einen unwirksamen Pakt mit der Industrie zu schließen, sollte sich Julia Klöckner endlich für die Gesundheit von Kindern stark machen und das Kindermarketing für Zuckerbomben und ungesunde Snacks komplett verbieten“, sagte Manuel Wiemann von Foodwatch.

Die großen Lebensmittelkonzerne wie Coca-Cola, Ferrero und Nestlé hatten bereits 2007 im sogenannten EU Pledge zugesichert, nur noch Lebensmittel mit bestimmten Nährwertanforderungen an Kinder unter zwölf Jahren zu bewerben. Diese freiwillige Selbstverpflichtung geht Foodwatch jedoch nicht weit genug.

Zu den Konzernen der EU Pledge zählt auch Danone. Die Joghurts „Mars Mix“ und „Twix Mix“ von Danone, die nun von Foodwatch wegen des hohen Zuckergehalts kritisiert wurden, seien zu keiner Zeit als „Kinderprodukte“ beworben und oder positioniert worden, betont der Hersteller auf Anfrage. Trotzdem nehme man im Herbst diese Produkte aus dem Sortiment. „Diese Unternehmens-Entscheidung steht im Einklang mit unserem übergeordneten Ziel, ausgewogene Ess- und Trinkgewohnheiten zu fördern“, heißt es bei Danone.

Der Konzern unterstütze die Empfehlungen der WHO und überarbeite seit Jahren die Rezepturen hinsichtlich ihres Zucker- und Fettgehalts. So enthielten etwa „Fruchtzwerge“ im Vergleich zum Einführungsjahr 1981 heute 37 Prozent weniger Zucker und 68 Prozent weniger Fett.

Kellogg hat derzeit keine Pläne, den Zuckergehalt von Frosties zu senken. Der Grund: „Wir wissen, dass Frosties ein Produkt ist, das hauptsächlich von Erwachsenen konsumiert wird.“ Der Konzern sei dabei, eine größere Auswahl an zuckerreduzierten Produkten auf den Markt zu bringen. Bei Choco Krispies etwa sei der Zuckergehalt in zwei Jahren auf 17 Prozent halbiert worden.

Nicht so bei den so beliebten Frosties. „Eine Produktversion von Frosties mit weniger Zucker mussten wir auf Grund der geringen Verbraucherakzeptanz wieder vom Markt nehmen“, teilt Kellogg mit.

Mehr: Ferrero will Kelloggs-Kekssparte für 1,2 Milliarden Dollar kaufen und so seine Position in Nordamerika ausbauen.

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