Süßwarenhersteller Storck unter Feuer „Au revoir Merci!"

Storck geht wegen Markenverwässerung gegen einen kleinen Familienbetrieb vor und gewinnt vor Gericht. Die Besitzerin muss ihr Geschäft komplett umbauen. Auf Facebook wächst jetzt die Kritik.
Update: 29.01.2015 - 07:29 Uhr 13 Kommentare
Wegen „Verwässerung der Marke“: Storck geht gerichtlich gegen das „Café Merci“ vor und gewinnt. Auf Facebook sorgt das für Ärger. (Screenshot: Merci-Werbespot auf YouTube)
Merci verärgert Facebook-Nutzer

Wegen „Verwässerung der Marke“: Storck geht gerichtlich gegen das „Café Merci“ vor und gewinnt. Auf Facebook sorgt das für Ärger. (Screenshot: Merci-Werbespot auf YouTube)

DüsseldorfAuf der Facebook-Seite der Marke Merci sieht es eigentlich nett aus: Ein glückliches Paar auf dem Titelbild und lauter freundliche Posts zum Thema „Danke sagen“. Doch der Schein trügt. Seit Samstag ist die Stimmung nicht mehr so nett: Denn seit diesem Tag veröffentlichen wütende Nutzer einen Beitrag der „Frankfurter Neue Presse“.

Die Geschichte: Zusammen mit ihrem Ehemann gründet Anja Klügling 1992 das „Café Bonjour“ in Bad Soden im Taunus. 2006 verstirbt der Ehemann – als Neuanfang und Dank für sein Lebenswerk benennt Klügling den Laden in „Café Merci“ um. Über die Jahre kommen drei weitere Filialen dazu. Heute beschäftigt sie knapp 55 Angestellte rund um Frankfurt, verkauft französische Tartelettes, Gebäck, Pralinen und Landbrote.

2011 erhält Klügling ein Anwaltsschreiben der August Storck KG aus Berlin. Das Unternehmen, das Produkte wie Knoppers oder Nimm2 herstellt, stört sich am Namen der Café-Kette und will Klügling zur Namensänderung bewegen. Denn Merci heißt auch eine Schokoladensorte des Konzerns, also genau wie Klüglings Cafés. Sie weigert sich, Storck zieht vor Gericht und verliert. Doch der Hersteller lässt nicht locker. Er zieht erneut vor Gericht, in diesem Fall wegen „Verwechslungs- und Markenverwässerungsgefahr“, so Tanja Klügling auf Anfrage von „Handelsblatt Online“. Dieses Mal gibt das Amtsgericht dem Konzern Recht. Klügling legt Revision vor dem Oberlandesgericht ein und es kommt schließlich zum Vergleich.

Die Betreiberin lässt sich darauf ein, die Cafés umzubenennen: „Das Gericht hat durchblicken lassen, dass es keine weitere Revision zulassen wird und dass es nur partiell zu unseren Gunsten entscheiden würde. Backwaren und Gastronomie: Ok mit Merci, Patisserie nein“, sagt Klügling. Umsetzbar wäre das wohl nur bei räumlicher Trennung der Verkaufsbereiche für die jeweiligen Produktsparten gewesen. Der Vorschlag, den Namen in „Café Merci im Taunus“ zu ändern, wollten die Anwälte von Storck zudem nicht annehmen und beharrten auf einer vollständigen Änderung, sagt Klügling. Beides habe sie schließlich dazu bewegt, den Vergleich anzunehmen.

Bis Januar 2016 hat Klügling nun Zeit, einen neuen Namen zu finden. Doch das wird teuer, denn nicht nur die Beschilderung muss weg. Auch Verpackungen, Geschirr und Servietten müssen entsorgt und die Geschäftsausstattung mit neuem Logo versehen werden. Zudem müsse man dafür sorgen, dass nicht der Eindruck eines Eigentümerwechsels oder einer geschäftlichen Schieflage aufkomme, sagt Klügling. Sie rechnet mit Kosten von bis zu 250.000 Euro.

Facebook-Nutzer kritisieren Storck
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13 Kommentare zu "Süßwarenhersteller Storck unter Feuer: „Au revoir Merci!""

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  • frau buschfrau
    kinder gärten heissen in dt. nicht mehr so ,weil es dort keine gärten gibt, die wurden (in berlin f.-hain weidenweg) in seniorenstifte um gewandelt die sen. aber sind zu tatrig um das mit leben zu erfüllen


    jetzt weis ich auch warum es kein maggikraut im laden gibt weil der liebstöckl deutscher richterschaft zum frass vorgeworfen wurde oder?

  • Das interessante an der sache ist das das letzte gericht die kaffeehaus betreiberin unter druck gesetzt hat dem "kompromiss" zu zu stimmen in dem es so habe gelesen die revision nicht zu lassen wollte!

  • ups - demnächst dürfen Kinder-Gärten nicht mehr so heißen - wegen Verwässerung der Marke Kinder

    Ich bin schon lange der Ansicht, dass Wörter des alltäglichen Gebrauchs nicht als Marke zulässig sein sollten.

  • Merci ist eines der meist gebrauchten französischen Wörter (wie Danke im deutschen). Selbst in andere Sprachen hat es Eingang gefunden oder wird in schicken Kreisen ausgedehnt verwendet.

    Wie kann ein solches Wort überhaupt geschützt werden? So sind zum Beispiel auch einfache Bezeichnungen, die im Duden stehen, nicht schutzfähig. Das Urteil ist ein glattes Fehlurteil. Am Ende darf ich meinen Familiennamen nicht mehr für meine Firma nutzen, weil es Konkurrenten gibt - ich kenne sie -, die denselben Familiennamen haben und ihn im Firmennamen verwenden.

    Der Dame kann aber geholfen werden. Sie kann einen Monsieur Merci heiraten. Innerhalb eines Jahres ist das schon zu machen.

  • Sorry wegen der Schreibfehler, aber auf Glas mache ich leider viele Fehler und im Falle des Handelsblattes kann man leider nicht nachträglich korrigieren.

  • Klar, dass einmgroßes Unternehmen innsolch einem Fall immer schlecht aaussieht,,weil der
    normale Bürger reflexartig reagiert undmsichnsagt, das ist unfair, Davis gegen Goliat.
    Richter darf das nichtnschrecken,,sie haben nach Recht und Gesetz zu urteilen
    und diesbezüglich ist diemSachlage klar.
    Doch bei der Auflösung dieser selbstverursachten Drangsal der wackeren Betreiberin
    und der Rechte von Storck sollte die Verhältnismäßigkeit gewahrt werdenund dabei wäre meiner Ansicht nach folgendes zu beachten.
    Die Kosten der Umbenennung sind unverhältnismäßig hoch, ggf. sogar existenzgefährdent,
    hier sollte auch diemVerhältnismässigkeit beachtet werden.
    Andererseits ist der Schaden für Storck bei einem weiteren Gebrauch der Bezeichnung Merci eher virtuell, als real, so das Raum bleibt für,einen besseren Kompromiss.

    Hier sollte der Kläger nachsichtig sein, wie es beispielsweise auch Apple bei einem Café war,,
    dass den Namen Apfelkind oder so ähnlich trug und weiterhin behalten darf.
    Die Umbenennung in Café im Taunus in Verbindung mit einer Unterwerfungserklärung, die regelt, wie viele Filialen unter diesem Namen werkeln können.
    Die äusseren Namensbezeichnung sollte ergänzt werden mit der Formulierung "im Taunus" und direkt unter, über oder neben dem Namen Café Merci angebrachtnwerden.
    Ferner könnte vereinbart werden, alle Gebrauchsgegenstände wie Teller, Tassen etc. weiter vewendet werden dürfen bis zumeiner Zeit, sagen wir von 7 Jahren.
    Neue Gebrauchsgegenstände müssen natürlich schon den neuen Namen zragen.

    Ausserdem sollte es auch im Interesse von Storck sein, diese Auseinandersetzung schnell zu beenden.

  • Wurde gemacht. Hoffentlich machen noch Viele mit. Man kann ja auch einfach auf die Produkte der Firma verzichten. Schokolade gibt es auch bei anderen Herstellern und die ist auch meistens noch besser.

  • -------- Faketicker -----

    Einer unbestätigten Meldung zufolge will die Firma Stollwerck dem französische Volk verbieten, sich zu bedanken. Grund dafür ist daß das französische Wort für "danke" mit Markenrechten von Stollwerck kollidiert.

  • Es fällt mir leicht, nie wieder Knoppers, Nimm2, und Merci zu kaufen, den Müll wollte ich noch nie, aber wenn ich mal bei Frankfurt bin und vor einer Filiale stehe, gehe ich nach der Geschichte gerne zu Frau Klügling.
    Aber wie heisst die dann ?

    Das typische an deutschen Gerichten ist, daß bei völlig gleicher Faktenlage unterschiedliche Richter unterschiedlich urteilen. Das ist genau das Gegenteil von einem Rechtsstaat, nämlich eine Willkürherrschaft.

    Solche Richter braucht die Welt nicht, und schon gar nicht Deutschland. Solche Richter sind der Tod vom Vertrauen der Bürger in die Rechtstaatlichkeit. Aber die hat wohl sowieso kein Bürger mehr, man weiß daß hier der Recht bekommt, der mehr Geld hat.

  • Wen das Verhalten von Merci ankotzt, der hat hier die Möglichkeit das der Firma zu sagen:

    http://www.storck.com/de/contact/


    Bei Jack Wolfskin war die Community auch damit erfolgreich.

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