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Süßwarenhersteller Katjes gibt bei Halloren auf

Das Süßwarenunternehmen verkauft seine Anteile an den umstrittenen Investor Charlie. Für die Kleinaktionäre von Halloren hat das Folgen.
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Katjes gibt bei Halloren auf Quelle: dpa
Halloren Schokoladenfabrik

Katjes zieht sich bei der ostdeutschen Traditionsfirma zurück.

(Foto: dpa)

HamburgEs war ein erbitterter Streit, ausgefochten auf mehreren Hauptversammlungen, über Zeitungsanzeigen und Anwälte. Der traditionsreiche westdeutsche Süßwarenhersteller Katjes trat bei der ältesten ostdeutschen Schokoladenfabrik Halloren entschlossen auf, verlangte per Sonderprüfung Aufklärung über umstrittene Deals. Am Donnerstag nach Weihnachten gab Katjes jedoch auf.

Die Beteiligungsgesellschaft des Familienunternehmens, Katjes International, habe ihre rund elf Prozent an den Halloren-Aktien an den Großaktionär Charlie Investors verkauft, teilte Katjes in einer nüchternen Meldung mit. Wie viel Geld Charlie für das Ende des Streits auf den Tisch legt, ist unklar. Der umstrittene Investor dürfte nun rund 90 Prozent halten.

Der Konflikt begann vor vier Jahren mit dem schrittweisen Rückzug des Halloren-Retters Paul Morzynski. Der Wirtschaftsprüfer aus Hannover hatte die Hallenser Schokoladenfabrik nach der Wiedervereinigung von der Treuhand übernommen.

Dank der im Osten bekannten Hallorenkugel brachte er Halloren als eines der wenigen überlebenden Ostunternehmen an die Börse. Später kamen Zukäufe dazu, etwa des benachbarten Schokoladen-Eigenmarken-Herstellers Delitzscher und der belgischen Pralinerie Bouchard.

Doch nach Ansicht von Kritikern überdeckten die Deals, dass es Halloren an Wachstum und Ertragskraft fehlte. Morzynski suchte Investoren – und fand Darren Ehlert, einen Immobilieninvestor aus dem Münsterland, der in Halle zahlreiche Wohnungen besitzt. Ehlert gründete mit dem Partner die Holding Charlie Investors und übernahm schrittweise die Mehrheit an Halloren.

Der Ausstieg des Hannoveraners lockte aber auch Katjes an. Das Familienunternehmen kauft sich seit Jahren mit Geld aus Anleihen einen europäischen Verbund von Süßwarenherstellern zusammen – vom französischen Fruchtgummi-Produzenten Lutti bis zum deutschen Salbei-Bonbon Dallmann’s. Halloren hätte wohl gut ins Portfolio gepasst – und über seine Börsennotierung womöglich auch einen zusätzlichen Zugang zum Kapitalmarkt bieten können.

Damit war der Streit eröffnet, der vor allem die Kleinaktionäre ratlos zurückließ. Halloren ist in der Region Halle eines der bekanntesten Unternehmen. Entsprechend weit gestreut sind die Aktien – bei den Hauptversammlungen treffen sich aktive Mitarbeiter, Rentner, Kleinanleger und Schokoladenliebhaber. Sie erlebten Wortgefechte zwischen den Vertretern von Katjes und Charlie Investors.

Dabei versuchte Katjes zwei Jahre vergeblich, eine Sonderprüfung durchzusetzen. Zwar zog der Süßwarenhersteller Kleinaktionärsvertretungen wie die Schutzgemeinschaft SdK auf seine Seite, bleib gegen die Aktienmehrheit von Charlie jedoch chancenlos.

Am Misstrauen sind die Investoren nicht ganz unschuldig: Zu Beginn des Investments 2014 hoffte Ehlert, anonym bleiben zu können. Erst ein Bericht des Handelsblatts beendete das Rätselraten um die Identität des neuen Großaktionärs. Ehlert berichtete daraufhin, er wolle Halloren in den USA zu einer bekannten Marke machen.

Was in Halle auf Skepsis stieß, trieb der Immobilienfachmann tatsächlich voran: Er beauftragte mehrere Studentengruppen seiner Alma Mater, der Mormonen-Universität BYU in Utah, Marketingkonzepte für die USA zu erstellen und lud Studenten von dort nach Halle zu Praktika ein. Der durchschlagende Erfolg blieb jedoch aus; Halloren will jetzt wieder statt den USA zunächst Westdeutschland für seine Kugeln begeistern.

Erstaunen löste bei Katjes auch aus, dass Ehlert den Konzern zerlegte. 2017 verkaufte er Delitzscher und Bouchard – und zwar an seine eigene Holding Charlie Investors. Die Begründung: So könne Halloren fällige Anleihen bedienen. Delitzscher mit 280 Mitarbeitern machte daraufhin 2017 erstmals wieder Gewinn. Ein Hauptgrund dafür laut Bundesanzeiger: Kostenreduzierungen von 1,9 Millionen Euro in der Zusammenarbeit mit Halloren.

Delitzscher produziert weiter für Halloren und wird von der AG mitvertrieben. Dass nun Gewinne statt bei Halloren bei Delitzscher hängen blieben, verstärkte offenbar den Argwohn bei Katjes. Schließlich war das Familienunternehmen ebenso wie die freien Aktionäre nun nicht mehr an Delitzscher beteiligt. Im Einzelabschluss der Halloren Schokoladenfabrik fiel 2017 der Gewinn jedenfalls aus – nach einem Plus von 1,2 Millionen Euro im Vorjahr.

Charlie dagegen gibt an, mit den Transaktionen ins Risiko gegangen zu sein, um Halloren zu retten und zugleich den Verbund zusammenzuhalten. Der Investor ging dafür im Sommer sogar den über eine PR-Agentur vollzogenen Schritt, dem Rivalen Katjes in einer ganzseitigen Anzeige in der „Mitteldeutschen Zeitung“ vor der Hauptversammlung anzubieten, die Verkäufe rückabzuwickeln. Darauf ging Katjes nicht ein – und bestand auf der Sonderprüfung.

Die Kleinaktionäre können vorerst nicht mehr mit Aufklärung rechnen. „Wir freuen uns über die einvernehmliche Lösung, die wir als positiv für Halloren und seine Aktionäre ansehen“, teilte Katjes-Chef Tobias Bachmüller mit. Die Kleinaktionäre müssen nun auf den guten Willen der Investoren um Ehlert vertrauen. Der Aktie dürfte der Schritt kaum helfen – seit Ende 2016 wird sie sowieso nur noch außerbörslich gehandelt. Derzeit notiert die Börse Hamburg sie nahe des Allzeittiefs bei 4,20 Euro.

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